Band 
Zweiter Band, zweite Abteilung. Laas - Myton.
Seite
2533-2534
JPEG-Download
 

2533 Megaloi Theoi (Kult v. Thasos , Maked.)

Gebet. Als Hauptstätte des Kabireukultes be-zeichnet Imbros aufser Steph. Byz. und Eustath.a. a. 00. auch Strabon 10, 472. Die Weihevon Imbros erwähnt Jamblich. Vit. Pyth. 151.Von den ffsol μεγάλοι reden verschiedene In-schriften, Berliner Monatsberichte 1855 S. 629.633. Bull, de corr. hell. 7 S. 161 ff. Dendurch Herodot 2, 51 für die samothrakischenWeihen bezeugten ithyphallischen Hermeszeigt ein Münzbild bei Ganze a. a. 0. Taf. 20,11 , ein anderes (ebd. nr. 9) das Kerykeionzwischen den Spitzhüten der Dioskuren.

Lehrreich für die Unklarheit, welche überdiese Götter später selbst bei ihren Verehrernherrschte, ist eine von Unger, Jahrb. f. Blass.Phil. 1887 S. 59 und Kern, Archäol. Anzeiger1893 S. 130 überschätzte Inschrift dieser Inselaus römischer Zeit: Θεοί μεγάλοι | ffsoi δυνα-τοί | (σχνρρο'ι και \ Καβμεΐλε | άναξ Πάτ[ε%] ] οιKo log | ΚρεΐοςΤ [περείων | Έίάηετος \ Κρόνος(üonze a. a. Ο. Taf. 15, 9 vgl. S. 91; am bestenbesprochen von Keil im Philologus Suppl. 2S. 589 ff.; vgl. aufserdem Wieseler im Philo-logns 15 S. 162. Welcher, Götterlehre 3 S. 187.Preller - Bobert a. a. 0. S. 858 f.). Der Dedi-kant wie aus der affektierten Umwandlungeines jeden τ in ει hervorgeht, ein Bömerhäufte zusammen, was er nur über die an-zurufenden Gottheiten auftreiben konnte, so-dafs die Inschrift fast den Eindruck eines or-phischen Gebetes macht {Keil a. a. 0.). Ertrennte den Kadmilos άναξ ab nach dem Vor-bilde der römischen Mythologen, welche diegrofsen Götter mit römischen Dreiheiten, z. B.der capitolinischen, zu identiflcieren suchten(s. Sp. 2531); er erinnerte mit Πατέκοι an das,was Herodot 3 , 37 über das Aussehen derägyptischen Kabiren, d. h. Söhnen einer he-phaistosähnlichen Gottheit, sagt, und setzt sieschliefslich den Titanen gleich nach einer sonstnoch durch Photius s. v. Κάβειροι (vgl. Lobeck,Aglaoph. 1249. Wieseler a. a. 0.) und das per-gamenische Orakel (0. I. G. 3538) erhaltenenAuffassung, indem er die Titanen nach Hesiod .Theog. 134 ff. aufzählt.

Von Thasos , der vierten thrakischen Insel,ist der Kabirenkult nicht direkt bezeugt; dochhatte sie wahrscheinlich gleichfalls Teil an demKulte der benachbartenlnseln und Küsten. NachApollodor 3, 1, 3 nämlich ist Thasos von Kad-mos Genossen Thasos gegründet, was indirektsogar schon Eerodot 6, 47 bezeugt. Natürlichkam der thebische Heros zu dieser Ehre erstnach seiner Gleichsetzung mit dem kabirischenKadmilos. Der Personenname 'Κάαομος erin-nerte noch spät an ihn (s. oben Sp. 833 u. 865).Dafs der Eponym Thasos in Samothrake ge-weiht sei, erzählt Demagoras {Schol. Eur.Phoen. 7).

Der makedonische Kabirenkult (s. Lact. 1,15,18) ist nur aus später Zeit überliefert, wennauch die Könige den fremden Kult eifrigpflegten ( Flut. Al. 2. Himer. 1,12, 346. Philostr.Vit. Apoll. Tyan. 2, 43). Münzen von Thessa-lonike (Müller-Wieseler 2,818ff. und die Münz-kataloge) zeigen mit der Beischrift Κάβειροςeinen Jünglingskopf mit einem Hammer odereine Knabenfigur mit einem ßhyton; es sind

Megaloi Theoi (Kult v. Troja, Milet etc.) 2534

also Beste von der Gleichsetzung mit Hephai-stos wie mit Dionysos hier vereinigt. DenMythus kennen wir nur aus der tendenziösenEntstellung der christlichen Schriftsteller. Hiersind andere Dinge, die stark an den orphi-schen Zagreus erinnern, hineingebracht. Eshandelt sich um drei Brüder, die Korybanten.Der eine sei von den beiden anderen erschla-gen und unter dem Olymp begraben worden;dies sei der makedonische Kabir ( FirmicusMat. de err. prof. rel. 11). Nach Giern. Alex.Protr. p. 16 wäre nur sein Haupt, in ein rotesTuch gehüllt, dort beigesetzt; die Mörder

1 ) Münzen von Thessalonike (nach Müller - Wieseler2 nr. 818 u. Catal. of gr. coins in the Brii. Mus. Maced. S. 113

bringen sein Schamglied in einer Kiste nachEtrurien . Von den Anaktotelesten, ihren Prie-stern, würden diese Götter Kabiren und dieWeihe die kabirische genannt. Ein Naehklangdieser Sage ist auch in der Nachricht vonder Ermordung des Iasios durch Dardanos (Serv. ad Verg. Aen. 3, 167) zu verspüren. DerBericht des Firmicus ist jedenfalls der zuver-lässigste, da die Einzahl des K. durch Lactansund die Münzbilder bestätigt wird. Weih-geschenke aus Makedonien an die grofsen Götterwurden von Heuzey et Eaumet, Mission archeol.en Macedoine S. 419ff. auf die Kabiren bezogendoch handelt es sich einfach um die Dioskuren,welche hier keinen Zug der Kabiren, am wenig-sten der makedonischen, an sich tragen. Vgl.auch Antonescu , Cultul cabirilor in Eacia.Bukarest 1889 (mir nicht zugänglich).

Nach der troisclien Halbinsel und der an-stofsenden pergamenischen Landschaft mufsder Kult, wie die oben besprochene Dardanos-legende lehrt, schon sehr früh übertragen sein,jedenfalls beträchtlich früher, als Thrämer,Pergamos S. 263 ff. es annimmt. Pergamon war von alters her den Kabiren heilig, vgl.Paus. 1, 4, 6. Hier sollen die Kabiren, Söhnedes Uranos, zuerst das Zeuskind erschauthaben nach einem aus der Zeit der Antoninestammenden Orakel ( G. I. G. 3538. Welcher,Syll. epigr. gr. S. 229ff.; vgl. Aristid. siti>vd. sv IlsQy. Eindf. 2 S. 709). Wenn römischeQuellen ( Cic. de not. d. 3, 58; daraus Ampel. 9.Lyd. d. mens. 4, 38) Dionysos , den Sohn desKabiren, zum Herrscher Asiens machen, darfman darunter wohl die römische Provinz Asien d. h. Pergamon verstehen. Auch in derGigantomachie des grofsen Altars fanden siePlatz, vgl. Puchstein in den Abhandl. d. Berl.Ak. 1889 S. 330.

Der makedonischen Legende, wie sie Giern.Alex, erzählt, ähnlich ist die von Milet (Nicol.Damasc. frgm. 54, Müller, Frgm. hist. gr. 3S. 388; vgl. Crusius bei Ersch u. Grüber S. 24).Die Bewohner von Assesos werden von dem

80 *

io

so

30

40

50

60