2817 Mercurius (G. d. Wanderer u. Soldaten)
sodais ihm pro salute (G. I. L. 3, 1435. 1598.5772. 5924. 5931; 5, 4262; 9, 425; 12, 2531),oft auch pro salute imp. Caes. (2,180; 3,5943;g 2486. 4674. 10555) geopfert wird. DenselbenSinn hat der Beiname conservator (G. I. L. 8, 51;virl. 5,6596 und Orelli-Uenzen 1405), welchemate dem Schutzgott der Seefahrer später mehr-fach fabelhafte Meerwesen beigegeben wordensind: ein Meerwidder, d. h. ein Widder mitFischhinterleib (Münze des Gallienus, Eclchel, ioD. N. V. 7, 398. Cohen, Med. imp. 2 5, 401nr. 631), zwei Seegreifen (Silberrelief von Neu-wied , Wiesele? in d. Jahrb. d. V. v. A. i. Eh.
37 , 103 ff.; vgl. Müller-Wiesele?, D. d. a. K. 2Taf. 29 nr. 325; hier Abb. 4. S. auch ob. Sp. 2809den Delphin und vgl. die Verbindung von caduc.und Dreizack oder Schiffsvorderteil ( Babeion,Monn. d. I. rep. Bom. 2 Vibia 1 S. 538; Pobli-cia 6 S. 332). Dem Better in Gefahren oderspezieller dem Führer in fremdem Lande gelten 20wohl die besonders in ursprünglich keltischemGebiete (vgl. unt. VII, 3) zahlreichen Inschriften,in welchen Soldaten als Dedikanten auftreten,z. B. C. I. L. 3, 1434. 2744. 4298. 5899. 5924.5938; 5, 522. 5451. 7553; 7, 1095; vgl. 3, 79.Brambach 335. 496. 646. 954f. 999. 1284. 1740.1886. Vielleicht hängen diese Soldateninschrif-ten aber auch mit der Vorstellung eines Siegbringenden Mercur zusammen, der als M.invictus (O. I. L. 9, 425. 10, 6219; vielleicht somehEphem. epigr. 4,665) oder als victor (G. I. L.12,2373) bezeichnet und auf Gemmen durch Vic-toria oder Adler auf der Hand des stehendenoder laufenden Gottes und die Inschrift vimrj-9 [o'pos] kenntlich gemacht wird ( Montfaucon,
Ant. expl. 1 pl. 76 nr. 1. Gades, Impr. gemm.
5, 82; vgl. Mercur und Victoria auf Gemmenbei L. Müller, Mus. Thorvalds. 3, 3, 684 f. undoben Bd. 1 Sp. 2427 Z. 51). Auch der Siegkann freilich als Gewinn betrachtet werden 40(vgl. ob. Sp. 2813 und Sp. 2816 Merc. pacifer),wahrscheinlicher ist es aber, dafs hier Mer-cur, wenn nicht etwa an den Hermes ayatviog(s. oben Bd. 1 Sp. 2368 Z. 64ff.; Sp. 2402 Z. 7)zu denken ist, zunächst als Diener und Botedes Sieg verleihenden Iuppiter erscheint; dadieser nämlich seihst auch die Beinamen victorund invictus führt und mit einer Victoria aufder Rechten vorgestellt wird (s. oben Bd. 2Sp. 67911.), so dürfte allmählich diese Funktion 50vom Siegverleiher auf den Siegesboten über-tragen worden sein. Die gleichen Beinamenführen sonst Mars und Hercules ( Preller, Rom .MylhJ 1 , 352 , 2; oben Bd. 1 Sp. 2922ff.) undinvictus wenigstens in späterer Zeit auch Sol(Preller a. a. O. 2, 409) und Mithras (s. d.).
b) Jüngere Form.
Mit Mercurius victor und mehr noch mitdem M. felix, pacifer und conservator, dem eoSpender und Erhalter aller guten Gaben, wurdeder dem Reiche, welches nach dem langenBürgerkriege von tiefster Sehnsucht nach Buheerfüllt war, Frieden und Ordnung und alle."nungen derselben bringende Caesar Octa-Tlanns Augustus zuerst nur verglichen ( Plorat.uirm. 1, 2 , 41 ff.), worauf er wirklich, wie dem•Apollon und Iuppiter (s. ob. Bd. 1 Sp. 448 Z. 3 5 ff.),
Koscher, Lexikon ci. gr. u. röm. Mythol. II.
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so auch dem Mercurius gleichgesetzt und alsMer curius Augustus im Kulte mit ihm ver-bunden wurde. Übrigens hatten schon Caesarund M. Antonius auf mehreren ihrer Münzenneben anderen Symbolen der Macht den cadu-ceus offenbar in dem oben Sp. 2816 nachge-wiesenen Sinne angebracht (Cohen, Med. imp?1 S. 8, 5f. 12, 25ffi 19,55. 36,5. 40,22ff.42, 66 f.), wie dies dann auch Augustus that(ebenda 1, 63, 5f. 68, 37). Zuerst nachweisbarist wirklicher Kult des Mercurius Augustus imJahre 14 v. Chr. zu Pompeji , wo die ministriMercnrii Maiae oder Augusti Mercurii Maiaeoder nur ministri Angusti (O. P. L. 10, 885 f.;vgl. 884. 887—889) auf ihn zu beziehen sind(Mommsen, C. I. L. 10 S. 109; vgl. ministri For-tunae Augustae oben Bd. 1 Sp. 1525 Z. 4)*). Obdies auch bei anderen Mercurio et Maiae ge-weihten Inschriften der Fall ist, bleibt zweifel-haft (C. I. L. 3, 740. 5, 6354. 12, 2570 vgl. 2557.Brambach 721. 1763. 1845; s. auch ob. Sp. 2804und E. Samte?, Altare di Mercurio e Maiain den Rom . Mittheil. 8, 1893, 3 S. 222ff).Mehrere Mercurio Augusto et Maiae Augustaegeltende Basisinschriften, welche Boissieu,Inser.ant. de Lyon S. 606 aus einem Tempel bei Lyon anführt, bezieht Preller, R. M. z 2 S. 231, 2schwerlich mit Recht auf Tiberius und Livia ,wenn dieser Kult auch später auf andere Kaiserübertragen würde, sodafs sich mancher der-selben selbst mit den Symbolen Mercurs dar-stellen liefs, wie z. B. Commodus (Dio Cass.72, 17, 3f. 19, 4), Gallienus (Eclchel, D.N.V.lS. 406. 415 = Cohen, Med. imp } 5, 348, 10),vgl. unten Sp. 2820. Auf Mercurius Augustusbezügliche Inschriften finden sich am häufig-sten in Africa (18 mal unter 33 Mercur-inschriften, C. I. L. 8) und in Gallia Narbonn.(19 mal unter 86 derselben, C. I. L. 12); dieübrigen 11 bis jetzt erschienenen Bände desC. P. L. enthalten unter etwa 220 den Mercurbetreffenden Inschriften nur 24, welche demM. Aug. gelten, und unter den 117 Mercur-inschriften in Brambachs C. P. Pthen. sind so-gar nur zwei dieser Art. Aus dieser ganzenZahl aber scheint der Regierungszeit des Au-gustus selbst aulser den oben aus Pompeji angeführten nur noch eine Inschrift zu Nola(C. P. L. 10, 1272) anzugehören. Ausdrück-lich zu Ehren des Augustus ist zu Rom amTiber Mercurio deo aeterno im Jahre 754 derStadt ein Altar von einem FreigelassenenLucretius Zethus errichtet worden (R. Lancianiim Athenäum nr. 3313, 25. April 1891 S. 543.Cr. Gatti im Bull. d. Comm. arch. di Roma1893, 20 nr. 1 S. 54). Eine Statuette desMercurius-Augustus mit den Zügen Octaviansist von E. de Chanot auf Tf. 36 der Gaz. arch. 1,1875 S. 13lff. veröffentlicht worden. Dafsfreilichsonst überall, wo Mercurius den BeinamenAugustus führt, an Kaiserkult zu denken sei,dürfte kaum zu erweisen sein, da bekanntlich
*) Der inschriftlich Gezeichneten Statue der Maiagegenüber steht vor der grofsen Säulenhalle zu Pompeji eine Mercurherme, bei der Kopf und Hände in Gewandgehüllt sind. Ein gleicher Hermes-Mercurius befindetsich daselbst in der Säulenhalle neben der Palaestra dergabianischen Thermen.
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