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Heutzutage spazirt der .Züricher gerne in seiner reizenden Um-gegend, am liebsten, wenn er ein .Ziel vor Augen sieht; und dazielt denn der eine nach Norden, der andere nach Osten, eindritter nach Südwesten und andere anderswohin. Jenen führt derWeg nach der Weid, diesen nach der Heuelscheuer, oder wie dieneuere elegantere Sitte den Ort zu nennen beschloß, den Sonueu-berg, den dritten nach dem Hö'cklcr; kurz, nach allen Richtungenhin findet der Genußsuchcnde einen Ort, wo er von den Anstren-gungen des Spazirganges ausruhen und entweder in stiller Be-trachtung der Natur sein Schöpplein oder seine Flasche Bier trinken,oder in traulichem Gespräche seine Zeit zubringen kann. Will ernicht so weit gehen, als die genannten Orte, so findet der eineseine Rechnung im Platancngütli, der andere >m Seefcld, derdritte auf der Bürgli-Terrasse. So ist für alle wohl gesorgt. AuchLas schöne Geschlecht ist nicht mehr in die dumpfigen Mauern deckHauses gebannt, um am Spinnrocken oder mit der Nadel in derHand seinen Tag hinzubringen und den schönen Himmel bloß durchdie engen Oeffnungen dcS wohlverschloffencn Fensters anzuschauen;frei von jeder Furcht wagt es sich, bald von Beschützern geleitet,bald sogar allein, hinaus inS Freie und theilt bei Kaffee, Theeoder auch Wein den Genuß der Männer.
Schon lange herrscht diese Sitte, zielende Spazirgänge zumachen, unter Zürichs Bcwshnern; die neueste Zeit aber, welcheso vieles vervollkommnete, hat auch hieran ihre bildende Hand' gelegt und eine Menge von Lustorten theils neu geschaffen,thell» sehr erweitert und verschönert. Kaum ließe sich eine reichere