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[2. Band.]
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nicht zu betrügen weiß, — niemals zu einer großen Macht ge-langen wird. „Wenn ein Fürst," sagt er, „große Dinge aus-führen will, so muß er nothwendiger Weise zu gebieten undzu betrügen wissen. Die Spitzbüberei ist desto weniger tadelns-werth, je besser man, wie die Römer thaten, sie verbergenkann." ')

Ist das Cäsarismus und empörender Cäsarismus? Aller-dings hatte, wie wir recht gut wissen, das christliche Europaauch schon vor Macchiavel macchiavelistische Handlungen erlebt.Allein die Lüge als Princip aufstellen, die Betrügerei zu einerförmlichen Lehre machen, sie als ein für den Erfolg unbe-dingt nothwendiges, als ein Mittel darstellen, welches manohne Scheu anwenden kann und über das man noch nicht ein-mal zu erröthen braucht, wofern man nur Heuchelei genugbesitzt, um es zu verbergen: ein solches Aergerniß vor derchristliche» Welt blieb der Renaissance vorbehalten.

Und doch gibt es noch heute Menschen, welche die Re-naissance eine schöne und herrliche Bewegung nennenund als den Ausbruch der latenten Kräfte, welcheseit tausend Jahren gegen die Barbarei reagir-ten, bezeichnen. Ach, warum ist doch Europa nicht verbliebenin seiner tausendjährigen Barbarei mit seinen gelehrten Bar-baren, den heiligen Thomas und Bernhard, dem Roger Bako,mit seinen barbarischen Baumeistern, die es mit ihren colos-salen Werken bedeckten, und ins Besondere mit seinen barbari-schen Monarchen, welche den Grundsatz hatten, daß, wennauch die Redlichkeit von der ganzen übrigen Erdeverbannt sei, man dieselbe doch im Herzen derKönige wiederfinden müßte!

Ob die unsittliche Doctrin Macchiavel's von selbst vor

1) Xon eonelriuäo nltro per täte attions, SS non eire all nn Prin-cipe cd« vo§Ii» Inre §ran cose, e neeessario iinpersre in^an-nsre. . . !,» Irnulls s tsnto ineno vituper<rbils «znsnto e piüeoperta, eorns tu gnesta cie' liomsni. — Oise. o. XIII.