Band 
Zweiter Band, erste Abteilung. Iache - Kyzikos.
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49-50
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49 Ianus (in d. Knust: doppelköpfig)

entbehrt haben würde, ist schon deshalb hin-fällig, weil Mars (s. d.) aller Wahrscheinlich-keit nach von Haus aus ein Sonnengott undmit Apollon nahe verwandt ist. Gegen dieDeutung ( Deeckes ) des Ianus als eines etruski-schen Gottes des Himmelsgewölbes sprichtnicht blofs der Umstand, dafs Ianus sich durch-aus nicht als ein rein etruskischer Gott er-weisen läfst (s. oben Sp.'28), sondern auch,dafs es sehr fraglich erscheint, ob der Himmelaufser von Ennius jemals als einfacher Bogen(ianus, fornix, arcus) gefafst worden ist.*)Anders läge die Sache, wenn nicht der ein-fache Bogen, sondern vielmehr das Kuppel-gewölbe (tholus, hemisphaerium) Symbol desIanus wäre. Der einfache Bogen könnte höch-stens Symbol des Regenbogens (arcus caeli)sein, zu welchem Ianus jedoch keine nach-weisbaren Beziehungen besitzt. Die Corssen-sche Deutung des Ianus als Gott des Licht-wechsels beruht einerseits auf einer zweifel-haften Etymologie**), anderseits auf einer zuabstrakten, unseres Wissens nie sonst zu einergöttlichen Persönlichkeit ausgebildeten Vor-stellung. Was endlich meine eigene, vor Jahrengegebene Deutung betrifft, so dürfte zwarnicht zu leugnen sein, dafs sie mehr charakte-ristische Eigentümlichkeiten des Ianus zu er-klären vermag als die anderen physikalischenDeutungsversuche, doch scheint sie mir, wieschon oben hervorgehoben, bei der eigentüm-lichen Richtung der römischen Religion aufPersonifikation und Vergöttlichung aller mög-lichen, im häuslichen Leben wichtigen Begriffe,unnötig zu sein, womit ich jedoch nicht bestimmtin Abrede stellen will, dafs doch vielleicht demalten Thiirengotte ein (nur nicht mit Sicherheitnachweisbares) Natursubstrat zu Grunde liegenkönne. Vgl. Mannhardt, German . Mythen 236 f.,wo nachgewiesen wird, dafs der Donner- undBlitzgott Thor germanischer Thürengott war.

K. Ianus in der Kunst.

A) Doppelköpfiger Typus. Bildwerke,welche Ianus darstellen, sind, abgesehen vonden Münzen, im ganzen höchst selten. Dasälteste in dem numanischen Ianus Geminusdes Forums aufgestellte Bild (jedenfalls ganzeFigur) mit Doppelkopf kennen wir nur aus Be-schreibungen von Schriftstellern (s. oben Sp. 17)und vielleicht aus dürftigen Münzbildern (vgl.Eckhel, D. N. VII119). Dafs es sich in diesemFalle um eine sehr alte, noch zu Plinius ' Zeitvorhandene Statue handelt (vgl. Varro l. I.5, 165) geht deutlich aus den Worten diesesSchriftstellers ( h. n. 34, 33) hervor: fuisse ...statuariam artem familiärem Italiae quoque et

*) Vgl. Cie. de orat. 3, 40, 162 quo in genere . fugiendaest dissimilitudo: ,Caeli inyentes fornices i : quamvis sphae-ram in scenam . . atiulerit Ennius , tarnen in sphaerafornteis simüiludo non potest inesse. Hieraus folgt,dafs dio Bezeichnung des Himmels als fornices (statttholus, hemisphaerium, sphaera) ganz singulär und imzu-treficud war. Oder meinte Ennius etwa den Eegcn-bogen?

**) Eine ganz schlagende Etymologie von ianus,ianua und Ianus ist noch nicht gefunden, doch kannman sich allenfalls einstweilen an der alten Ableitungvon i (ire) genügen lassen.

Ianus (in d. Kunst: doppelköpfig) 50

vetustam indicant. ... Ianus geminus a regeNuma dicatus digitis ita figuratis ut CCGLV(andere lesen CCCLXV) dierum nota, per signi-ficationem anni, temporis et aevi se deum in-dicaret. Vgl. Lyd. de mens. 4, 1: τϊ/ μ.έν δεξιάτριαχοοίας tfj δε ετέρα εξήκοντα πέντεψήφους άρι&μοΰντα ωαπερ τον ένιαντόν; ebensoSuid. s. ν. Ιανουάριος und Macrob. 1 , 9, 10.Ist demnach die Lesart CCGLV bei Plinius io richtig, da er ausdrücklich von dem alten vonNuma gestifteten Bilde redet, so dürfen wirim Hinblick darauf, dafs erst Cäsar im J. 46das aus 365 Tagen bestehende Jahr einführte,wohl annehmen, dafs man später (wie esscheint, erst nach Plinius ) die Stellung derFinger der linken Hand so änderte, dafs stattLV die Zahl LXV (oder LVVV?) dargestellt

Ianus bärtig auf einem röm. Libralas (nach Mvmrusen,Hist, de la monn. vom» trad. par le Duc de Blacas pl. V =Baumeister, Denkm. S. 964 nr. 1158).

wurde. Was den Ausdruck und die Auffassungdes Kopfes betrifft, so dürfen wir ihn unswohl nach Mafsgabe des Doppelkopfes auf50 den ältesten römischen Libralassen etwa ausder zweiten Hälfte des 4. Jahrh. bärtig (vgl.Ovid f. 1 , 259 propexam ad pectora barbam)und ernst mit auffallend grofsem, wie esscheint, aufmerksam beobachtendem Auge vor-stellon. Vgl. die schönen Abbildungen derältesten Ianusmünzen in d. Wiener Nwmismat.Ztschr. 15 (1883) Taf. 1 Fig. 12 u. Taf. 2Fig. 13. Seit d. Jahre 268 treten an die Stelleder alten Libralasse die sogen. Trientalasse,60 deren Typus ein wenig verändert wird, indemder Ianuskopf jetzt mit dem Lorbeerkranze('Glaudian. 28, 641 ore coronatus gemino.Sidon. ca. 7, 11: duplicique accingere lauro)ausgestattet und darüber das Wertzeichen 1gesetzt ist (Baumeister, Denkm. S. 712 hältdieses Wertzeichen irrtümlich für einen Stab).Ähnlich auf Gemmen; vgl. Policen nr. 1397.Vielleicht gehört in diese Reihe auch der