Band 
Zweiter Band, zweite Abteilung. Laas - Myton.
Seite
2803-2804
JPEG-Download
 

2803 Mercurius (Tempel in Rom )

Mercurius (kleinere Heiligtümer) 2804

als der ebenfalls am Aventin, beim Circusmaximus gelegene, 496 v. Chr. gelobte unddrei Jahre später geweihte Tempel der Ceres,welcher später als der erste nicht mehr vonetruskischen, sondern von griechischen Künst-lern ausgeschmückte Tempel galt (s. ob. Bd. 1Sp. 862 Z. 39 ff.). Zugleich wurden seine Ver-ehrer zu einem Collegium, dem der mercatores,zusammengefafst und, wie es scheint, die Ge-treidezufuhr neu geordnet, da der dedicierende ioBeamte zugleich praefectus annonae werdensollte ( Liv. 2,27, 5f. 21, 7. Val. Maxim. 9, 3, 6).Veranlassung dazu war also jedenfalls Getreide-mangel (vgl. oben Bd. 1 Sp. 862 Z. 27 ff.), derbekanntlich einige Jahre darauf (262 = 492)zu einer schweren Hungersnot ausartete (Liv.

2, 34. Dion. Hai. 7, 2); diesem sollte durchNeuordnung der Zufuhr abgeholfen werden, sodafs Mercurius offenbar zuerst als Schützer derannona in Bom auftritt. 20

Jener erste Tempel lag retro metas Murtias( Apul. Metam. 6, 8 S. 395; vgl. Paul. Diac.

S. 148, 10) dem circus maximus gegenüber( Ovid . fast. 5, 669) am Abhang des Aventinaufserhalb des Pomeriums (Becker, Handb. 11 S. 470 f.; vgl. Jordan, Topogr. 2, 529 f. 341 f.Gilbert, Gesell, u. Top. d. St. Bom 2 S. 251, 1),und ist vielleicht aufeiner Grofsbronzedes M. Aurelius, der 30ihn wohl wieder her-stellte, abgebildet(Bichter bei Bau-m eister, Denkm Hier,Bom S. 1495. Cohen,Med. impJ 3 S. 54Marc. Aurel. 534; s.beistehende Abb. 1und unten Sp. 2820).DieSäulensinddurch 40Termini mit wallen-dem Haar ersetzt,das Giebelfeld, inwelchem Schild-kröte, Hahn, Widder, caduc., Flügelhelm dar-gestellt sind, ist gewölbeartig gebildet, dochkann dies kaum einen Rundtempel andeutensollen, wie O. Bichter, Topographie von Bomin I. Müllers Handbuch 3 S. 843f. meint,wenn auch nach Sen. Verg. Aen. 9, 406 dem soMercurius nur solche geweiht sein sollen.An dieser Stelle ist nämlich vorher nur von dreiGottheiten die Rede, so dafs eine der vier imfolgenden genannten im Texte zu streichenist (Jordan, Topogr. 1, 34 Anm. 58). Die In-schrift Belig. Aug. u. s. w. bezieht sich viel-leicht auf die Wiederherstellung des Tempels,s. jedoch unten Sp. 2820. Die erste Weihungerfolgte an den Iden des Mai (Ovid . Fast. 5,669 f. Liv. 2, 21, 7. Apul. met. 6, 8 S. 395; 60vgl. Martial. 12, 67, 1), welche als ständigerFesttag von den mercatores gefeiert wurden(Ovid . Fast. 5, 671f. Paul. Biac. S. 148. Plut.quaest. Bom. 86; vgl. Numa 19, 4), und zwaropferte man neben dem Mercurius auch demIuppiter und der Maia (C. J. L. 1 S. 393: Fast.Venus, zum 16. Mai; vgl. 9, 421. Fast. rust.und Philocal, zum 15.Mai; vgl. Fast. Tuscul. zum

& sire

1 ) Mercurtempel auf einerGrofsbronze des M. Aurelius(nach Cohen, Med. imp? 3S. 54 Marc. AuXel. 534).

15.Mai, (7. J.P.14,2575; Fast. Caer. zum 16. Mai11,3592. Martial. 7, 74, 5. Macrob. Sat. 1, 1219f. Laur. Lyd. de mens. 4, 52 f. Auch inden Fast. Venus, und Caer. gehört die Fest-angabe eigentlich zum 15. Mai; siehe Mommsenim C. L. L. I 2 S. 213. 221. 318). Wie die an-geführten Angaben der Kalender beweisen, wardiese Feier nicht auf Rom beschränkt, ja nachCensorin. d. die not. 22, 12 wäre sogar schonvor Einführung in Rom der Maia und demMercurius in Latium ein Maifest gefeiert wor-den, wie beide auch sonst im Kulte mit ein-ander öfter verbunden waren: zu Pompeji ,C. L. L. 10, 885 889; zu Lodi vecchio beiMailand , 5, 6354; am Lacus Lemannus, 12,2570; vgl. 2557; zu Kreuznach, Brambach, Ο. I.Bh. 721; zu Rofsberg in der Pfalz , 1763; zuMertzweiler im Elsafs, 1845; auf Delos , Fphem.epigr. 4, 76. 5,1408. Bull. d. corr. hell. 18 7 7 285.1884 94ff. Gewifs richtig meint Preller, Böa.Myth , 3 2 S. 230, dafs die Verlegung des Mer-curiusfestes in den Monat Mai auf der Identi-ficierung der Atlantide Μαία mit der latinischenFrühlingsgöttin Maia beruhe (vgl. Ovid . Fast.5, 103. Laur. Lyd. de mens. 4, 53), die Idenaber gewählt seien, weil dieselben dem Iup-piter, dem Vater des Hermes-Mercurius, ge-weiht waren, der wenigstens in Tuseulum be-reits als Iuppiter Maius (s. oben Bd. 2 Sp. 650f.)mit der latinischen Maia in Verbindung ge-treten war (Macrob. Sat. 1, 12, 17; die Inschriftbei Or.-Henzen 5637 = C. L. L. 14, falsae 216ist gefälscht).

Neben dem erwähnten Haupttempel besafsMercurius in Rom selbst noch manche kleineHeiligtümer; so der Malevolus Mercurius eines in der Nähe des Ianustempels (Paulund Fest. S. 160f.), wo lebhafter Marktverkehistattfand (Bichter bei Baumeister , Denlcm., BonS. 1496); der M. Sobrius, wahrscheinlich an dervia Latina (Orelli-Henzen 5094 = C. L. LA,9714; ebenda 6, 9483; vgl. Paul, und FestS. 296f.), und sein Gegensatz, der M. EpuloEuphrosynus (C. I. L. 6, 522). Vgl. auch dieInschriften G. L. L. 6, 514522 und 3703, woeine ara auf dem Esquilin angeführt wird(vgl. Bullett. d. comm. arch. com. di Borna 1888S. 228 und danach Mommsen im Hermes 24S. 155); ferner stand im Tempel der Concordiaein Mercurbild neben dem Mars des Piston( Plin. n. h. 34, 8, 89; vgl. oben Bd. 1 Sp. 2420Z. 29), sowie am Forum unter den Bildern derzwölf Götter (s. d. und unten Sp. 2809), vierMerourii aber standen an den careeres desCircus (Cassiodor. Var. 3, 61; Grabrelief beiBenndorf u. Schöne, Die ant. Bildw. d. lateral 1 .Mus. 34). Wahrscheinlich war er auch am Kultedes capitolinischen Iuppitertempels irgendwiebeteiligt (s. unten Sp. 2827). Besonders warihm jedoch eine noch jetzt (in der Villa Mattei)nachweisbare (Jordan, Topogr. 2, 529 f. 342 . 378.Lanciani, De acque in den Meni. d. ac. d. Lincet1880 S. 10 f. Bichter hei Baumeister, Benin ,Bom S. 1520. Gilbert, Gesch. u. Top. d. St·Bom 3, 264, 5) Quelle vor der Porta Capena am Abhange des Caelius geweiht, mit derenWasser die Kaufleute am 15. Mai sich und ihreWaren zu reinigen pflegten (Ovid . Fast. 5,673ff.)