619 Odysseus (nachhom. Kreis der Ilias )
Ernste Folgen und Verwicklungen auch fürOd. ergeben sich aus Palamedes ’ Tötung beidem Erscheinen seines Vaters Nauplios (s. d.)im Lager der Griechen: Schol. Eur. Or. 432(ygl. auch Apollodor. epit. p. 217 TV.; Schol.Marc, und Tzetz. Lycophr. 384. 1093); wie erdie Mörder des Sohnes, namentlich Od., zurRechenschaft zieht, war vermutlich ausgeführtin Sophokles ’ NavnXiog v.atanXioiv. Mit seinerKlage abgewiesen und unverrichteter Sacheheim gekehrt, vergilt er, von der Rache anandern Helden abgesehen ( Apollodor . a. a. 0.),dem Od. seine Frevelthat durch die Verbreitungder Nachricht ven seinem Tode, weshalb sichseine Mutter Antikleia erhängt ( Eustath. p. 1678,23), Penelope aber sich ins Meer stürzt, ausdem sie jedoch von Seevögeln ( nrjvsXones )wieder gerettet wird (Bidymos bei Eustath.p. 1422, 7).
Im Bereich der Ilias ist die Ausbeuteaus der naehhomerischen Dichtung für Od.’Charakterbild gering, da es die alten Mytho-graphen bei aller Vielgeschäftigkeit weislichunterlassen haben, eine Ilias post Homerumzu schreiben. Od.’ „läppische Gesandtschafts-rede an Achill “ ( Christ, Gesch. d. griech. Litt.599 2 ) von Ailios Aristeides sowie Libanios’Schulreden verwässern allerdings den homeri-schen Sagenstoff. Dagegen schliefsen sich Tra-gödie und bildendeKnnst, wenn sie aus den eigent-lichen homerischen Gedichten schöpfen, beson-ders eng an sie an. Zu erwähnen sind hierAischylos ’ Trilogie: Myrmidones, Nereides undPhryges oder Hektors Lösung, Sophokles ’Phryges, im Anschlufs daran Accius ’ Myrmi-dones, ferner die Achilleus betitelten Stücke vonAristarchos, Iophon , Kleophon, Karkinos d. J.,Biogenes, Livius Andronicus, Ennius, KaiserAugustus , die Hectoris Lutra von Bionysiosd. Ä. , Timcsitheos und Ennius, vgl. auchPherekrates’ Cheiron ( Meineke, hist. crit. 77;Ulix. Com. 375). Dem verlorenen Rhesos desEuripides sowie dem unter dessen Namen er-haltenen gleichnamigen Drama entspricht end-lich die Kyctegersia des Accius . Zu allen ge-nannten Stücken vgl. Welcher und Ribbecka. a. 0. Dafs Od. den greisen Priamos, derden Leichnam des Sohnes von Achill erbittet,gehöhnt und an die frühere Treulosigkeit derTroer erinnert habe, berichten Ptolem. N. II.in Westerm. Mythngr. 195 und Biet. Cret. 3, 20.— Bei Bur. Phtyg. 22 ziehen Od. und Diomedes ans und treffen unterwegs den Dolon, der sieganz friedlich zu Priamos führt, worauf es zueinem dreijährigen Waffenstillstand kommt.Diese seltsame Wendung erinnert fast an dieKomödie: einen Bolon dichtete Eubulos. Imübrigen bieten die Reste der zahlreichen Stückekeine Gewähr für die Annahme wesentlicherÄnderungen in Od.’ Lebensgeschichte undCharakteristik; gewifs erschien er auch hier alsredegewandter Vermittler und streitbarer Held.
Mehr Neues enthielten die kyklischen Ependes Arktinos und des Lesches. In derAithiopis war erzählt, wie Achill , wegenseiner Liebe zu Penthesileia von Thersitesverhöhnt, den „Mund des griechischen Pöbels“mit einem Faustschlag für immer zum Schwei-
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gen bringt, Od. aber als erbitterter Feind desruchlosen Schwätzers (ß 220) Achills Reinigungvon der Blutschuld bewirkt, wovon wohlChairemons Satyrspiel Thersites oder ’ΛχιΧΧενςΘιροιτογ.τόνος gehandelt hat. Od. erlegt danndie Priamossöhne Aretos und Echemmon {Biet.Cret. 4, 7; anders P 494f.; E 160). Als überder Leiche des von Paris getöteten Peliden derKampf entbrennt, wehrt Od. die andrängendenFeinde ab: Arktinos ’ Aithiopis nach Proklos;Apollodor. ep. 5, 20 p. 204 W.; auch tötet ereine gröfsere Anzahl Feinde: Quint. Smyrn.3, 296 f. Die Bergung des Leichnams, beiArktinos und Apollodor Aias’ Verdienst, schreibtsich Od. selbst zu in Soph. Phil. 373; bei Ov.Met. 13, 284 behauptet er aufserdem, auchAchills Waffen gerettet zu haben. Bei Anti-sthenes {Aiac. 2 und Ulix. 11 f.) bringt Aias dieLeiche, Od. die Waffen in Sicherheit. In demStreit, der sich um sie entspinnt, gewinnt denPreis Od., nach dem Schiedsspruch ge-fangener Trojaner b. Arktinos {Schol.X 547),dem wahrscheinlich Aischylos in der "ΟπΧωνγ,ηίαις und Pacuvius im Armorum iudicium{Ribbeck, R. Tr. 218. 220) sowie Lucian , Toten-gespräche 29; Quint. Smyrn. 5, 157 f. und Tzetz.Pusth. 481 f. folgten, nach dem von Athene beein-flufsten Urteil belauschter trojanischerMädchen in Lesches ’ Kleiner Ilias {Schol. Ar.Eq. 1056),nach der Entscheidung der grie-chischen Fürsten unter mafsgebenderMitwirkung der Atriden in Soph. Ai. 445f.;vgl. 1135 f.; wohl auch in Accius ’ Armorum iudi-cium sowie in Ov. Met. 12, 627 f. Dafs hierbeiLug und Trug im Spiele gewesen sind, betont vorSophokles a. a. 0. schon Pindar : Nem. 7, 20 f.;8, 20 f.; Isthm. 3, 52 f.; ihm ist offenbar Od.’Charakter widerwärtig, vgl. G. Grote, Gesch.Griechenl. 1 , 262 d. Übers.; nach Sophokles :Philostr. Heroic. 12, 1; vgl. auch den SpottIuvenals 11, 30 f. Zu einem Redeiwettkampf derbeiden Gegner gestalteten den Rechtsstreit diebereits genannten Tragiker, denen sich Asty-damas d. ■!., Theodektes und Karkinos, sowieLivius Andronicus, Ennius und Kaiser Augustus mit Dramen anschlossen, in denen Aias zwardie Haupt- und Titelperson war, Od. aber ge-wifs auch eine hervorragende Rolle spielte.Episch behandeln den Prozefs Ov. a. a. 0. 13,1 f.und Quint. Smyrn. 5, lf.; rhetorisch Antisthe-nes in den Schulreden Aias und Odysseus . Wirdauch von dem selbstbewufsten Telamonier hierüberall dem verschmitzten Laertiaden mancherMakel angeheftet, so treten doch zugleich seineVerdienste oft genug in das hellste Licht. Überdas tragische Ende des Aias s. d. Allerdingswird die Schuld an dem ganzen Unheil meist,so namentlich bei Sophokles , neben den Atridengerade Od. beigemessen (v. 103 mit Schol. 190.302. 379f. 572f. mit Schol. 952f. 971), aber derversöhnliche Edelmut, den er an der Leichedes gefallenen Gegners beweist, dient zu seinerglänzenden Rechtfertigung (v. 1316f. mit Schol.1374f. 1381 f.) und findet sogar die Anerkennungdes Philostratos: Heroic. 12, 3; neu ist hier derZug, dafs Od. bei der Bestattung auf Aias’ Leich-nam weinend Achills Waffen legt, unter dem Bei-fall der Griechen, auch des Teukros, der aber
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