Niemals haben die Menschen im wilden Zustande gelebt.Die Societät ist ein ursprüngliches und göttliches Factum indem Sinne, daß der Mensch sociabel geschaffen worden ist unddaß alle Gewalt von Gott kommt. Dies ist nach der Lehredes Christenthums der Ursprung und das Fundament derSocietäten.
Macchiavel lehrt das gerade Gegentheil: die Societät istweder ein ursprüngliches, noch ein göttliches Factum. Indemer die heidnischen Schriftsteller zu Orakeln wählt, nimmt erseinen Ausgangspunkt von der Mythe des wilden Zustandes.Seiner Ansicht nach wurden die Menschen, welche ursprüng-lich in den Wäldern zerstreut lebten, von dem Dränge desWohlseins oder von dem Gefühle der Furcht angetrieben, sicheinander zu nähern und sich im Hinblicke auf ihr gemeinsamesInteresse mit einander zu vereinigen. Daher der Gesellschafts-vertrag, das regeneratorische Princip der Societäten.
Diese doppelte Fabel von dem Naturzustände und demGesellschaftsvertrage, der Collegjugend von den classischenAutoren vorgesungen, von Macchiavel getreulich wiederholtund von seinen Fortsetzern gewissenhaft weiter fortgeführt, war,wie wir gezeigt haben, das Grundprincip der französischenRevolution. Sie wird auch die Seele aller ihr folgendenRevolutionen sein; denn sie ist principiell die sociale Vergöt-terung des Menschen.
Ohne irgend eine Regierungsform rundweg zu verdam-men, gibt doch das Christenthum der Monarchie den Vorzug.Alle großen christlichen Nationen sind monarchisch gewesen,die Erfahrung hat bewiesen, daß die Autorität eines Einzigen,Alles recht überlegt, eine sicherere Bürgschaft der Stabilität,der Freiheit und folglich des wahrhaften Fortschrittes ist, alseine getheilte Gewalt. Für Macchiavel ist Rom der Typusder socialen Vollkommenheit, Rom aber war eine Republik.Er gibt der republikanischen Form den Vorzug. Mit welcherGefälligkeit schildert er das Glück und die Vortheile der Volks-regierung! Ihre Vollkommenheit ist so groß, daß selbst die