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[2. Band.]
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In dem Dörfchen Ruggiano in Calabrien wurde imJahre 1664 ein Knabe geboren, der bei der Taufe den NamenJohannes erhielt: das war Gravina. In seinem zartestenAlter wird er zur Erziehung nach Neapel geschickt. Dort be-findet er sich, wie alle seine Mitschüler, in der Anschauungdes griechischen und römischen Alterthums, das frommheidnischeLehrer nicht ermüden, ihren Zöglingen anzupreisen. Der jungeGravina hört ihnen mit Eifer zu und überredet sich bald, daßAlles, was nicht griechisch oder römisch ist, weder schön, nochehrwürdig sein kann, daß man, um in der aufgeklärten Weltmit Ehren zu erscheinen, etwas Antikes an sich haben muß,und daß der beneidenswertheste Mann jener sein würde, derin seinen Ideen, seinen Neigungen, in Sprache, Namen undErinnerungen dem Griechen oder Römer zunächst käme.

In Folge dessen will er beim Austritte aus dem CollegRömer sein und wandelt feinen Namen Johann in Janus um.Römer zu sein genügt ihm nicht, und bei der Gründung derarkadischen Akademie wird er sich Bion von Krates nennen.')Das Dorf Ruggiano kommt im Livins nicht vor; Gravinalegt sich daher eine Abstammung von dem alten Consentia beiund nennt sich elvis Ooirsontinus. Hierin folgte er dem Bei-spiele seines Landsmannes, eines berühmten Renaiffant, deraus einem Peter aus Calabrien ckulius kompouius 4,aotustüouseutimis geworden war.

Sein Nachahmungstrieb blieb hierbei nicht stehen. „Nachdem Beispiele des Pomponius Lätus," sagt sein Biograph,„bewundert er den Aberglauben der Römer und lobt an ihnen,daß sie den Senat im Tempel der Götter versammelten, da-mit die Gegenwart der Gottheit ihnen weisenRath einflöße." 2 ) „Gravina hatte diese gotteslästerliche

1) Fauns enim yuain Foannes äiei rnnvnlt, smors stexantioris la-tinitatis. — Leben Gravina's von Gottfried, Moskau, S. XlX.;Alte und moderne Bibliothek von Leclerc, B. IX. Art. 5.

2) Ueber den Ursprung und den Fortschritt des bürger-