Vereinzelt kommt das auf die Palästra be-zügliche Gefäfs, zuweilen mit schlangenum-wundenem Zweige und Blumen darin, vor( G. I. L. 12, 1316. 4136. Relief von Neuwied nach Wieselet in den Jahrb. d. V. v. A. im Mh.37,103ff. S. Abb. 4), wie auch Mercur selbsteine Schlange fütternd oder mit einer Eidechsedargestellt wird JE. Wagner, Statuette d. M. ausEutingen bei Pforzheim in den Jalirb. d. rheinl.Ältertumsfr. 68 1880 S. 59 f. Taf. 1; vgl. obenBd. 1 Sp. 2415 Z. 18 ff. — A. Mainardi in demBullet, d. Inst. areh. 1841 S. 137 ff.). DemHermes S-vgaiog (s. ob. Bd. 1 Sp. 2354 Z. 26),argocpaiog oder ngonvlcaog (s. ob. Bd. 1 Sp. 2383Z. 45 ff.) dürfte die neben anderen Symbolenerscheinende Thür (G. I. L. 12, 1316) gelten.Dem Gotte der Diebe sollen die Fingernägelgeweiht gewesen sein, daher diese am Mitt-woch, dem dies Mercurii, nicht geschnitten wer-den durften (Auson. Egl. [5] 18 f.). Über dieBeigabe fabelhafter Meerwesen, eines Storchesoder eines Hundes s. unt. Sp. 2817. 2816. 2827.
Später findet sich neben dem zum unver-ständlichen Symbol gewordenen caduceus derZauberzweig wiederholt (Apul. met. 10, 30S. 737 vgl. 11, 10 S. 775. Münzen von Alexan-dria aus der Zeit des Antoninus Pius und derfolgenden Kaiser bei Eclchel, D. N. V. 4 S. 68;vgl. Serv. Verg. Aen. 4, 242. Arch. Zeit. 5 (1847)S.10*; Gemmen bei Montfaucon, L’antiqu. expl.1 Taf. 72, 1. 73, 6), der auf einem etruskischenSpiegel dreiblätterig gebildet ist (Gerhard, Etr.Sp. 298; vgl. oben Bd. 1 Sp. 2401 Z.46ff. undWiesel er, Arch. Beitr. 1 S. 18 in d. AVh. d. K.G. d. Wiss. zu Göttingen 35 1888). Auf eineretruskischen Cista ( G. I. L. 14, 4106; vgl. eineähnliche Darstellung auf einem Spiegel beiGerhard Taf. 235,1) hält Mircurios eine Wage,auf der er das Schicksal zweier Kämpfer ab-wägt (s. oben Sp. 1143); dagegen ist die Wage,welche er auf Gemmen führt ( Berliner Samm-lung Klasse III nr. 897), wohl sicherlich alsWerkzeug des Marktverkehrs aufzufassen, wennsich diese Vorstellung auch aus jener ent-wickelt haben sollte (umgekehrt E. Curtius,Arch. Zeit. 1876 S. 5).
Zweifelhaft ist noch der Ursprung des inrömischer Zeit aufserordentlich häufigen Sym-bols des Beutels JPersius sat. 6, 62), in wel-chem bisweilen Münzen sichtbar sind (Wieselera. a. O.). Oben Bd. 1 Sp. 2426 wird die Ent-stehung desselben nach Rom verwiesen*), derbestimmten Erklärung von Friederichs, Berl,ant. Bildw. 2 S. 408, 2 in betreff der Statueim Theseion (s. oben Bd. 1 Sp. 2426 Z. 26 ff.)gegenüber, sowie in Rücksicht auf die obenBd. 1 Sp. 2348 Z. 65 ff. angeführte athenischeBronzemünze und die griechische Bleimarke(Bull, de corr. hell. 8 Taf. 1, 2 S. 5 und danachSchreiber, Kulturhistor. Bilderatl. Taf. 61, 16)eines ygupfiaTSvg ßovlrjg, welche in der Rechtendes Hermes gleichfalls den Beutel deutlicherkennen läfst, ist es aber doch wahrschein-
*) Th. Schreiber , Die alexandrin. Toreutik 1 S. 187 er-klärt den Beutel für ein neues alexandrinisches Attribut;dagegen meint Furtwängler in der Berl. Phil. Wochenschr.1895, 26 Sp. 816, dafs die Metallgefäfse, auf denen ervorkommt, erst in römischer Zeit gefertigt seien.
licher, dafs dieses Symbol, das übrigens auchbei dem etruskischen Turms (s. d.) nicht vorzu.kommen scheint, schon auf griechischem Bodenund zwar speziell dem Hermes sg-rtolatog,gatag (s. oben Bd. 1 Sp. 2381 Z. 49ff.; Sp. 2391Z. 29 ff.), statt des Füllhorns, das er z. B. W [dein Markt zu Pergamon trug ( Conze, Sitz..Ber. d. K. Preufs. A. ä. W. 1884, 17. Januarin der Berl.phil. Wochenschr. 1884, 9 Sp. 284t)zuweilen beigegeben und in Rom nur des'halb so bevorzugt worden ist, weil es derrömischen Auffassung des Gottes am meistenentsprach. Wenn dasselbe in Griechenland ganz unbekannt gewesen wäre, würde dochauch schwerlich der athenische KünstlerEucheir, obwohl er in Rom arbeitete, einemfür die Pheneaten bestimmten Hermes geradeden Beutel gegeben haben (s. ob. Bd. 1 Sp.2424Z. 2ff.; vgl. auch Sp. 2417 Z. 48ff.). Vgl. auchdie Inschrift 'Egprjjg aano[gj6gos? über derDarstellung eines beuteltragenden Hermes ansKyzikos ( Mordtmann, M. D. A. I. 10, 1885S. 201 f. nr. 33). In der Kaiserzeit erscheintder beuteltragende Hermes auf Münzen vonSeleukia, Hyrgalea, Sillyon, Kibyra (Imlimf-Blumer, Griech. Münz. nr. 612. 710. 476a.. 659),Einmal sitzt auf dem Beutel ein geflügelterKnabe d. i. Amor (Statue aus Augsburg , C.I.L. 3, 5792); das Ausschütten des Beutels indesSchofs der Ge-Demeter (Müller-Wieseler, B,la. K. 2, 30, 330) bezieht sich möglicherweiseauf Getreidehandel (oder auf das Vergrabendes Gewinnes in den Schote der Erde? B.).
Bei Entscheidung der Frage nach dem Ur-sprung des Mercur sind zunächst die ange-führten Thatsachen in Betracht zu ziehen. Inspäterer Zeit wird derselbe, wie schon ange·deutet, durchaus mit dem griechischen Hermesidentificiert, der aber freilich nie so ausschließ-lich Handelsgott gewesen ist. Dieser schein-bare Widerspruch schwindet jedoch, wenn wirbedenken, dafs sein Kult offenbar durch Kauf-leute nach Latium und Rom verpflanzt wurde,die ihn natürlich vor allem von dieser Seiteauffafsten. Auf Identität beider deuten, wieschon oben erwähnt, bereits in der ältestenZeit besonders der caduceus (s. unt. Sp. 2810,2811), bei welchem das Alter der Entlehnungdurch die stark umgebildete Form des Wortesbestätigt wird, sowie die im Kulte und in derWahl des Festtages hervortretende Verbindungmit Maia und Iuppiter (s. oben Sp. 2804), diedoch nur hei ursprünglicher Entlehnung s»verstehen ist.
Für diese Annahme griechischen Ursprung»spricht aber auch der Umstand, dafs gleich-zeitig- zweifellos griechische Korn- und Wein-gottheiten auf den Rat der sibyllinischenBücher in Rom eingeführt wurden (s. obenBd. 1 Sp. 862 Z. 30 ff.), zu denen Hermesals Schützer der Getreidezufuhr in naher Be-ziehung steht, wie auch Mercurs Verbindungmit Ceres im lectisternium der zwölf Götter(Liv. 22, 10, 9) beweist. Dafs sein Kult gleich-falls durch die sibyllinischen Bücher gebotenworden sei, ist nicht überliefert, doch wurde
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