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Was auch an dem Zeugnisse des Spizelius Wahres seinmag, so fragen wir doch, was von einer Schule zu halten sei,deren berühmteste Lehrer und Schüler es zweifelhaft lassen,ob sie den Glauben bewahrt haben? Unzweifelhaft aber istder unbedingte Paganismus der politischen Ansichten Macchia-vel's. Dieselben sind hauptsächlich in seiner Rede überdie Dekade des Titus Livius, in seiner Abhand-lung über die Republik und in seinem „Principe"enthalten. Stellen wir zuerst fest, daß Macchiavel nach Mat-ter's Ausdruck der Vater der modernen Politik, des Cäsaris-mus, ist.
Es ist wohl unnütz, nochmals daran zu erinnern, daßwir darunter die sociale Vergötterung des Menschen, die Ab-sorption der geistlichen und weltlichen Gewalt zum Vortheiledes Menschen, mag derselbe nun Volk, Kaiser oder Königsein, die Begründung der socialen Ordnung nicht auf denWillen Gottes, sondern auf den souveränen Willen des Men-schen, die Anleitung des Menschen nicht zur Erfüllung derGebote Gottes, sondern zur Befriedigung seiner willkürlichenGelüste, nicht zu dem ewigen Glücke der Menschheit, sondernzu seinem zeitlichen Wohlergehen verstehen.
Die Elemente des Cäsarismus waren, wie wir bewiesen,schon im Mittelalter hier und dort in Europa verbreitet, nie-mals aber gewannen sie die Oberhand über die christlichenElemente. Macchiavel sammelt, verdichtet, sormulirt sie, bringtsie in ein Lehrsystem und sein Buch wird, nach des KönigsFriedrich von Preußen Ausdruck, das Brevier der Mo-narchen.
„Macchiavel's Werk," sagt Matter, „bezeichnet eine neueAera, eine Aera des allgemeinen Umsturzes, nicht eineAera eines bloßen Bruches zwischen der Religion undder Politik, sondern eine Aera des fundamentalen Um-sturzes ihrer alten Beziehungen. In der That abstrahirtMacchiavel nicht nur von allen Principien des göttlichen Rechtesund der religiösen Legitimität, nicht nur reducirt sich bei ihm