1967
Leto (Kultorte)
Leto (Kultorte)
1968
Heiligtum des Apollon von Didyma bei Milet ,darunter eine Phiale an die Leto ( G. I. G. 2852= Ditt. Syll. 170). In den Bundesverträgender Städte auf Kreta erseheint Leto mit ihrenKindern als Schwurgöttin (Cauer,Delectus- 116.117. 121 = C. I. G. 2554. 2555). In Rom opferte man Apollo, Latona und Diana anden Saeciüarspielen auf dem Marsfelde ( Zosim.
2, 5, 2). Bilder der drei Gottheiten standenneben einander im palatinisehen Tempel des ioApollo ( Prop. 2, 31), Latona ihre Kindertragend, ein Werk des Euphranor, im Con-cordiatempel ( Plin. 34,77), Marmorbilder derLatona und Diana beim Porticus der Oetavia(Plin. 36, 34).
Indessen fehlte es der Leto auch nicht aneigenen Heiligtümern. Ein Ayrmov gab esauf Delos. Aristoteles , Eth. Eud. c. 1 p. 1214 Aüberliefert den Spruch, der im Vorraum diesesTempels angebracht war. Au dieses Letoon 20knüpfte*sich folgende Legende ( Semos von Delosfr. 8 bei Athen . 14 p. 614 A): Parmeniskos, einvornehmer und sehr reicher Mann aus Meta-pontion, war in die Höhle des Trophonioshinabgefahren und vermochte seitdem nichtmehr zu lachen. Das Orakel prophezeite, eineMutter werde ihm das Lachen wiedergeben,sie sollte er vorzüglich verehren. Lange konnteParmeniskos die verheifsene Hülfe nirgendsfinden, bis er einst nach Delos kam und in 30den Tempel des Leto eintrat. Als er anstatteines schönen Bildes der Göttin, welches erzu beschauen hoffte, wider Erwarten ein un-schönes Holzbild vor sich sah, konnte ersich nicht enthalten, laut aufzulachen. Da er-kannte er den Sinn des Orakels und ehrte dieMutter Leto auf grofsartige Weise. Auch inArgos gab es ein eigenes Letoon mit einemvon Praxiteles gefertigten Bilde. Neben diesemstand ein Bild der Chloris, deren früherer Name 40Meliboia gewesen sein sollte und die man fürdie einzige am Leben gebliebene Tochter derNiobe ausgab. Sie sollte nach der Legendediesen Tempel gestiftet haben (Paus. 2, 21, 10).Ein Heiligtum der Leto gab es ferner in demtriphylisehen Amphigeneia (Strabon 8 p. 349.Steph. Byz. v. ’Ayqnysvsia) und bei der StadtLete in Makedonien (Steph. Byz. v. Ayzrf). Ineiner merkwürdigen Verbindung mit dem Kulteder Hera stand die Leto in Plataiai. Unter 50dem Beinamen Mv %ia oder Nv%ia galt sienämlich hier als Altar- und Tempelgenossin(bjioßmiuos Mal avvvaos) ihrer Nebenbuhlerin,sodafs bei den Heraopfern an den Daidalen ihrdasVoropfer gebracht wurde. Die mythologischeBegründung war folgende: Zeus hatte diejugendliche, auf Euboia aufwachsende Herageraubt und sich mit ihr in einer Kluft (; iv%6g)des Kithairon verborgen. Die Erzieherin derGeraubten, die Nymphe Makris, kam auf der 60Suche an diesen Ort und wollte in die Höhleeintreten. Der König Kithairon, welcher amEingang Wache hielt, gab, um sie am Eintrittzu hindern, vor, Zeus habe sich dorthin mitseiner Gemahlin Leto zurückgezogen und dürfeauf keinen Pall gestört werden. So entkamHera der Verfolgerin, und aus Dankbarkeitweihte sie ihrer mittelbaren Retterin Leto,
der angeblich in der Höhle befindlichen, dasVoropfer, sie μνχία benennend. Plutarch inseiner verlorenen, im Auszuge bei Eusebios ,Praep. evang. 3, 84 erhaltenen Schrift über dieplatäische Dädalenfeier (Plut. Mor. ed. Dübner5 S. 18) fügte noch mehrere Theologumenahinzu: einige behaupten, Αητώ Μνχία oderΝνχία sei Hera selbst, d. h. die Erde, derenSchatten die Nacht (Ννχία) oder die Ver-bergerin (Λητώ) sei u. dergl. m. Wir fügenhinzu, dafs Panofka (Gemmen mit InschriftenTaf. 4 nr. 40; vgl. C. I. G. 7361 d) eine WienerGemme veröffentlicht hat, einen Hahn dar-stellend mit der Umschrift ΑΕΤΟ MVXI[A],Der Hahn war nach Älian , Tiergesch. 4, 29das Lieblingstier der Leto, weil er ihr beimGebären beigestanden hatte. Man glaubtenämlich, dafs der Hahn überhaupt den Ge-bärenden zu einer leichten Geburt verhelfe.Einen Tempel hatte die Leto auch in derkretischen Stadt Phaistos , wo ihr die Be-wohner unter dem Namen Λητώ Φντίη Opferbrachten. Die mythologische Veranlassung warnach der siebenzehnten Verwandlmigsgeschichtedes Antoninus Liberalis , die er dem Nikandrosnacherzählt hat (Westermann , Mythogr. p.217),folgende: Galateia, die Tochter des Eurytios,hatte in Phaistos Lampron, den Sohn des Pan-dion, geheiratet. Als sie schwanger wurde,erklärte Lampron, wenn das Kind nicht männ-lichen Geschlechts sein werde, so werde eres töten. In Abwesenheit ihres Mannes gebaraber Galateia eine Tochter, welche sie, umsie zu retten, als Knaben aufzog und Leukipposnannte. Als nun das Kind zu einer schönenJungfrau erwuchs und sein Geschlecht sichnicht mehr verheimlichen liefs, begab sichdie Mutter voll Angst in den Tempel derLeto und flehte zu dieser, sie möchte dasMädchen in einen Jüngling verwandeln. DieGöttin gab dem inbrünstigen Flehen aus Mit-leid nach und vollzog die Verwandlung. ZurErinnerung daran, dafs die Leto der Jungfraudie männlichen Attribute hatte wachsen lassen(ητις Ι'φνβε μήδεα zfj xogy), opferten nachherdie Phaistier ihr als Φντίη und nannten dasOpferfest Έκδνβια, weil das Mädchen nachihrer Verwandlung das Gewand ausgezogenhatte (έξέδν). Vor jeder Hochzeit wurde esaufserdem Brauch, dafs die Bräute vor demBilde des Leukippos schliefen.
Die Erzählung des Antoninus Liberalis istvon nicht geringem Wert für die Erkenntnisdes Wesens der Leto. Der Kultname Φντίαf die Zeugerin, Hervorbringerin’ kann natürlichnicht einer einzelnen Begebenheit entstammen,sondern bringt offenbar eine allgemeine Funk-tion der Göttin zum Ausdruck. Diese Ver-mutung wird über jeden Zweifel erhoben durchdie Anrufung Αατώ μεν δοίη Αατά> ν.ονροτρόφοζνμμιν εντεκνίαν im theokritischen Hochzeits-liede auf die Helena (Theokr. 18, 50). DieseWorte lassen sicher voraussetzen, dafs Letonach verbreitetem Glauben als besondere Ge-währerin des Kindersegens galt, was sich mitjenem Kultnamen Φντία durchaus deckt. Be- ‘stand also darin eine der wichtigsten Funk-tionen der Leto, so fällt auch ein gewisses
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