234
Dionys der Tyrann, die Liebe auf dem Lande, dieFeste von Korinth, Nanina, die Liebschaften dergroßen Männer, Epicharis, die Olympischen Spiele.
Wir übergehe» deren eine Menge noch schönere.
Indessen erzeugte der Paganismus, welcher die literarischeWelt eingenommen hatte, durch das Organ der Philosophensprach, sich in den wissenschaftlichen Artikeln, in den Memoirender gelehrten Gesellschaften kundgab und vom Theater herabdurch alle Sinne bis in das Innerste des Herzens sich ein-schlich, solche diesen Lehren entsprechende Sitten. Was warendie Soupers des Regenten? die Soireen Ludwig's XV.? dieGesellschaften der großen Herren in ihren Schlössern in derStadt und auf dem Lande? Welche Rollen spielten die Hof-damen und die Schauspielerinnen?') Die größten NamenFrankreichs wurden den Namen der Arnoux, Clairon, Des-champs, Leclerc, Guimard, Mazarelli und einer Menge An-derer zur Seite gestellt. Entführungen, skandalöse Flucht-versuche, noch skandalösere Heirathen waren an der Tagesord-nung. Paris gab jährlich fünfzig Millionen aus, um berüch-tigte Ehrlosigkeiten zu bezahlen.
Sodann spielten dieser ganze verderbte Adel, diese ganzmüsstge Bürgerschaft, diese ganze wissenschaftliche Klasse, wiedie entarteten Römer zur Zeit des Tiberius, Komödie, in derStadt und auf dem Lande, verfaßten um die Wette kleinegalante Gedichte und mit Venus und Cupido gezierte kleineMadrigals, und trugen sie bei ihren Soupers bei der Tencin,der Graffigny, Geoffrin und andern mehr oder weniger phi-losophischen Damen als Zwischengerichte vor.
1) Siehe Oietionnairs portatil äss tliestres, 3 Bde. in 12. Paris1754 rc.
2) iVlem. äs Lseiiaumont.
3) Tableau äs 0. 60XXXVIII.
4) LIem. äs Ladinumont, Thl. I. S. 40; Thl. II- S. 103, 105, 159;Thl. III. S. 32, 33, 125, 137, 167, 176, 271 u. s. w.