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selbst vergessen lassen konnte, daß er einen Fehler copirte, dermir an so viele» Stellen die Jlias Homer's verleidet. Alsich besser unterrichtet war, erkannte ich, daß der römische Dich-ter hierin keineswegs den griechischen nachzuahmen gesuchthatte: daß er vielmehr nur gethan, was jenerthat,daß er die Sitten seines Jahrhunderts copirteund dessen Geschmack schmeichelte."')
In der Grausamkeit kamen die Griechen also den Römerngleich; auch im Betrug hielten sich diese beiden Völker dasGleichgewicht. Um das Volk zu knechten, betrogen es dierömischen Politiker, indem sie die Lüge und den Aberglaubenunterstützten und ihnen Geltung verschafften. Im Spiele mitden Wörten urbs und eivitas fanden sie das Mittel, Karthagozerstören zu lassen, sogar kraft des Vertrages, welcher die Er-haltung dieser Stadt garantirte. Die Treulosigkeit der Griechenist sprüchwörtlich geworden; wir werden später zeigen, daßdieses Sprüchwort guten Grund hat. Und dennoch werdendiese beiden Völker seit der Renaissance beständig den christ-lichen Nationen zum Muster aufgestellt! Darf man deshalberstaunen, wenn die moderne Politik, die revolutionäre Politikmehr oder weniger Griechisches und Römisches an sich hat?
Wenn sie nicht mehr davon hat, so ist das nicht Mac-chiavel's Schuld. Da er nach den klassischen Mustern das Bildeines wahrhaft politischen Fürsten entwirft, der fähig wäre zuregieren und sich in der Macht zu behaupten, fürchtet er sichnicht, zu sagen, sein Charakter müsse dem Löwen unddem Fuchse gleichen. Dieser Typus ist obligat, weil dieAlten berichten, daß mehre Heroen dem Centauren Chironanvertraut wurden, damit er sie auserziehe und unterrichte.„Durch diesen Lehrer," sagt er, „der halb Mensch, halb Thierwar, wollten sie andeuten, daß ein Fürst gewissermaßen zweiNaturen besitzen müsse, von denen eine die andere unterstütze.Der Fürst soll also, wenn er als Thier handeln
1) Uebersetzung des Tacitus, viso. pi-elirn. S. 135 ff.
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