1959 Leto (b. Homer, Hesiod etc.)
schrift nach den Buchstabenformen in das erstenachchristliche Jahrhundert. Frühere lasenfälschlich L · ET IYNONI. Seguier hat zuerstdie Gottheit mit dem nordöstlich von Nimes gelegenen Fundort Ledenon zusammengebracht,Hirschfeld, Westdeutsche Zeitschr. 8 p. 186.
[M. Ihm.]
leto (Λητώ, dor. Λάτώ , lat. Lätöna, etrusk.Letun ; s.d.), Tochter des Titanen Ko io s und derTitanin P h ο i b e (zuerst bei Hesiod Theog. 404ff.Hymn. Hom. 1, 62 Λητοί, %vSi βτη &νγατερ με-γάλου Κοίοιο-, AJcusilaos im Etym. Μ. v. Kotos.Apollod. Biblioth. 1, 2, 2. Paus. 4, 33, 6. Ap.JRhod. 2, 712 u. a.), daher Κοιογενής (Pind.fr. 88 Bergh), Κοιηΐς (Kallim. Hymn. 4, 150),ΚοιαντΙξ ( Orph. Hymn. 35, 2) genannt. Diesereinstimmig feststehenden Genealogie stehtvöllig vereinzelt gegenüber der bei Hyginusals Name des Vaters überlieferte Titan Polus.Die früheren Herausgeber, wie Bunte , nahmenwohl nicht mit Unrecht einen Fehler an, seies des Hyginus, sei es in der Textüberlieferung.Der neueste Herausgeber M. Schmidt hat Poluswieder aufgenommen (S. 11,7. 17,16 = Fab. 140).Als Schwester wird Asterie genannt (s. Asterie)und Ortygia ( Schol . zu Apoll. JRhod. 1, 308).Der Mythus der Leto wird fast völlig erschöpftdurch ihre Rolle als Mutter des Apollon undder Artemis , in den Erzählungen von der Ge-burt dieser ihrer Kinder, vom Frevel des Tityosund der Niobe , wo sie in beiden Fällen vonihren Kindern gerächt wird. Als Mutter desApollon und der Artemis durch Zeus kenntsie bereits das ältere Epos (A 9. Π 849: Λητονζκαι Bios ihos; Λ 36. T413. 1.318: αναξ, τονηνκομος τεκε Λητώ-, Hesiod Theog . 918: Λητώ8’ Απόλλωνα καί Άρτεμιν ίοχέαιραν — γείναταρ’ αίγιόχοιο Albs ψιλότητι μιγεΐβα; Scut.Herc.478 Λητοΐδης-, vgl. Hom. hymn. 3, 253. 321. 403.513. 524. Artemis Tochter der Leto Φ 504.ß603; vgl. E 447. Hes. Theog. 918). Im übrigenkennt die Ilias die Sage von Niobe (ß 602 ff.)und die Odyssee jene vom Frevler Tityos (1 576— 581). Unerwähnt sind dagegen in den Ge-dichten Homers wie auch Hesiods Delos alsGeburtsort und überhaupt irgend welche nähereUmstände der Geburtssage. Diese finden ihreerste Darstellung im ersten homerischen Apollon-hymnus. Weithin irrte die Göttin von Landzu Land längs den Küsten und Eilanden desägäischen Meeres, einen Ort zu finden, wo siegebären könne. Alle Länder und Inseln aberweigerten sich, sie aufzunehmen, aus Furchtvor dem gewaltigen Sohne, welchen sie ge-bären sollte. Endlich gelangte Leto nachRheneia und richtete von hier aus ihre Bittean Delos . Wenn die Insel einwilligte, daserste Heiligtum des künftigen Gottes zu tragen,so werde sie reichen Gewinn finden. Delos war hoch erfreut; fürchtete aber noch immerden gewaltigen Gott. Wenn dieser das Lichtder Welt erblickt habe, sagte es, werde er wohlsicher das unfruchtbare felsige Eiland ver-schmähen und es mit dem Fufse weit insMeer fortstofsen, um sich in einem anderenLand niederzulassen, welches ihm besser ge-fallen werde als die Insel, die nur zum Aufent-halt für Polypen und schwarze Robben tauge.
Leto (b. Kallimachos etc.) 1960
Falls die Göttin ihr aber einen grofsen Eidschwöre, dafs Tempel und Orakel nirgendsanders als auf Delos sein werde, so sei siebereit zur Aufnahme. Leto leistete den ver-langten Schwur und wurde aufgenommen. NeunTage und neun Nächte dauerten die Geburts-wehen. Alle Göttinnen, Artemis , Rheia, ThemisAmphitrite und die anderen, mit Ausnahmeder Here, kamen hülfreich herbei. Aber diebeste Helferin bei schweren Geburten, Eilei-thyia, hatte keine Kunde von der Not derLeto. Sie blieb auf der Höhe des Olympos,zurückgehalten von der listigen Here, denndiese beneidete die Leto um den künftigenherrlichen Sohn. Zuletzt schickten aber dieauf Delos versammelten Göttinnen Iris aus,um die Eileithyia zu hülfreichem Kommen zubewegen. Durch das Versprechen eines neunEllen langen goldenen, mit Elektron besetztenHalsgeschmeides gelang es Iris, sie willig zumachen. Sie flog herbei und alsbald kamdie Gebärende zum Ziel. Mit den Knieen sichauf den weichen Rasen stemmend und mitden Armen den Stamm der Palme umfassend,kam sie zum Jubel aller Göttinnen mit demverheifsenen Sohne nieder. Die Göttinnenwuschen den Neugeborenen, wickelten ihn inein feines Linnen und umbanden dieses mitgoldenem Wickelband. Als Nahrung reichteihm Themis Nektar und Ambrosia. Kaumhatte ihn die Götterspeise gestärkt, so sprengteder schnell erwachsende Gott seine Binden undverlangte eine Kithar, Bogen und Pfeile undschritt so den Kynthos herauf, während dieganze Insel in goldenem Glanze erstrahlte.
Die Erzählung des homerischen Hymnusblieb die Grundlage für die Darstellung derdelischen Göttergeburt auch bei den späterenDichtern und Mythographen, wenn auch mitmannigfacher Abweichung und Bereicherungim Einzelnen. Eine durchaus eigenartige Re-produktion, zugleich der einzige uns erhaltenevollständige dichterische Bericht neben demdes homerischen Hymnus , ist der Hymnus desKallimachos auf Delos . Im allgemeinen be-treffen die Veränderungen und Ergänzungender Späteren folgende Punkte. Die Irrfahrtder Leto wird motiviert durch den eifersüch-tigen Zorn der Hera gegen alle, welche demZeus Kinder gebären. Besonders aber zürntsie der Leto, weil sie im Begriffe steht, einenSohn zu gebären, welchen Zeus mehr liebenwird, als den Ares ( Kallim . 55—58). Durchihre Wächter Ares und Iris läfst sie Leto ver-folgen und allen Ländern verbieten, ihr Auf-nahme zu gewähren. Nur Delos fürchtet denZorn der Hera nicht, sondern ladet die vonEuboia herbeikommende Leto ein ( Kallim . 60—200). Nach einer anderen Erzählung ( Hygin■Fab. 140) wird der Drache Python ausgesandtzur Verfolgung. Hera schwört, Leto solle nurgebären dürfen dort, wohin die Strahlen derSonne nicht reichen. Auf Befehl des Zeus trug Boreas sie fort zu Poseidon , welcher,jenen Schwur beachtend, die Insel Ortygia mitder Meeresfiut, wie mit einem Dache, zudeckte.So kann Leto, von Poseidon dorthin geführt,endlich niederkommen. Python setzt seine
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