399 t. Chr. bei Hungersnot und Pest nachihrem Befehl das erste lectisternium in Rom dem Apollo und der Latona, der Diana undHercules, dem Mercurius und Neptunus nacherriechisehem Ritus bereitet ( Liv . 5,13,6. Dion.°Eal exc. 12, 9; vgl. ob. Bd. 1 Sp. 447 Z. 28 ff.).Auch später behält er seine Stelle ( Enniusann. fr · 15) 6 T · 426 f. Müller bei Apul. de deoSocr. 2 u. Mart. Cap. 1, 42. Helbig, Wandgem.nr.7, 12) in c l em aus Griechenland übernom-menen System der zwölf Götter (s. d.), die imGegensatz zu den alten ländlichen Gottheiten vonVarro de re rust. 1, 1, 4 als dei consentes undurbani bezeichnet werden (vgl. Augustin, d. c. d.7 2, wo ihn Varro unter die dii selecti rechnet)und am Forum, wahrscheinlich nach dem Vor-bilde einer süditalischen Stadt oder auch Athens ,aufgestellt waren ( Preller , Röm. Myth , 3 1 , 68.Jordan ebenda S. 69, 1). Dafs Mercur abernoch zu Plautus’ Zeit in Rom als fremde Gott-heit galt, beweisen gerade die Worte, mitdenen er sich im Amphitruo v. 11 f. den Zu-schauern vorstellt:
„Nam vos quidem id iatn scitis concessum
et datum
Mi esse ab dis aliis , nuntiis praesim et
lucro.“
Für die Frage, aus welcher Gegendder Hermeskult als Mercurkult nachRom eingeführt worden ist, kommendie italischen und vielleicht die sicili-schen Kultorte des Hermes in Betracht,schwerlich diejenigen des mit diesem ver-wandten etruskischen Turms.
Hermeskult findet sich, wie die Münzenbeweisen, hauptsächlich in Küstenorten, undzwar in Sicilien nur in solchen der Nord-und Ostküste, wozu nur Enna auf dem Haupt-verbindungswege beider Gegenden im Innernkommt (s. oben Bd. 1 Sp. 2358 Z. 33ff.).
In Dnteritalien sind zu nennen am Golfevon Tarent: Metapontum und Siris (s. obenBd. 1 Sp. 2358 Z. 13 ff.); auf der Westküste:Rhegium (s. oben Bd. 1 Sp. 2358 Z. 21 ff. undCatal. of the gr. coins in the Brit. Mus., ItalyS. 384,108f.), Hipponium (ebenda S. 357, 1—6.363, 34 und oben Bd. 1 Sp. 2358 Z. 19), Eleaoder Velia (Münzen mit caduc., Catal. S. 315,105 — 108), Neapolis (ebenda S. 117, 248 vgl.399, 1); in Etrurien dagegen nur Populonia(s. oben Bd. 1 Sp. 2358 Z. 58ff. Samwer - Bahr-feldt, Gesch. d. älteren röm. Münew. in d. Wienermmismat. Zeitschr. 15 (1883) S. 43) und aufser-dem einige Münzen unbestimmter Herkunft(Catal. S. 13, 5 — 9). In das Innere ist derHenneskult nur in Mittelitalien eingedrungen,und zwar finden sich an der Südgrenze vonLatium Münzen in Teanum Sidicinum (oskisoheInschrift, Hermeskopf mit Fliigelkut und cad.,Catal. S. 399,1) und in Suessa Aurunca (ebendaS. 125,17—22), dann am Treros oder Tolerus,dem Hauptnebenflufs des Liris, dessen Thaiw ohl den Handelsweg bildete, in Signia (Kopfuht Petasus, cad. und Delphin, Catal. S. 44,1-3) und in der Nähe der Lirisquelle in Albalucentis (ebenda S. 44, 2f.); ferner im Fren-wnergebiet (S. 69 f., 1 — 3) und in Venusia(B. 151, 17 f.). Sonst zeigt sich nur noch in
Asculum in Picenum oder Apulien der caduceusauf aes grave (S. 40, 6. 7), wie er auch aufihrem Ursprung nach nicht genauer bestimm-baren Münzen dieser Art in Mittelitalien er-scheint (S. 49, 14 — 17 vgl. S. 61, 50 f.; caduc.neben einer Sichel S. 50f., 12—14). Besondersmerkwürdig sind endlich mehrere alte schwere,ebenfalls Mittelitalien angehörige Asses, welcheauf der Vorderseite den bartlosen lanuskopfi (vgl. die Münzen von Volaterrae, Catal. S. 9ff.und ob. Bd. 2 Sp. 51 u. 28), auf der Rückseiteden Hermeskopf mit geflügeltem Petasus, ein-mal neben einer Sichel, tragen (Catal, S. 48IH, 1—3. S. 49 IV, 1). Diese Münzen scheinenden altitalischen Gott des GeschäftsverkehrsIanus (Preller, Röm. Myth . 3 1 S. 178 und obenBd, 2 Sp. 24) mit dem neu eingeführten' grie-chischen Handelsgott in Verbindung zu setzen,wie ähnlich Ianus -Portunus durch den phöni-i kisch- griechischen Melikertes hie und da ver-verdrängt wurde (Preller, R. M. s 1 S. 177).
Dabei scheint die Verbindung mit der Sichelspeziell auf den auch für Rom wichtigen Ge-treidehandel zu deuten, was ein anderes altesschweres Halbas ungewisser Herkunft (Catal.S. 57,12) dadurch ausdrückt, dafs es den cadu-ceus aus einem Gerstenkorn emporsteigen läfst;vgl. den eadueeus zwischen einem Olivenzweigund einem Gerstenhalm (Öl-und Getreidehandel)auf einer späteren Münze von Tyndaris in Sici-lien (Cntal., Sicily S. 236,14) und den cad. nebeneiner Ähre auf Münzen des C. Norbanus heiBdbelon, Monn. d. I, rep. Rom . 2 S. 259 Norbana1. 2 u. ob. Bd. 1 Sp. 2377 Z. 11. Sp. 2394 Z. 7.
Diese Übersicht läfst ziemlich deutlich denWeg verfolgen, welchen die Ausbreitungder Hermesverehrung in Italien ge-nommen hat. Von der Ost- und NordküsteSiciliens wandert er mit seinen Attributen, demSchlangenstabe (dorisch nagv-mov genannt)und dem Flügelhute, an der Westküste Italiens nördlich bis zur Mündung des Liris, dringtdann diesem und dessen Nebenflufs Tolerusfolgend ins innere Latium , wo sich der HermessfixoXaios in den Hermes Mirqurios und ab-solut Mercurius (s. oben Bd. 1 Sp. 2381. 2426;vgl. den Vorgang hei der fast gleichzeitigenEinführung der Ceres, oben Bd. 1 Sp. 862, unddes Apollon, Bd. 1 Sp. 446), das wciqvkiov indas im Volke gebräuchliche caduceum verwan-delt haben wird.*) Wahrscheinlich war derim Handel wirkende Thätigkeitsgeist, der Geistder mercatura oder merx, bereits früher alsIndiges Mercurius genannt worden, wenn auchsein Vorkommen in den Indigitamenta nicht
*) Ist auch ein direkter Übergang von r in d sonstnicht sicher nachweisbar, so steht doch mehrfach alt-lateinischem, umbriscliem und volskischem r später einlateinisches d gegenüber ( Corssen , Ausapr.- 1 S. 238 ff.),Im Volskerlande oder im eigentlichen Latium selbst erstdürfte also die Umwandlung, bei welcher vielleicht nocheine Volksetymologie mitwirkte, stattgefundeu haben, dabei einem solchen Lehnwort nicht in Betracht kommt,dafs hei den Bildungen, an welche es sich anschliefst,d etymologisch eigentlich älter ist. Ähnlich wird in einerneueren Inschrift in der Via di Marforio nr. 49 dieserselbst Marfodius genannt, der Name aber dennoch vonMartis forum abgeleitet. Vgl. auch G. M[eye]r im Lit.Centr. 1892, 21 Sp. 752. O. Keller, Lat. Volksetym . 41.