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Für Macchiavel ist die heilige Schrift keine Autorität.Titus Livius ist sein Orakel, Rom sein Muster und Vorbild.Die von den Römern angewandten Mittel der Erhaltung undVergrößerung — in diesen besteht für die Nationen das Ge-heimniß der Dauer und der Macht. Das erste Mittel ist dieGewalt. Indem er fortfährt, seinem unwissenden Schülerkatechetischen Unterricht zu gebe», sagt Macchiavel zu demchristlichen Europa: „Rom vergrößerte sich durch die RuinenAlba's. Die feindlichen Städte zerstören, die dem Gemetzelentronnenen Bewohner derselben in die siegreiche Republikfortschleppen: dies war das erste Mittel, welches die Römerzu ihrer Vergrößerung anwandten. Dieses Mittel ist ihnenganz vortrefflich gelungen, da Rom schon unter seinem sechstenKönige achtzigtausend Mann unter die Waffen rufen konnte,während Sparta und Athen, zwei ebenso gut consti-tuirte Republiken, niemals mehr als je zwanzigtausendMann zu bewaffnen vermochten."
Also der antike Krieg, der Krieg mit der Ausplünderungund der Fortschleppung der Besiegten — das ist das Muster-bild, welches der Erstgeborene der Renaissance dem christlichenEuropa vorzuhalten wagt.
Nach der Gewalt die List. Das zweite von Macchiavelvorgeschlagene Mittel der Vergrößerung ist die Spitzbüberei.Selbstverständlich stützt er sich auch Hiebei auf das Beispiel derRömer. Er lobt dieselben, daß sie die Völker Latiums hinter-gangen, indem sie denselben vorspiegelten, sie seien sooii, die Ver-bündeten der Römer, während sie nur ihre Tributpflichtigen undSklaven waren. Er lobt Cyrus, daß er seinen Oheim Cyaxa-res, den König der Meder, betrogen, und behauptet, daß wer
1) Oise. lid. II. o. III.
2) Das Kapitel, in welchem Macchiavel sein erstes Vergrößerungsmittelangibt, hat folgendes, den ganzen Gedanken des Meisters ausdrücken-des Motto:
Gaume, Revolution. VI.
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