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[2. Band.]
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Regierungsform ändern können, wie lange Zeit auch verflossensein mag; da weder Zeit, noch Vernunft über die Gerechtig-keit und menschliche Freiheit, gegründet auf die Vereinigungaller Nationen im Schooße des römischen Reiches, den Vor-rang zu behaupten vermögen. Hierin liegt es, wenn es dazukommt, daß das römische Reich erschüttert, zerstückelt oderumgestaltet wird, im Interesse der Menschheit, es wieder zukräftigen und herzustellen, da Nichts gerechter sein kann, alseine Sache beizubehalten oder wieder herzustellen, deren Zer-fall den Untergang der ganzen Gesellschaft nach sich zieht unddas bürgerliche Band der Liebe zerreißt." *)

Dieser etwas unverständliche Pathos will sagen, daß diesociale Vollkommenheit in einer Universalmonarchie besteht;daß diese Universalmonarchie das römische Reich ist; daß diesesReich für immer besteht; daß es, wenn es irgendwie Beein-trächtigungen oder Aenderungen erlitten hat, die Pflicht dergesammten Menschheit ist, dieselben verschwinden zu machenund es in seinem ursprünglichen Zustand wieder herzustellen;daß alle Nationalitäten verschwinden und sich in diesem Uni-versalreiche neu gründen müssen, dessen Oberhaupt der Cäsarist; daß hierin für jede Nation im Einzelnen und für dieMenschheit überhaupt die nothwendige Bedingung ihrer Frei-heit und ihres Glückes liegt.

Dieser riesenhafte Traum verschwand weder mit Dante,der demselben zuerst im Schooße der Christenheit einen be-stimmten Ausdruck verlieh, noch mit Gravina, der ihn selbstAngesichts des Papstthums wieder hervorrief. Er ist die Seeleder französischen Revolution geworden. Was diese Revolutionvon allen andern wesentlich unterscheidet, was ihren eigen-thümlichen Charakter bildet, ist die stets kundgegebene Tendenz,universal zu werden. Von ihrer Entstehung an spricht siediese Tendenz dadurch aus, daß sie die Rechte nicht allein

1) Kap. II. S. 4.