Band 
Zweiter Band, zweite Abteilung. Laas - Myton.
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3001-3002
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3001 Minos (myth. u. histor. Person)

uegen den vermeintliclien Besieger Attikas Ge-nüge zu thun, machten sie den Minos zu einemorausamen, ungerechten, tributheisohenden Ty-rannen, und da sie die griechische Litteraturin ihrer Blütezeit beherrschten, tritt uns Minos von dieser Zeit an vielfach in der von ihnengeschaffenen Gestalt entgegen, vgl. die obenSp. 2997 f. (Kampf gegen Athen . Daidalos) an-geführten Stellen. Dieser Unterschied der at-tischen Minossage von der homeriseh-hesiodischenist so auffallend, dafa bereits einige der Altendarauf aufmerksam gemacht haben, wie Flat.Min. p. 318. 320 f. Strabon 10, 4, 8 p. 476.Flut. Thes. 16. Eust . zu Od. 11, 574 p. 1699und 11, 320. 321 p. 1688, der das homerischeBeiwort oloötpqwv, das Hoeclc, Kreta 2,142 mitHecht als das Einschiebsel eines attischenHhapsoden bezeichnet, damit zu erklären sucht,dafs Minos den Seeräubern öloocpgcov gewesensei, weil er das Meer von ihnen gesäubert habe.

Die scheinbar unversöhnlichen Wider-sprüche der Überlieferung machen es auchverständlich, wie man schliefslich dazu kam,zwei Herrscher des Namens Minos anzu-nehmen, eine Aufstellung, die sich zuerst beiBiod. 4, 60 findet, nach Hoeeks Vermutung aberauf Genealogieenschreiber zurückzuführen istund sich daher namentlich bei Chronisten, wieEiiseWosund im Marmor Parium, erhielt. Dio-dor, dem alle andern Überlieferungen dieser jArt folgen, berichtet: Tektamos (oder Teuta-mos), Sohn des Doros, Enkel des Hellen, Ur-enkel des Deukalion, kam mit einer aiolischenund pelasgisehen Kolonie nach Kreta und zeugteals König der Insel mit der Tochter des Kre-theus den Asterios. Unter dessen Herrschaftkam Zeus mit Europa ebendahin und zeugteMinos , Sarpedon und Rhadamanthys. Spätervermählte sich Asterios mit Europa , nahmihre Söhne an Kindesstatt an und hinterliefs ,ihnen die Herrschaft. Minos aber führte Itone,die Tochter des Lyktios, heim und erzeugtemit ihr den Lykastos, dem Ida, die Tochterdes Korybas, Minos den Zweiten gebar, dervon manchen auch Sohn des Zeus genanntwird. Dieser brachte zuerst unter den Hel-lenen eine grofse Flotte zusammen und be-herrschte das Meer. Er heiratete die Pasi-phae n. s. w.; ähnlich auch Flut. Thes. 20, nurdafs dieser die Naxier als Urheber der Sage £von zwei Minos und zwei Ariadnen nennt;vgl. die ausführliche Erörterung und Wider-legung hei Eoeck, Kreta 1, 242 255; 2, 45 ff.

Die nahe Verbindung des Minos mit Zeus ,äh dessen Sohn und Vertrauter er schon in |ider ältesten Sage erscheint, die unverkennbare,bereits von Spanheim zu Callim. hymn. in Dian.

193 p. 307 hervorgehobene Bedeutung derNeunzahl für sein Leben: iwscogog ßaaüsve,äller neun Jahre oder neun Jahre lang be-suchte er den Zeus in der diktäischen Höhle,ueun Monate verfolgte er die Britomartis, dieUas entschieden an den apollinischen enna-elerischen Jahrescyklus gemahnt, wie die mitseiner Person verbundenen Sagen von Mino-läuvos, Pasiphae und Talos machen es sehr'vahrscheinlich, dafs schon früh die Vorstel-uugenyon dem kretischen Zeus, dem Himmels-

Minos (Bedeutung) 3002

und Sonnengott, mit der Person des mensch-lichen Königs verwebt worden sind; einervölligen Gleiehsetzung beider jedoch, die vonneueren Forschern vielfach empfohlen wird,scheint die Überlieferung zu widerstreben. Wirhaben hier vielleicht einen ähnlichen Vorganganzuerkennen wie in der deutschen Helden-sage. Schömann, Griech. Altert. I 3 , 12 u. 313hält Minos für ein göttliches Wesen, das der) ungriechischen alten Bevölkerung der Inselangehörte, Duncker, Alte Gesch. 3 S , 73 für diePersonikation phönikischer Herrschaft und denVertreter des Baal - Melkart. Auch Movers,Phönikier 1 , 32 und Lewy , Mythol. Beitr. inFleckeisens Jahrbb. f. klass. Philol. 1892 S. 187versuchen Ableitung des Namens und damitder Persönlichkeit aus dem Semitischen. Da-mit übereinstimmend erklärt Bouche- Leclercq ,Histoire de Ja divin. d. Tantiqu. 2, 97 die Zeiti des Minos für halb semitisch, im Banne desBaalkultus befangen; vgl. die Widerlegung beiKd. Meyer, Gesch. d. Altert. 1, 232. 2, 148.·Creuzer , Symbolik 4 S. 101 Anm. 173 glaubt inoffenbarem Widerspruch mit der Überlieferung,dafs in Minos der Mond als König angeschaut, unddie vom Mondlauf abhängige Kalender-, Acker-bau- und Reichsordnung verkörpert sei. Butt-mann, Mythologus 2, 232 erkennt in Minos , dener für den Stammvater und Gesetzgeber derKreter, den ersten Menschen nach kretischerSage erklärt, dieselbe mythische Person, wieden indischen Menu oder Manu; ihm folgenBenfey ( Hermes, Minos, Tartarus. Göttingen 1877 § 6 u. 7); Siecke {Beitr. z. genaueren Er-kenntnis der Mondgottheiten bei den Griechen,Gymnasial-Programm Berlin 1885), der S. 15den Stier des Minos und den Hund LailapB,den Zeus der Europa schenkte, als Personifi-kationen des Mondes, Minos seihst als identischmit dem ind. Yama = Manus = german. Mannusfafst, dagegen S. 13 ihn einen Gott der Finster-nis nennt, der mit dem Sonnenhelden Nisoskämpft, s. auch Dens., De Niso et Scylla .Gymn.-Progr. Berlin 1884; über ältere der-artige Erklärungsversuche s. Hoeclc, Kreta 2, 46. Mit Recht wird . die GleichstellungMinos-Manu verworfen von Schräder, Sprach-vergl. u. Urycsch. S, 596. Gruppe, Kulte undMythen 1 , 163 und in Bursians Jahresber. 1894Heft 4 S. 6. Preuner ebenda 1891 Bd. 25 S. 40.Als eine Hypostase des Zeus wird Minos be-zeichnet von Svoronos, Bevue beige num. 15,1894 2. Lfg. üb. Britomartis, die sogen. Europa a. d. Flat. v. Gortyn, ebenso von Henrychowski,De love Gretieo. Gymn. - Progr. v. Inowrazlaw 1879 S. 6, der den Namen von Men, Manes,das Name der Sonne sei, ableitet. Als Sonnen-helden (Sonnengott) betrachten den Minos auchPreller, Griech. Mylh. 2 3 , 119123. Gerhard,Griech. Myth . § 722 u.ö. Roscher, Selene u.Verw.S. 136 ff., der in Minos einenphönikisch-kreti-schen Sonnengott erkennt und ihn nach über-zeugender Beweisführung für identisch mitdem kretischen Stier und dem Minotauros er-klärt; s. auch Baumstark u. Walz in PaulysRealencyklop. s. v. und das Hauptwerk überMinos Hoeclc, Kreta 2. Eine völlig überzeu-gende Erklärung des Namens ist noch nicht