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zahlt man in Frankreich, Italien und Deutschland allein sechs-undneunzig Ausgaben des römischen Rechts in Großfolio,mit Noten und Commentaren versehen.
Aus dieser Strömung gegen die sociale Kenntniß desAlterthums hin entsteht die Schule der Naturalisten. Für dieRenaiffauts ist das Evangelium nicht mehr die Quelle desRechts, noch auch der Typus der socialen Vollkommenheit,ebensowenig als die christliche Kunst das Gesetz des Schönen.Um Beides wiederzufinden, muß man auf die Natur und dasklassische Alterthum, ihren getreuen Dolmetsch, zurückgehen.Anstatt daß man vor der Renaissance nur von dem christlichenRecht sprach, spricht man seitdem nur von dem Naturrecht.Die Autoren in dieser Wissenschaft schießen wie Pilse auf, be-sonders jenseits des Rheines. Welcher Deutsche oder Hol-länder jener Zeit hätte nicht irgend ein schwerfälliges Sammel-werk geschrieben, oder irgend einen langen Commentar, gespicktmit heidnischen Sprüchen, über das natürliche, sociale, poli-tische oder bürgerliche Recht? ')
1) In den Augen der Naturalisten besteht das christliche Recht nicht,zählt dte sociale Autorität der Kirche für Nichts. So findet esGrotius (dessen Buch Dc juro Kolli et pacis auf dem Index steht),nachdem er gesagt hat, daß die Könige die Hirten und zwar dieobersten Hirten der Heerde des Herrn, also Päpste, seien, den Vor-wurf sehr sonderbar, den man England deshalb mache, weil es diesouveräne, religiöse und sociale Macht wieder in die Hände seinerKönige und Königinnen gelegt habe: „Es gab keinen Grund, wes-halb sie einige englische Schriftsteller so bitter darüber tadelten, daß siedem Könige eine gewisse geistliche Gewalt zugeschrieben." — Oc im-perio summ. polest, circa sacra, Kap. ll. S- 38. Und ebensospricht Grotius der katholischen Kirche die Unfehlbarkeit und jedemitthätige Macht abl - Das. S. 117.
Puffendorf, in der Schule Grotius' gebildet, reducirt die Religionauf einige große Wahrheiten, die Unität Gottes, die Vorsehung,nnd sagt, daß die Fürsten die Gotteslästerer, die Götzen- und dieTeufelsanbeter zwar strafen können, daß ihnen aber alles Andere