Band 
[2. Band.]
Seite
132
JPEG-Download
 

132

muß, suchen, Fuchs und Löwe zugleich zu sein:Fuchs, um die Schlingen wahrzunehmen, Löwe, um die Wölsein Schrecken zu setzen." ')

Nicht nur um die Schlinge zu vermeiden, muß der FürstFuchs sein, sondern vielmehr noch, um deren zu legen. Wenner sich geschickt machen will in dieser häßlichen Kunst, so höreer Macchiavel: „Ein behutsamer Fürst," sagt der Wiederher-stelle! der heidnischen Politik, „muß sein Versprechen nichthalten, wenn dessen Erfüllung ihm nachteilig sein würde, undwenn die Gründe, welche ihn bestimmten, etwas zu versprechen,nicht mehr existiren. Es wird ihm nie an gesetzlichen Ver-wänden mangeln, seinen Wortbruch zu verdecken. Je besterer den Fuchs zu spielen versteht, um so besser wird er reuis-stren; allein er muß dieses Thier wohl versteckt halten, undein großer Lügner und großer Heuchler sein.

„Es ist immer gut für einen Fürsten, mild, treu, menschen-freundlich, religiös, aufrichtig zu scheinen; es ist selbst gut,das Alles wirklich zu sein. Allein gleichzeitig muß er hin-länglich Herr seiner selbst sein, um im Falle des Bedarfesdie entgegengesetzten Eigenschaften zeigen zukönnen.

„Er muß wohl verstehen, daß es einem Fürsten, undzumal einem neuen Fürsten, nicht möglich ist, in seinemBenehmen stets das zu beobachten, was denMannin den Ruf eines rechtschaffenen Mannes bringt;daß er oft verpflichtet ist, um den Staat zu erhalten, ge-gen die Menschlichkeit, gegen die Nächstenliebe,selbst gegen die Religion zu handeln. Er muß alsoeinen hinlänglich biegsamen Geist besitzen, um sich in alle Dingezu schicken, wie es der Wind und die Glücksfälle erheischen.Er muß, wie ich gesagt habe, so lange als möglich auf demWege des Guten beharren; allein im Falle der Noth muß erauch den des Bösen zu betreten wissen.

1) Del Principe, Kap. 18.