9829 Mercurius (bei den Kelten)
Am Bodensee tritt Merc. Arcecius (s. d. undv gl. C. I. L. 3, 5768) und Cimiacinus (s. d.) auf,V ff]. oben den genius Ciniaemus (?), dev mit demtrenius commereii verbunden und jenem viel-leicht identisch ist.
Von der Mündung des Rheins endlich, ausder Nähe von Geldern, stammt die Inschrift(, Brambach 97): D[eo] Mercuri ] Biausio ]jS]impliciu[s] \ ingenuufsj | v. s. I. m. AusBritannia aber kennen wir nur den Namenoder Beinamen Andescox (s. d.). ZwischenKöln, Heidelberg und Trier findet sich nebenMereur mehrfach die Göttin Rosmerta ( Bram -hach 402. 681f. 750. 862f. 888. 1711; vgl. 1508.Orelli 5908 f. Hcttner, Die röm. Steindenhm. mTrier nr. 74 ff.) und ebenso im eigentlichenGallien in Langres ( Orelli 1415) und zu Paris (Orelli 5907); vgl. oben Bd. 1 Sp. 1537 Z. 49 ff.und Freudenberg, Mereur u. Bosmerta in denBonner Jahrb. 53 u. 54 S. 331. K. Christ, Noch-mals Maia-Bosmerta, ebenda 84 S. 246ff. Bev.nmn. Beige 5 S. 417. (D’Arbois de Jubainville,Le Mercure gaulois in der (Revue arch. 25 S. 95._ Letzterer setzt den gallischen Mereur demnach keltischer Überlieferung Lug oder Lugus genannten Gotte gleich (Le cycle myth. irl.
5. 381 f.).
Andere Beinamen bezeichnen Mereur alsHauptgott eines Volkes oder Stammes. Vonder ßheinmündung bis zum Maingebiet be-gegnen wir dem Mercurius Arvernus ( Bram-bach 256f. 593. 1741. 2029), sodafs diese Ge-gend ein alter Sitz der später nach Südengewanderten Arverner sein mufs, bei welchenja Mereur noch zur Zeit des Nero in hohenEhren stand, wie die für dieselben von Zeno-doros gefertigte kostbare Bildsäule beweist(PUn. n. h. 34, 7, 45. 47), vgl. R. Mowat, Lettreä M. de Longperier sur la restitution de la statuemlossale de Mercure executee par Zenodore pourles Arvernes in den Notices epigraph. de div.antiqu. gallo-romaines desselben.
Dafs Mereur bei den Treverern, denen bis-weilen germanische Abkunft zugeschrieben wird,eine ähnliche Bedeutung hatte, beweist eineInschrift aus Trier (Orelli 1405). Dasselbe giltvon Aug. Mercurius Victor Ma(g)niacus Ve(l)-launus zu Hieres (C. I. L. 12, 2373), wenn manVellaunodunum und die Vellavi ( Caes. bell. gall.7,75) vergleicht, und wohl auch von dem DensMercurius Ifanetonensis aus Bernay (Orelli 5885),dem Merc. Aug. Artaius bei Beaucroissant, wodieser Name noch Ortsbezeichnung sein soll( C. 1. L. 12, 2199), sowie vielleicht von demMercurius Hanninus ( Jährb. d. V. v. A. i. Rh.Heft 92, 1892 S. 272f. Mise. 10) und demoben Sp. 2828 aufgeführten Merc.Vassus, Leu-d... anus und Alaunus. Dem keltischen Mer-cur gelten offenbar auch die Inschriften C. I. L.
6, 46, wo Arduinna, Camulus, Iuppiter, Mer-curius und Hercules verbunden sind, und 12,1904, wo dem Castor, Pollux, Hercules undMereur von der Flaminica Viennae im Allo-brogergebiet Bildsäulen geweiht werden. Vgl.Mch ob. Sp. 2817. In Differten bei Saarlouis wurde kürzlich ein Reliefbild des Mereur ingallischer Nationaltracht (Sagum) gefunden( Korrespondenzbl. d. Westdeutschen Zeitschrift
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Mercurius (bei den Germanen) 2830
f Gesch. u. Kunst 13, 5, 45). — Der gallischeEsus (s. d.) wird nur in der zweiten BernerGlosse zu Lucan. Phars. 1 , 445 mit Mereurgleich gesetzt. Zu der gallischen Mercurdar-stellung ist noch zu vergleichen: R. Mowat,Les types de Mercure assis, de Mercure barbuet de Mercure tricephale sur les monuments de-couverts en Gaule im Bulletin monum. 5. Serie,Bd. 4, 1876 S. 338 ff.
4. Der Mereur der Germanen.
Einen germanischen Mereur finden wir zu-erst hei Tacii. Germ. 9 erwähnt, und zwarbezeichnet ihn dieser als den Hauptgott derGermanen, der an bestimmten Tagen auchMenschenopfer empfange. Dafs dies wenig-stens zum Teil gefangene Feinde waren, be-weist für Hermunduren und Chatten Tacit.ann. 13, 57; vgl. Simroclc, (Deutsche Mythol . 220 S. 196. Erst in der Zeit Karls des Grofsenbegegnen wir der Behauptung, dafs der ger-manische Wuotan von den Römern Mercurius genannt worden sei (Grimm, (Deutsche Myth. 4,1 S. 100 ff. 319, 1. E. (EI. Meyer, German .Mythol. § 313). Dennoch ist dieser sicherauch schon von Tacitus gemeint, da die Über-einstimmung mehrerer Züge ihres Wesens, be-sonders ihre Eigenschaft als Führer der Scharender Verstorbenen (des wilden Heeres), ihre Macht30 Glück zu verleihen, wobei der caduceus derWünschelrute Wuotans entsjiricht ( Grimm a.a. O. S. 124 f. 813. 816), ihre Bedeutung alsSchutzgottheiten der Wege und Wanderer(S.125f.), die Erfindung der Schrift, derDichtkunst und des Würfelspiels (S. 124.Nachtr. S. 58; vgl. die sors Mercurii, obenSp. 2815) von Anfang an auf Gleiehsetzuugbeider führen mufsten. Dazu kommt, dafsauch die Bezeichnung der Mitte der Woche40 als Wuotanstag sich mit dem_.di es Mercuriideckt (S. 106. Nachtr. S. 48). Übrigens kannauch die keltische Auffassung des Mereur aufdiese Identificierung mit eingewirkt haben, dadie Römer die ersten Nachrichten über diegermanischen Götter doch wohl durch Galliererhielten, vgl. Grimm, (Deutsche Myth . 4 1 , 107.
Zunächst scheint allerdings auffällig, dafsbei Kelten und Germanen eine dem Hermes-Mercur entsprechende Gottheit die erste Stelle50 im Götterhimmel einnimmt, welche im Südender dem Donar ähnliche Himmels- und Ge-wittergott Zeus -Iuppiter behauptet. Ist aberHermes, ebenso wie Wuotan, wirklich, wieoben Bd. 1 Sp. 2360 ff. angenommen wird, ur-sprünglich ein Windgott, so wird auch dieserStellungswechsel erklärlich. Die gewaltigsteNaturerscheinung des Südens ist eben das Ge-witter, während im Norden der den Wintereinleitende und vertreibende Sturm den mäch-co tigsten Einflufs auf die Natur auszuüben scheint.
VIII. Der Stern Mercurius.
Über den Stern Mercurius s. den ArtikelSternbilder. Hier ist nur liervorzuheben, wasvon dem Wesen der Gottheit auf das Gestirnübertragen worden ist. Aus seiner Eigenschaftals Diener der Götter geht die Vorstellunghervor, dafs das Gestirn an sich keine gute
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