Beeilen wir uns nicht zu sehr, sie als Thorheit zu be-zeichnen. Im Grunde genommen gibt es nur zwei Religionenin der Welt: Den Katholizismus und den Paganismus, dieVerehrung Gottes, oder die Verehrung des Menschen, desSklaven und Spielballs Satans. Wann sich der Mensch vondem Reiche der Erlösung lossagt, verfällt er unvermeidlichund in gleichem Maße der Herrschaft des Dämons.
Was aber von dem Menschen gilt, gilt auch von denGesellschaften. Seien wir überzeugt, daß, wenn die Lostren-nung vom Christenthume vollständig werden könnte, die Na-tionen weder den Protestantismus, noch den Judaismus, nochauch den Mahometanismus, sondern das Heidenthum unter dereinen oder der andern Form annehmen würden. Als die fran-zösische Revolution mit dem Christenthum gebrochen hatte, zuwelcher Religion schritt sie alsdann?
Um das Porträt des Helvetius zu vollenden, fügen wir nochbei, daß er sich überall als demokratischer Republikaner zeigt. ')
Wenn es aber wahr ist, daß man den Baum an seinenFrüchten erkennt, so fragen wir jeden unparteiischen Mann,was Helvetius ist. Wem gilt seine Verachtung und sein Haß?Wem seine Lobreden, seine Meinungen und Bestrebungen?
Es erübrigst noch zu wissen, wie dieser heidnische Philo-soph, dieser Büirger von Rom und Sparta, dessen Urbild sichsicherlich in Europa seit Einführung des Christenthums in derGesellschaft bis auf die Renaissance nicht findet, mit vielenAndern mitten im achtzehnten Jahrhundert erscheint, ungeachtetder Frömmigkeit seiner Lehrer.
Weder Jahre, noch Unglückssälle, noch Krankheiten änderndie Ideen, welche Helvetius in seiner Jugend in sich aufge-nommen hat. In der Zurückgezogenheit auf seinem Landgutezu Voro bringt er seine letzten Tage damit zu, die sensuali-stischen und rationalistischen Doctrinen Locke's und Epikur'sin Verse zu bringen.
1) ve I'Iwmme, Sect. VII bis X.