Band 
[2. Band.]
Seite
147
JPEG-Download
 

147

Fünfzehntes Kapitel.

Bodin.

Zweifacher Charakter der Politik im Alterthume! Souveräue-tät des Volkes und Souveränetät des Fürsten, Anarchie oderDespotismus — Dieselben Charaktere und dieselben Resultate inder modernen Politik — Bodin — seine Geschichte — Nenais-sant und Freidenker — Seine Schriften — Gespräche überdie Religion — Abhandlung über die Republik —Vorläufer des Geistes der Gesetze — Bodin schöpft seineIdeen stets aus dem Alterthume — Er verlangt für die Ehegattendie Wiederherstellung der rechtsgiltigcn Befugniß, ihre Gattinen zuverstoßen — Für die Väter die Gewalt über Leben und Tod derKinder — Einflmß Bodin's — Ausgaben seiner Werke — AndereBekenner des Cäsarismus — Schule der Naturalisten.

Bei den Alten befindet sich die souveräne Gewalt Anfangsbei dem Volke; dann geht sie vom Volke auf Individuenüber, welche abwechselnd Archonten, Ephoren, oder Cäsar ge-nannt werden. So sehen wir die ganze griechische und römi-sche Politik beständig zwischen dem Despotismus der Mengeund dem Despotismus Einzelner schwanken, um in beidenFällen auf die Apotheose des Menschen hinauszulaufen.

Von demselben Punkte ausgegangen, gelangen die Rechts-kundigen der Renaissance zu demselben Ziele. Unter ihrerFeder nimmt die heidnische Idee zwei entgegengesetzte Rich-tungen: die Einen begünstigen den Despotismus der Masse,sie sind Republikaner; die Andern begünstigen den Despotis-mus eines Einzigen, sie sind seile Höflinge. Daher rührt dieim Mittelalter unbekannte Erscheinung, daß die modernenNationen beständig zwischen jenen beiden Extremen schwanken.Wenn Macchiavel Cäsarier ist, so ist Buchanan Demokrat.Bodin ist bald das Eine, bald das Andere.

10 *