2321 Manes (Familienkult)
Manes (Opfer u. Feste) 2322
Andererseits steht Manes in gleichfallsübertragener Bedeutung, ähnlich wie Laroder Lares für „Haus“ (oben Bd. 2 Sp. 1879Z. 1), oft geradezu für Leichnam ( Propcrt . 2, 13,
32 Liv. 31, 30. IV,s. 1, 38. Plin. n.h. 11, 37,148. 16, 44, 234. G. I. L. 12, 3464), Tod ( Stat.Theh. 7, 781. 11, 563) und Unterwelt ( Verg.Georg. 1, 243. Aen. 4, 387. Columella, Be cultuhört. 64 bei Wernsdorf', P. L. min. 6 S. 46),oder das Grab wird an Stelle der Manes den iocineribus geweiht (G. I. L. 6, 7261. 11233.11411. 12108. 12315; vgl. oben Bd. 2 Sp. 235Z. 26).
II. Die Verehrung der Manes.
Die Rechte, welche die Manes zu fordernhaben und die schon nach der Bestimmungder Zwölftafelgesetze: Deomm Manium iurasancta sunto, sos (d. h. suos) leto datos divoshabento [Cie. de leg. 2, 9, 22) als unverletzlich 20galten, bestehen in erster Linie, wie obenBd. 2 Sp. 235 u. 242 entwickelt worden ist, inder regelrechten Bestattung, dann aber in der
Pflege ihres Gra-bes und damitihrer selbst, dasie in diesem ihreWohnung haben(s. oben Bd. 2Sp. 235 ff.). Dem 30entsprechendwird Pflege undVerehrung (co-lere, revereri, in-vocare) der Ma-nes vielfach aus-drücklich inGrabschriften anbefohlen oder versprochen,Unterlassung der Pflege oder Verletzung desGrabes aber mit Bestrafung durch die Ver- 40storbenen bedroht, die in Sendung von Tod(oben Bd. 2 Sp. 237 Z. 67), Schmerz (Quint.Inst. 6 prooem. 10), Krankheit oder schlimmenTräumen ( Tibull. 2, 6, 37) besteht (s. ob. Bd. 2Sp. 236 Z. 42 ff. und G. I. L. 5, 5933. 6, 7579.10558. 13101. 17505. 18817. 29912ff. Orelli4707. 7346). Vgl. Rohde, Psyche 630ff.
Diese Verehrung ist ursprünglich Sache derFamilie jedes Verstorbenen; weil jedoch eineVernachlässigung der iura Manium auch wei- 60teren Kreisen Schaden bringen konnte, hattedie Gesamtheit ein Interesse daran, dafs diePflichten gegen die Toten erfüllt wurden.Demnach ist sie zwar hauptsächlich eine pri-vate, daneben aber doch auch eine öffentliche.
Ich habe nun die Bestattungsbräuche schonoben Bd. 2 Sp. 234ff. behandelt; daher sindMer nur noch die eigentlichen der Toten-verehrung geweihten Feste zu besprechen.
Schon der Ausdruck parentare, mit dem 00das Darbringen eines feierlichen Totenopfersbezeichnet wird, beweist, dafs dieses.ursprüng-lich von den Kindern den Eltern oder den deiparentes (s. oben Bd. 2 Sp. 244 und C. I. L.
6, 29852 a ) zu leisten war und somit zunächstnur die Familie anging. Auf die Familienn weiteren Sinne ist diese Pflicht auch spä-ter beschränkt (s. oben Bd. 2 Sp. 238 Z. 1),
Aufsatz eines Grabes mit derInschrift D M (nach C. I. L.6, 29877.)
doch können andere Personen, wie besondersFreigelassene und Collegia, durch Vermächt-nisse zur Pflege des Grabes bestimmt werden(vgl. z. B. G. I. L. 6, 10234. 10239. 10248;
5, 4410. 5907. 5134. 7454. Orelli 4084). AlsOpfergabe (inferiae)wurden Güsse (profusiones)*)von frischer Milch (Varro hei Nonius s. v. Ru-rnam S. 167. Verg. Aen. 3, 66 f. u. Serv. Sil. Ital.16,309. G. I.L. 11,1420, 22), Blut von schwarzenOpfertieren (Schaf, Rind, Schwein, oben Bd. 2Sp. 240 und Verg. Aen. 3, 66. 5, 96f.; vgl. Lucr.3, 52), deren Fleisch dann wohl auf besonderenam Grabe errichteten Altären verbrannt wurde(Verg. Aen. 5, 48. G. I. L. 6, 12134; 14, 1132.3857; 12, 839. 1205. 1911. 2003. 2674, 4448.5294 u. sonst oft), ferner Honig und Öl (G. I. L.
6, 30113. 11,1420, 22. Arnob. 7, 20), in spätererZeit auch ungemischter Wein ( Varro a. a. O. undein Gesetz des Numa hei Plin. n. h. 14, 12, 88gegenüber Festus S. 262 a , 15. Verg. Aen. 5, 77.98. Ovid . fast. 2, 539. Sil. Ital. 16, 309. Auson.Epitaph. 30, 1. C. I. L. 5, 2072) dargebracht;dann auch Speisen (escae, C. I.L. 5, 2090.2315. 2176; cibi, 5, 4015. 4017), namentlichBohnen, Eier, Linsen, Salz und Brei (Mar-quardt, Rom . Altert. 4 S. 260), Salben (G. I. L.6, 30102. Propert. 2, 13, 20. 3, 16, 23. Auson.Epitaph. 30) und Weihrauch (Arnob. 7, 20.G. I. L. 5, 2072). Am häufigsten aber werdenBlumen und Kränze als Grabspenden erwähnt(Plin. n. h. 21, 3, 11. Verg. Aen. 5, 79. 6, 884.Copa 3.5f. Tibull. 2, 6, 32. Ovid . fast. 2, 537.Trist. 3, 3, 82. Suet. Nero hl.' C. I. L. 5, 5701.6363; 6, 10244), besonders Rosenkränze undRosen (G. I. L. 5, 2046. 2072. 2090. 2176.2315. 4015. 4017. 4448. 4990. 5282. 5878. 5907.7357.7450. 7906 und sonst oft), Veilchen (Ovid .fast. 2, 539), Amarant (C. I. L. 5,7357), Myrtenund Lilien (Verg. Aen. 6, 883. G. I. L. 5, 5272).
Solche Gaben erhielt der Tote zunächst anseinem Geburtstage (C.I.L. 5, 2072. 4489. 5272.7454. 7906; 6, 10239. 10248 u. sonst oft; vgl.Rohde, Psyche S. 699) und vielleicht auch amBegräbnistage (Verg. Aen. 5, 46 f.), obwohldieser in den Inschriften nicht erwähnt zuwerden scheint.
Mehrere andere Totenfeste beging manzwar gleichfalls privatim, aber zu einer durchden Brauch festgesetzten Zeit. So fiel dasRosenfest (rosaria, rosalia, rosatio, Marquardta. a. O. 4 S. 259. Mommsen, Ber. d. scichs. Ges.d. TTVss. 1850 S. 67f.; vgl. die oben Z. 35ff.zu rosa angeführten Inschriften, sowie C. I. L.5, 4016. 4410. .4440. 4489. 4871. 5272; 3, 662.703. 707. 3893 u. sonst oft) in Rom nach demKalender des Philocalus (G. I. L. 1 S. 342) aufden 23. .Mai, nach einem Testamente aber(6,10239) auf den 21. Mai, zu Capua auf den13. Mai (10, 3792); das Collegium Aeseulapiet Hygiae zu Rom feierte es am 11. Mai(C. I. L. 6,10234; vgl. 1 S. 394), das des Sil-vanus am Silarusflufs am 20. Juni (10, 444),und zu Como fielen sie erst in den Juli (5, 5272).Seltener wird der Veilchentag (dies violaeoder violationis), der zu Rom am 22. März he-
*) Bin trichterartiges Gefäfs, durch welches die Opfer-güsse in das Grab hinabflossen, ist oben Sp. 2321 nachC, I. L. 6, 29877 abgebildet.