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[2. Band.]
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Gravina seine Ansicht über die Entstehung der Gesellschaftenauseinander. Dieselbe läßt sich in folgenden Punkten zusam-menfassen: 1) der Naturzustand; 2) der ursprüngliche thieri-sche Zustand des Menschengeschlechtes; 3) die Entwicklung derVernunft, hervorgerufen durch die Bedrängnisse des allgemeinenKriegszustandes; L) der sociale Vertrag, gegründet auf dasBedürfniß der Vertheidigung; 5) die Gesellschaft, von demMenschen ohne göttliche Intervention gegründet; 6) Abtretungder Freiheit gegen die Sicherheit; 7) die im Volke refidirendeSouveränetät, von dem Volke übertragen, mit der Besugniß,sie zurückzufordern, wenn das Volk glaubt, daß sein Mandatarkeinen guten Gebrauch davon mache; 8) das römische Volk,Herr aller Völker geworden, überträgt durch das Gesetz lkoZiadie Gesammtheit seiner Macht auf den Kaiser Augustus undseine Nachfolger; 9) Augustus und seine Nachfolger, die Erbensämmtlicher religiöser und socialer Rechte des römischen Volkesund aller Völker, Kaiser und oberste Priester geworden, gründenzum Glücke der Welt das ungeheuere römische Reich; 10) dasrömische Reich ist untheilbar, unveräußerlich und unverlierbar,denn es ist die Universalmonarchie. *)

Dies ist der furchtbare Despotismus, für den Gravinasich begeistert, und dessen glücklichen Fortschritt in Europa erin ciceronianischem Style erzählt. Da er zu seinen Schülern vonder angeblichen Entdeckung der Pandekten in Amalfi spricht,drückt er sich nachstehenderweise aus: „Als nach langem Schwei-gen die Orakel der römischen Gesetze wieder erweckt wurden,betrachtete Italien, das lange seiner selbst vergessen hatte, sichendlich und erkannte in diesen Gesetzen die antike Majestät desKaiserreichs. Durch sie verbreitete es wieder über die ganze,einst seinen Gesetzen unterworfene Welt, wenn auch nicht seineHerrschaft, so doch die Autorität seines Namens, und diesegewann wieder durch die Vernunft, was sie an Gewaltherr-schaft verloren hatte. „Vor unsern Gesetzen senkten alle Völker

1) Os ortu ei proZrs8SU )uris eivilis, Kap. 01V. S. 60 ff.