1951
Lesbierinnen
Lesbierinnen
1952
späteren 'Lyrnessierin’ oder 'Festländerin’ Bri-se'is unter den 7 Lesbierinnen mit eingerechnetzu sehen, zeigte v. Wilamowitz {Homer . Unters.409f. 412) durch den Hinweis auf die lesbischeStadt Brisa, Bresa (vgl. Philol. N. F. 2 1889,106 — 110), deren Eponyme diese Kriegs-gefangene ist in dem Sinne, wie auch späternoch Sklavinnen mit Ethnika benannt wurden(vgl. unt. 5). — d) Lokalisieren läfst sich derMythos von den 7 L. durch die Angabe des :Scholiasten, das κάλλει ενίχων φϋλα γυναικώνgehe auf den καλλιστεία genannten άγων κάλ-λους γυναικών παρά Αεσβίοις εν τώ της "Ηραςτεμενει. Der Scholiast ist gut orientiert, .daauch der eingeborene Aristoteliker Tyrtamos-Theophrastos von Eresos {fr. 112 p. 192 Wimm.aus Athenaios 13 p. 610 A) nicht blofs für dieschönheitsberühmten {Nymphiodoros ebenda)Tenedierinnen, sondern auch für die Lesbierin-nen κρίσεις γυναικών περί κάλλους bezeugt, ίund unabhängig ein (anonymes) Epigramm derAnthologie (9, 189) die Existenz dieses Hera-Temenos bestätigt, in welchem Sappho selbstan Tanz und Gesang von Jungfrauenchören derLesbierinnen beteiligt war. Eine zugleich anHomers ενίχων und Theophrasts κρίσεις er-innernde Glosse Hesychs fügt hinzu, dafs die ενκάλλει κρινόμεναι των γυναικών και νικώσαι'Πνλαίΐδεες ’ hiefsen (s.v.). Das einem epischenoder elegischen Texte angehörige Lemma kann ;nur von der lesbischen Örtlichkeit Πΰλαιονbei den mytilenäischen Λαριβσαΐαι πέτραι, d. i.den Felsen von Larisa , j. Larso, abgeleitetsein (der Lesbier Hellanikos bei Strabon 13, 621;vgl. Philol. N. F. 3 1890, 711 ff.), deren Epony-mos Πυλαίος einst den Troern pelasgischeHülfsvölker aus lesbisch Larisa zuführte {II.B 843 ff.; vgl. Philol. a. a. 0. und 4 1891, 566 ff.).Zu diesem Volkstum stimmt auffallend, dafsdie im Hera-Temenos mitwirkende Sappho an <unabhängiger Stelle {Ovid . Heroid. 15, 27) alsPelasgerin bezeichnet wird, in Übereinstim-mung mit den sonst über ihre Biographie unddie Amtsfunktionen ihres Bruders Larichos be-kannten Tbatsachen {Philol. N. F. 3 1890, 718 ff.
4 1891, 667). — 2. Homers Verse über die 7 L.travestierte mit boshafter Ausdeutung des άμυ-μ,ονα έργα ISviag auf den Λεσβιασμός der He-tären Pherelerates (fr. 149. Kock, Ο. A. F. 1p. 192) in dem sonst auch Nikomachos oder :Platon zugeschriebenen Gheiron:
(a\ δώσω δέ τοι γυναίκας επτά Αεσβίδας(ßy καλόν γε δώρον, επτ’ εχειν λαικαστρίας(aus Eustath. zu II. 1 128 ff. p. 741, 22 undSchol. Aristoph. Ran. 1308 p. 309, 36ff. Hübn.).— 3. Verstirnung hatten die 7 L. erfahreneinem Mythos zufolge, der bis auf den alexan-drinischen Mathematiker Konon Geltung hatteund die homerischen Andeutungen ausführt.Eratosthenes b. Hyginus (P. A. 2,24 p. 67 Ru.) iund der Scholiast zu Germanicus (Arat . Phaenom.p. 72,19 Breyfs.) übernehmen ihn nach RobertsVermutung (Eratosthen. Catasterism. reliq., Pro-leg. p. 31 66 , 3. 5) aus dem Methymnäer Myr-silos. Danach büfsten die Lesbierinnen durchdie (homerische) Gefangennahme bei Achillslesbischem Eroberungszug zugleich mit derFreiheit ihr Heiratsgut ein und mufsten ehe-
los bleiben (Hyginus), ja sie kamen um (Schol.German.). Zur Entschädigung wurden sie als7 Sterne an den Himmel versetzt, woraus dieSiebenzahl der verstirnten L., wenngleich imText nicht angegeben, erschlossen wird (Philol.N. F. 2 1889, 102 f.; anders Robert a. a. O. S. 5).Erst Konon fafste die 7 getrennten Sterne(vacuas a figura VII stellas, Hygin.) zu demeinheitlichen Sternbilde 'Haar der Berenike’zusammen und widmete dies der Berenike.'Ευεργέτις’ durch ein schmeichlerisches Hof-poem. In diesem traten die Lesbierinnen alsBittstellerinnen vor der ägyptischen Königinauf und baten zum Trost für Konons Ent-ziehung ihrer Sterngruppe um Rückgewährungihres an Achilleus verlorenen Brautschatzes,für dessen Verlust einst die Verstirnung siehatte trösten sollen. (Conon mathematicus ...dicit crinem (Berenices) inter sidera videri collo-catum et quasdam vacuas a figura VII stellasostendit, quas esse fingeret crinem. Eratosthenesautem dicit (sc. Cononem mathematicum, Robertp. 3ff.) et (VI iy VIRginibus Lesbiis dotem,quam cuique relictam a parente nemo solverit,iussisse reddi et inter eas constituisse petitionem:Hyginus . — Sch. German. : stellae obscurae VII,quae vocantur crines Berenices Έΰεργέτιδος.Dicuntur et earVM (VIIy VIRginum, quaeLesbo perierunt). — 4. Abermals der LesbierMyrsilos ist Zeuge für 7 lesbische Jungfrauen,welche Sklavinnen waren und Musen genanntwurden, a) Von dem επί τά πεν&η φοιτάνκαι &ρηνεΐν (εμμελως, s. unt. 4c)> der εν Αέσβιογενόμεναι παρθένοι Μοϋσαι (ohne Zahl) aus-gehend erklärt etymologisch die Bezeichnungμέλεα für gewisse Gesänge das Frgm. 5 ausGramer, An. Οχ. 1, 285 = Et. Mag. 577, 16.F. H. G. 4 , 458. b) Die Zahl nennt (Musasinducit septem) das Frgm. (ohne Hummer) ausArnobios adv. gent. 3, 46 p. 121 ßaland.c) Vollständig giebt den etymologischen My-thos das Frgm. bei Giern. Alex. Protr. p. 9, 24.F.H. G. 4,457 wieder; er führt die (melische)Kunst der (7) Lesbierinnen, αδειν και κι&α-ρίξειν τάς πράξεις τάς παλαιάς εμμέλως aufihre Lehrerin Megaklo, Tochter des aus demHom. Hymn. Apoll. 37 berühmten LesbiersMakar zurück. Diese habe bestimmt, dafs dieJungfrauen άνά πάντα τά ιερά mittels ehernerStelen verehrt wurden; denn sie habe sichihnen dankbar erweisen wollen dafür, dafs siedurch ihre Gesänge den unversöhnlichen Grollihres Vaters Makar gegen ihre (unbenannte)Mutter besänftigten. Megaklo habe sie darumΜΰσας, nach C. Müller (F. H. G. a. a. 0.) rich-tiger Μοίσας (aiolisch) genannt; gekauft seiensie zu diesem Zwecke ursprünglich von Megakloals Sklavinnen (worin ein Anklang an die Kriegs-gefangenschaft der homerischen Sieben liegt).Wir haben hier vielleicht die Legende zumϊρον Movo&r, das der Stein von Mesopotamonauf dem Kagjani Akroteri auf Lesbos bezeugt(ο εν Κοναταντινονπόλει ' Ελληνικός φιλολογικοίσύλλογος 15 1884, 212). Führt der Name Me-gaklo (über die verschiedenen Megakies Arist.Pol. 5, 8, 3. F. H. G. 2, 158. 172. Longos 4, 35) ·und ebenso der des Makareus (Ailian. V. $■
1 3, 2) nach Mytilene, so findet sich andrerseits