Band 
Zweiter Band, zweite Abteilung. Laas - Myton.
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2821-2822
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2821 Mereurius (= Hermes)

41 Der internuntius superorum et inferorum(Ftdgtnt. beim Myth. Vat. 3, 9, 3; vgl. Mercu-rius nuntius, G. I. L. 6,142 u. o. Bd. 1 Sp. 86 Z. 68 ff.)wird naturgemäfs zum Seelen führ er (s. ob.Bd. 1 Sp. 2375 Z. 8f), dem zuweilen eine Fackelbeigegeben wurde (Val. Flacc. Arg. 1, 841 ff.);vgl. die Bildwerke bei Wieseler, Arch. Beitr. 1S. 23 in d. AVh. d. K. G. d. W. z. Güttingen 351888 . Als solcher verleiht und nimmt er denMenschen das Leben durch Berührung mit sei-nem Stabe ( Petron. sat. 140). Wohl infolgeseiner Kraft Tote zu erwecken wird er auchvon den Magiern angerufen (Val. Flacc. 1,737. Apul. d. mag. 31 S. 467. Mart. Cap.1,36 S. 79; vgl. Dio Gass. 71, 8) und über-haupt mit Zauber in Verbindung gebracht,wie ihm ja auch der Zauberzweig (s. obenSp. 2807) und das Zauberkraut Moly (s. obenBd. 1 Sp. 2343 Z. 14ff.) eignet. Ähnlich stehtauch sein ägyptisches Gegenbild Anubis zurTotenbeschwörung und der Zauberei überhauptin Beziehung (s. oben Bd. 1 Sp. 2312 Z. 57;Sp. 2343 Z. 14 ff. und vgl. Marquardt, Rom .Staatsverw. 3 S. 108, 1).

In Rücksicht auf den Wechsel seines Aufent-haltes zwischen Ober- und Unterwelt wurdeMercur später bald mit schwarzem, bald mitgoldenem Antlitz vorgestellt (Apul. met. 11, 11S. 777), oder es wurde ihm ein halb schwarzer,halb weifser Hut beigelegt (Albric. de deor.mag. 6; vgl. Simroclc, Deutsche Myth. S. 335),mit welchem sein an der Spitze goldener, in derMitte hell schimmernder, am Griffe pech-schwarzer Stab zu vergleichen ist (Remig. beimMythogr. Vat. 3, 9, 4).

6) Der Götterbote wird zum Gotte derRedekunst (s. ob. Bd. 1 Sp. 2366) und desVerstandes ( Seneca apoeol. 3. De benef. 4,8, 2), weshalb er auf Münzen neben der In-schrift Providentia Aug. erscheint (Cohen, Med.imp. 2 5, 427 Gallien 875)i; freilich findet er siehauch neben der Inschrift P'ides Aug. (ebenda5, 367 Gallien 219).

6) Dagegen beziehen sich auf den Erfin-der der Lyra (s. oben Bd. 1 Sp. 2372 f.) dieSesterzen der gens Papia und Vibia, welche aufder Vorderseite den Mercurkopf, auf der Rück-seite eine Lyra zeigen, Babeion, Monn. d. I. rep.Kom. 2 Papia 57 S. 2841; Vibia 21 S. 547.

7) Mercur ist Vorsteher der Palästra (s. ob. ;Bd.l Sp. 2368 Z. 63ff. u. Cic. in Verr. 4, 84. 92)und deshalb wohl des Jugendunterrichts über-haupt (Sarkophag, Arch. Ztg. 43 S. 215; vgl.Hermes mit Diptychon, Wieseler, Arch. Beitr. 1S.12 in d. Abliandl. d. K. G. d. W. z. Göttingen 35 1888); auch wird er selbst jugendlich bart-los (Arnob. 6,12. Augustin, de civ. dei 6, 7; vgl.oben Bd. 1 Sp. 2369 u. Bd. 2 Sp. 2812), blondund sonnenverbrannt vorgestellt ( Mythogr.Vat.MH). Uber seine Liebe zur Palaistra s. oben iW.l Sp.898 Z.17 ff.

8) Dem Schützer und Mehrer der Her-den (s. oben Bd. 1 Sp. 2376ff.) und dem gött-lichen Erfinder (s. oben Bd.l Sp. 2366) wirdendlich die Erfindung des Sclierens der Schafesowie der Wollweberei (Tertull. de pall. 3; vgl.-u. lan[arius] oben Sp. 2814) zugeschrieben.

Wegen seiner Beziehung zur Zeugung (s. ob.

Mereurius (spätere röm. Mythen) 2822

Bd. 1 Sp. 2376 ff.) ist die lierba Mercurialis,Ερμου πόα, Bingelkraut, dem man Einwirkungauf dieselbe beilegte, nach ihm genannt (Plin.n. h. 25, 5, 38ff.; vgl. Cato de re rust. 158), wiedenn überhaupt die Heilkunst ihm verliehenworden ist (Myth. Vat. 1 , 119). Freilich wirdjenes Kraut auch in einem Rezepte gegenSchlangenbifs verwendet (Plin. n. h. 29, 4, 80),vgl. ob. Bd. 1 Sp. 2379 Hermes als Gesundheits-) gott. Wieseler, Arch. Beitr. 1 S. 32 ff. in d. Abli.d. K. G. d. W. z. Göttinyen 35 1888.

C. Fortbildung des Mythus in Rom .

1) An den Hermes νόμιος schlofs sich, wieoben Bd.l Sp. 1395 nachgewiesen, als römischeNeubildung die Evandersage an (s. oben Bd. 1Sp. 1393 ff.),und auch der dem Evander (oder Pan)identische Faunus wird sein Sohn genannt(Derlcyl bei Flut, parall. 38) und als Schützer

i der Mercuriales viri betrachtet (Horat. od. 2,17,27), vgl. oben Sp. 2820 Z. 28 und Accius beiServ. Verg. Aen. 8, 130.

2) Als Gott des Verkehrs auf den Strafsen,vielleicht aber auch als Gott der im Dunkelnschleichenden Diebe, welche die der Lara ver-wandte Laverna (s. d.) verehrten, ist MercurVater der beiden Lares compitales, dieer mit Lara (s. d.) erzeugte, als er sie zu denManes hinabführte (Ooid. Fast. 2, 607ff.). DieDeutung des Gemäldes aus Herculanum beiRoux, Hercul. u. Pomp. 2 Taf. 43 auf Mercurund Mania beruht wahrscheinlich auf falscherZeichnung.

3) Naevius erzählte im Bell. Pan., dafsMereurius ein Schiff des Aeneas gebauthabe (Serv. Verg. Aen. 1 , 170), vielleicht hater ihm also die Erfindung des Schiffsbaueszugeschrieben.

4) Als Gott der Redekunst wird Mercurspäter nach etruskischer Anschauung mitFacundia vermählt (Mart. Cap. 2, 172).An diesen Vorgang scheint sich Mart. Cap.in seinen Nuptiis Mercurii et Philologiaeanzuschliefsen, wobei Mercur gleichfalls dieRede, den Ausdruck vertritt, während diePhilologia, das Streben nach Erkenntnis be-zeichnet (Mythogr. Vat. 3, 9, 1). Dagegen hatsich Sophia nicht mit ihm vermählen wollen,weil sie überflüssigen Redescbmuck verschmäht(Mythogr. Vat. 3, 9, 2).

5) Die Zerlegung des Hermes-Mercurin fünf verschiedene Personen und diean dieselben geknüpfte Genealogie, wie siezuerst bei Cic. de nat. deor. 3, 22, 56. 23, 60auftritt, gehört eigentlich der späteren, derMysterienlehre nahestehenden griechischenTheologie an (vgl. Mythogr. Vat. 3, 9, 8). Hiergilt der Merc. I als Sohn des Caelus (s. d.)und der Dies; Merc. II, der als unterirdisch(vgl. Έρμης χ&όνιο g oben Bd. 1 Sp. 2374) undmit Trophonios (s. d.) identisch bezeichnet wird,ist Sohn des Valens und der Phoronis; Merc. 111ist Sohn des Iuppiter III und der Maia, Vaterdes Pan; Merc. IV ist Sohn des Nil; Merc. Vwird zu Pheneos als Argiphontes verehrt unddem Thoth der Ägy-pter gleichgesetzt. Mitdiesen Annahmen bei Cicero stimmt genauArnob. 4, 14 überein. Bei Ampel, memor. 9, 5

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