1961
Leto (b. Hygin. etc.)
1962
Verfolgung auch nach der Geburt fort, bis er amvierten Tage auf der Stätte von Delphoi von demKnaben Apollon vom Arme der Mutter aus getötetwird (s. Sp. 1975, 51 ff.). Wir haben hier eineVerquickung der Geburtssage mit der delphi-schen Legende vom Drachenkampf, wie sie zuerstvon Euripiäes ( Iph. Taur. 1250) bezeugt ist(s. Apollon Bd. 1 Sp.428). Einflufs delphischerLegende und der Hyperboreersage zeigt eine
trat, um zu gebären, wurde sie mit vier Säulenan den Meeresgrund befestigt. Nach Kalli-machos (v. 30 ff.) hatte Poseidon , mit dem Drei-zack aufs Meer schlagend, die Insel zum Empor-tauchen gebracht. Noch hiefs sie aber nichtDelos , sondern Asterie, und schwamm auf demMeere umher. Bei Pindar (a. a. 0.) war Asterienicht der ältere Name, sondern der bei denGöttern gebräuchliche, während die Menschen ‘
Leto. Um sich vor Hera zu schützen, soll siesich in eine Wülfin verwandelt haben und inzwölf Tagen und Nächten aus dem Hyper-boreerlande nach Delos gelangt sein. Deshalb,fügte man hinzu, werfen auch die Wölfinnen seitdem an zwölf Tagen des Jahres ( Aristoteles ,Tiergesch. 6, 35 p. 580 A. Philostephanos fr. 32bei Schol. Apoll. Bhoä. 2 , 123. Antigonos vonKarystos , Mirab. 61. Älian, Tiergesch. 4, 4.
nannt, seitdem sie nach der Geburt des Gottesin goldenem Glanze erstrahlte ( Kallim. v. 260ff).Die Sage von dem unstät umhertreibenden Ei-land findet sich bei späteren Schriftstellernnoch mehrfach wiederholt. Die Urquelle diesersonderbaren Fabel scheint eine alte Deutungdes Namens Agios zu sein, deren Richtigkeitindessen wegen der dorischen Form Aälog zubezweifeln ist. Fick, Vgl. Wörterb. 4 69 und 456
10, 26 mit Berufung: Aghoi ψαβιν, Flut. Qu. 20 bietet einen im Altindischen, Litauischen und
Nat. 38). Die delphische Herkunft dieser Fabelscheint dadurch bewiesen zu werden, dafs mansich auf ein ehernes Wolfsbild in Delphoi alsZeugnis berief (Ael. a. a. O. 10, 26). Anderer-seits berief man sich auf das homerische Epi-theton des Apollon hmoysvgs (TI. A 101. 119),wofür man auch Ivttgysvgg gelesen zu habenscheint (vgl. Ilesych. s. v.). So gewinnt es denAnschein, als ob die Interpretation 'wolfs-
mehreren germanischen Sprachen erhaltenenindoeurop. Verbalstamm del- dele- 'schwanken’,dessen starke Form im Griechischen Sgl- zulauten hätte. Eine verwandte Bedeutung gebenandere 'alte Namen’, poetische Metaphrasen,wieder, wie das erwähnte ’A-axsg-ig, die 'nichtfeste’, ’OgxvyCg, von dem allen indoeuropäischenSprachen gemeinsamen Stamme vert- 'wenden’'drehen’ (vgl. als griechischen Vertreter Pga-
geboren’ den eigentlichen Ausgangspunkt jener so xavot, ßgaxdva). Die direkte Ableitung von
ganzen Fabel gebildet habe. Andere freilich,wie die Scholien zur Ilias a. a. 0. (vgl. Etym. M.767, 54 und Hesych. v. Ivtgysvg) wollen jenesEpitheton davon verstehen, dafs der Gott inLykien geboren war. So kannten die Lokali-sierung der Geburt in Lykien Hagnon (Schol.zur II. a. a. 0.) und der Delier Semos bei Steph.Byz. v. Tsyvga. Mit Lykien setzt die Geburts-sage in eine gewisse Verbindung endlich die
ogxvi;, um deren willen Serv. Aen. 3, 73 Letoselbst als Wachtel nach Delos kommen läfst,ist zurückzuweisen*), die Wachtel selbst istvon ihrem tummelnden Fluge benannt. Jeneretymologische Mythus, dafs Delos einst hin-und herschwankend und nur durch ein gött-liches Wunder befestigt worden war, mufssehr alt sein, weit älter natürlich als Pindar.Dieses bezeugt die angeführte sprachliche That-
Erzählung von der Verwandlung der lykischen 40 Sache, der Reflex einer aus dem historischen
Hirten oder Bauern (Anton. Lib. 35. Ovid Met.6, 313 ff.). Nach der Entbindung kam dieGöttin nach Lykien , damals noch Tremiliagenannt. Bei einem Quell oder Teich machtesie halt, um sich und die Kinder zu waschenoder um zu trinken. Hirten oder Bauernwehrten ihr das, worauf, nach Oxid, Leto er-zürnt sie in Frösche verwandelte. Nach Anton.Liberalis wandte sie sich, von Wölfen geführt,
Griechisch ausgestorbenen Wortfamilie. —Dergleichen etymologische Fabeln, in einerälteren Sprachperiode entstanden und deshalbnur mit Hülfe der Sprachvergleichung erkenn-bar, sind die Quelle von Hunderten von grie-chischen Mythen gewesen, darunter einer Mengeder ehrwürdigsten, denen allen gegenüber dieübliche, die Dienste der Sprachwissenschaftverschmähende Mythenerklärung ratlos gegen-
den Flufs dem Apollon, benannte nach denWölfen das Land Lykien und kehrte nachjenem Quell zurück, um die Hirten durchVerwandlung in Frösche zu bestrafen. AufserIvnoysvgs bereicherte noch ein anderer Bei-name des Apollon seine Geburtsgeschichte umeine neue Fabel. Aus dem Kultnamen üxäog— es soll auch eine Ag reo Etwa gegebenhaben — wurde ausgesponnen, während derGeburt sei die Göttin von einem grofsen Eber 60 eingetausoht habe ( Eph. fr. 59)erschreckt worden (Schol. Lykophr. 265; vgl.
Plut.Pel.Ul), ein WortspielmitÜT^a und jrrotra.
Eine andere Erweiterung des Mythus gingdie mit der Geburt des Apollon verbundenenSchicksale der Insel Delos an. Pindar (fr. 87.
88 Bergk) sang zuerst, dafs die Insel in ältestenZeiten von Wind und Wellen unstät umher-getrieben wurde. Seitdem aber Leto sie be-
allgemeine Ansicht zurück, dafs Delos , nunmehrgefestigt, von keinem Erdbeben gerührt werdenkönne, eine Meinung, welche freilich den That-sachen gegenüber nicht standhielt ( Herod. 6, 98.Thuk. 2, 8, 2. Macr. Sat. 3, 6, 7. Plin. 4, 66).Nach einer abweichenden Tradition war dieInsel auf Befehl des Zeus hervorgetaucht(Liban. narrat. 19 p. 1105). Endlich heifst es,dafs Leto Delos von Poseidon gegen Kalauria
*) [Vgl jedoch auch Stark in den Ber. d. Sächs. Oes.d. Wiss. 1856 S. 32 ff. „Die Wachtel , Stemeninsel u. d. Öl-baum im Bereiche phonik. u. griech. Mythen‘\ besondersS. 61 ff., wo auf Grund von Athen . 9 p. 392 der Nachweisgeführt ist, dafs Delos Ortygia, d. h. Wachtelinsel, ge-nannt wurde, weil die Scharen dieser Tiere sich aufihren weiten Flügen auf Delos niederzulassen pflegen.
Koscher.]