2813 Mereurius (Handelsgott)
Münzen von Signia (s. oben Sp. 2809), alsSymbol neben sich hat, ganz in dem griechi-schen und später auch römischen Typus (vgl.ob. Bd. 1 Sp. 2423 Z. 28ff.; über Münzen vgl.Deecke bei Müller, Etrusk , 2 1 S. 384. 386. 430;2 g, 74 ; ähnliche Darstellungen auf etruskischenSkarabäen aus der ersten Hälfte des 5. Jahr-hunderts v. Chr. erwähnt F. Sack in Fleck-eisens Jahrb. 135 (1887) S. 433ff.; vgl. ob. Bd. 1Sp. 2406 Z. 31ff.). Die etruskische Kunst isteben von der griechischen und von jener wiederdie römische abhängig.
Ein Hauptberührungspunkt zwischen lati-nischer und etruskischer Kultur scheint nungerade Praeneste gewesen zu sein, wo Mercur-darstellungen zuerst auftreten, und für dieZeit der Aufnahme seines Kults ist auch fürEtrurien Getreidehandel mit Korn bezeugt(Idv. 2 , 34, 5). Gleichwohl scheint an der Ein-führung des Hermes-Mercur aus Grofsgriechen-land festgehalten werden zu müssen, da imKalte jedenfalls von Anfang an seine reingriechische Mutter Maia beteiligt war undsein Vater Zeus - Iuppiter mit übernommenwurde, wie die Ansetzung des Festtages an-deutet (s. oben Sp. 2804). Auch findet sichkein Zug im Wesen des latiniscben Handels-gottes, der nicht unmittelbar aus dem seinesgriechischen Vorgängers erklärlich wäre, wäh-rend die etruskischen Darstellungen keinenAnhalt dafür bieten, dafs Turms überhauptals Handelsgott betrachtet worden ist.
Als Beiname erscheint bei diesem nur Aitas(Gerhard, Etr. Sp. 3 S. 223f. A. 272. Deecke beiMiilla·, Etr , 2 2 S. 74), welcher auf Hermes chtho-nios zu beziehen ist (s. oben Bd. 1 Sp. 1805 Z. 19und Aita im Nachtrag); einmal (s. ob. Sp.2807)führt er zwar eine Wage, benutzt dieselbeaber zum Abwägen der Schicksalslose zweierHelden, sodafs er auch hier als Unterwelts-gott erscheint. Überhaupt begann gerade im5. Jahrhundert der griechische Einflufs denetruskischen in Rom zu verdrängen (s. obenSp. 2803 Z. 5); jedenfalls gehen die ältestenrömischen Münzen direkt auf griechische Vor-bilder zurück ( Samwer-Bahrfeldt, Geschichteder älteren römischen Mümwerke in der Wienernumismatischen Zeitschrift 15 (1883) S. 22 ff.43f.).
IV. Wesen und Bedeutung des Mereurius.A. Volkstümliche und kultgemäfse Auffassung,a) Ältere Form.
In Rom ist also Mercur zuerst als Schutz-gott der Getreidezufuhr und der diese ver-mittelnden Kaufleute eingeführt worden, undals Spender des Gewinnes erscheint er imwesentlichen auch noch bei Plautus ( Amphitr.prol. i — 14 ). denn auch als Götterbote und iDiener des Iuppiter, als welchen er sich neben-(j ei mit Rücksicht auf den Inhalt der Komödiebezeichnet, will er vor allem Vorteilhaftes mel-den (vgl. unten Sp. 2816). Doch auch in spä-terer Zeit scheinen in der Vorstellung des rö-mischen Volkes nur die Züge seines Wesensuedentung behalten zu haben, durch welcheet a ^ 3 Schutzgott (vgl. Plaut. Casin. 2 , 3, 21 )
Mereurius (Handels- u. Glücksgott) 2814
der seinen Kult überall einführenden undpflegenden Kaufleute erschien; er war einer-seits Gott des Handels, des Glücksund seiner Gaben (Horat. sat. 2 , 3, 25;vgl. 68. 6, 5. Ovid . Fast. 5, 671f. Persius5, 112 und Schol. Petron. sat. 77. Amol·. 3,32. Sem. Verg. Aen. 6 , 714. 8, 128. Fulgent,myth. 1 , 18 ff. Myth. Vat. 3, 9, 1. 3), anderer-seits Schutzherr aller Reisenden zu Land undi zur See (s. unten Sp. 2816). Neben den übrigenvon Hermes übernommenen Symbolen führt erdeshalb auf italischem Boden und im ganzenBereiche des römischen Handels den Geld-beutel als wesentlichstes Attribut (s. o. Sp.2807),und mehrere Beinamen bezeichnen ihn unmittel-bar als H a n d e 1 s g o 11. Er heifst geradezunegotiator ( Brambach, C. I. Uh. 1460. Orelli1410. C. I. L. 12 , 4331?. 5687, 10?. 2595?)*),mercator ( Brambach 1668, wo dies nach Premierbei Bursian, Jahresber. Bd. 25 S. 460, an Stellevon Merdus zu lesen ist) und nundinator( Brambach 1508); wahrscheinlich ist er auchunter dem genius commercii (oben Bd. 1 Sp. 903Z. 63) und dem genius tabulariorum, dem einMercurialis librarius eine Inschrift weiht(Brambach 695), zu verstehen. Sicher aberist er als Handelsgott aufzufassen, wenn Kauf-leute als Dedikanten erscheinen, wie G. I. L. 5,7145; 12, 2490. 2589. 2 Suppl. 5929. Brambach956. 1703,. die sich zuweilen ausdrücklich alsMercuriales bezeichnen, C. I. L. 9,1710, und ähn-lich ein nummularius, 9, 1707, beide aus Bene-vent; vgl. den nummularius a Mercurio Sobriozu Rom ( Orelli-Henzen 5094 = C. I. L. 6 , 9714);oder wenn das Bild des Mereurius Augustus ineiner Auktionshalle aufgestellt (C. I. L. 9, 3307)und an der Aufsenseite von Häusern der merca-tores angebracht wird (s. o. Bd. 1 Sp. 2428). Das-selbe ist der Fall, wenn eine bronzene Mercur-büste als Schnellwagengewicht verwendet wird(E. Babeion, Le cab. d. antiques ä la bibl. nat.Taf. 39 S. 128). Dagegen scheint Mereuriuslan[arins?] ( G. I. L. 10 , 5678) speziell alsSchützer des Wollhandels zu gelten, vgl. Per-tuli. de patt. 3.**)
Da aber bei allem Handel die Hauptsacheder zu erzielende Gewinn ist, so ist Mercurauch einer der dei Lucrii (Amol· . 4, 9) undlucrorum potens et conservator ( C.I.L. 5, 6594.6596; vgl. Orelli-Uenzen 4329. Mythogr. Vat.3, 6, 8 und C. I. L. 6 , 520, wo freilich an seinerStelle Hermes genannt wird) und es erhältsich so in ihm überhaupt die seinem Vor-gänger Hermes innewohnende Eigenschaft desGlücksgottes (s. ob. Bd. 1 Sp. 2379ff.). Da-her findet sich ein Mereurius felix negotiatoroder nundinator (G. I. L. 12 , 5687, 10), odereinfach Mercurius felix (Brambach 916, undeine Münze des Postumus bei Eckhel , D. N. V. 7S. 445 = Cohen, Med. imp . 2 6 , 36 Postume 192;
*) Ein von Boissarcl gefälschter Inschriftstein befindetsich im Stadtmuseum zu Metz (Iletlner im Arch. Am, 4,1889 S. 179).
**) "Wenn bei Darstellungen de3 Mercur mit demBacchusknaben auf dem Arme letzterer deu Beutel hält,so ist nach Benndorfs Ansicht nichts weiter wie der Weinim Handel gemeint ( Hettner , Die vom. Steindenkm. zu Trier nr. 68).