1971 Leto in der Kunst
Fremdgottheiten angeglichen worden. Herodot2, 155 ff. bezeichnete bereits mit Ar\zm eineägyptische Göttin, welche in der StadtBovxoo , von anderen Autoren Arjzovg noltggenannt, an der" sebennitischen Nilmündnngeinen Tempel mit einem Orakel besafs. (Vgl.Brugsch, Bel. u. Myth. d. Ägypt. 326 ff.) AuchApollon fand sich daselbst im Horos, Artemis in der Bubastis wieder. Da beide als Kinderdes Osiris (Dionysos) und der Isis (Demeter )galten, so konnte Leto hier in Ägypten nichtMutter beider sein. Man betrachtete sie alsihre Amme ( Berod . 2, 156. Blut. Is. Osir. 38.Strabon 17, 802 u. a.; siehe Buto). Auch aufägyptisch - griechischen Inschriften wird dieLeto genannt, C. I. G. 4700, die Sphinx alsnooenoloq der Leto, ebd.5039, auf einerinNubiengefundenen Inschrift ist Leto Mutter des viel-namigen Gottes Mandulis. Der ägyptischenLeto war das Ichneumon heilig ( Älian , Tier-geschichte 10,47) [welches sich auf den Münzendes Nomos Letopolites dargestellt findet, J. deBouge, Monn._ des nomes de VEgypte p. 66.Feuardent, L’Fgypte anc. 2 p. 327 f, St. Poole,Cat. of the coins of Alexandria and the nomesp. 345. Drexler.]; von ihrer Verwandlung ineine Spitzmaus (pvyaXrj) berichtet AntoninusLiberalis 28. Weit verbreitet war der Nameder Leto als hellenistische Benennung einergrofsen Göttin bei den Völkern Kleinasiens .Sie wurde als 'Mutter ’ angerufen, anstatt derLeto häufig auch der Artemis gleichgesetzt.Als ihr Sohn und Kultgenosse erscheint eineinheimischer, dem Apollon gleichgesetzterGott, in Dionysopolis am Mäander und Um-gegend als ’AitoXXcov, Aaigpevög oder Aaigßsvog(s. d.) bezeichnet, auch Men, Sozon, Sabaziosgenannt ( Hogarth, Apollo Lermenus, Journ. ofHell. Stud. 1887 p. 376 ff. Bamsay, Artemis-Leto and Apollo Lairbenos, ebd. 1889 p. 216ff.).Die Verehrungsstätten der Artemis-Leto reichenvon Perga an der pamphylischen Küste bisDionysopolis. und Satala im Norden jind Ephe-sos im Westen (eine vollständige Topographiedieses Kultes hat Bamsay in dem AufsatzAntig. of S. Phrygia im Amer. Journ. Arch.1887 gegeben). Selbst der ephesische Kultder Arteinis war zweifellos ein frühzeitig hel-lenisierter asiatischer Dienst. Der frühen Kultur-verbindung mit den Hellenen verdankte auchLykien den Namen des Apollon und der LetoAn der Küste gegenüber Rhodos nennt Stra-bon 14, 651. 652 zweimal einen Letohain (A»j-räov üXaog). Am Flusse Xanthos in der Näheder gleichnamigen Stadt war ein berühmtesLetoqn ( Strabon 14, 666). Die lykische Letowar eine Beschützerin der Gräber, jeder Schä-diger wird für sündig vor Leto erklärt odermit ihrer Bache bedroht, auf Inschriften vonPinara (0. I. G. 4256), Patara (4300h) und Myra(4303. 4303 e 3 ).
Die Mythen von Niobe und Tityos sind inbesonderen Artikeln behandelt, die zu ver-gleichen sind. Vgl. auch Letun . [Enmann.]
Leto in der Kunst.
Wie wir von selbständigen Heiligtümernder Leto selten hören, so hat auch die Kunst
Leto in der Kunst 1972
wenig Gelegenheit gehabt, die Göttin ge-trennt von ihren Kindern oder aufserhalb einesgröfsefen Göttervereines darzustellen. In derälteren Zeit ist das „formlose“ Holzbild "desdelischen Letoons das einzige ausdrücklich er-wähnte Beispiel ( Semos fr. 8); ein ähnlich pri-mitives wird man sich auf Grund von Strabon 14 p. 640 im ephesischen Ortygia zu denken‘haben; sonst sind nur aus dem 4. Jahrhundert,dem die meisten Letodarstellungen namhafterKünstler angehören, zwei sichere Einzelbilderbekannt: das von Praxiteles gearbeitete Kult-bild im Letoon von Argos (Paus. 2, 21, 9) undein später nach Rom gebrachtes Werk seinesSohnes Kephisodotos ( Plin . 36, 24), das wohlaus Attika stammte, übrigens aus einer Gruppeherausgerissen sein konnte. Das praxitelischeWerk wird uns veranschaulicht durch verschie-dene Münzbilder von Argos ( Imhoof - Gardner,Journ. of Hell. Stud. 6 S. 87 mit Taf. K36—38),deren eines (abgeb. Overbecle, Plastik 2 4 S.44a)das Bild in eine Tempelfa$ade setzt und damitals Nachbildung eines Kultbildes sichert. Dienicht in allen Zügen übereinstimmenden Typenlassen mit Sicherheit folgendes erschliefsen.Die Göttin, im Schmucke langer Locken und,wie es scheint, unbedeckten Hauptes, trugeinen Chiton mit gegürtetem Überschlag; denrechten Arm erhebend (mit Fächer oder Scep-ter?), den linken Unterarm leicht aufgestützt,stand.sie in der schönen, schwungvollen Hal-tung da, die Praxiteles seinen Gestalten zugeben liebte, und blickte herab zu der ver-mutlich auf blick enden Chloris, durch derenFigur zugleich die Stütze des 1. Armes derGöttin fast ganz verdeckt war. Die Kompo-sition spricht für Marmor.
Für Megara arbeitete Praxiteles eine Gruppeder „Leto und ihrer Kinder“, die neben derKultgruppe derselben Gottheiten im Tempeldes Apollon Prostaterios stand (Paus. 1,44,2);die Beschreibung (’AtcoXXwv . . . ftsag tosv.ul "JoTS/ug ko d Arjzia, nul dXXa dyüXfiaza eenHga^izsXovg rzoifiaavzog Arjzcb Kal o i ztaiSsg)läfst die Möglichkeit offen, dafs im Gegensatzzu den nur äufserlich verbundenen drei Kult-statuen das praxitelische Werk Mutter undKinder in innigerer Wechselbeziehung, etwadie neugeborenen Kinder auf den Armen derLeto, darstellte. So würde die Gruppe an dieskopasische in Ephesos erinnern, wo Leto sichfeierlich auf das Scepter stützte, während Or-tygia als Wärterin die Kinder auf den Armenhielt (Strab. 14 p. 640), eine anscheinend wenigglückliche Komposition, die sich wohl so er-klärt, dafs die von Strabon erwähnten altenKultbilder wenigstens in der Gesamtanlage fürdie jüngeren mafsgebend blieben.
Sonst finden wir die kleinen Kinder auf denArmen der Leto in einigen interessanten Dar-stellungen der einzigen Scene, in der die Mutter,wenn nicht dem Gedanken nach, so doch ma-teriell die Hauptperson ist, der Erlegungdes Python durch den kleinen Apollon oderbeide Geschwister. Die frühesten Darstellungendieses Mythos begegnen uns etwa gleichzeitigin einem streng-rotfigurigen Vasenbild (Abb. 1)das nur aus einer Tischbeinschen Zeichnung be-
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