Band 
Dritter Band, erste Abteilung. Nabaiothes - Pasicharea.
Seite
1299-1300
JPEG-Download
 

1299

Palinurus

Palla

1300

Dion. Hai. ant. 1, 53; locus sagt Mela 2, 4, 9(der wie öfter die Aufzählung verwirrt und P.nördlich von Velia ansetzt). Pie gramm. Formdes noch heute (entsprechend Vergils aeternumwo»je«6,381)Palinuro heifsendenKapB schwanktzwischen Masc. und Neutrum; vgl. aufser dengen. Stellen Strab. 6, 252/3; Dio Cass. 49, 1;Veil. 2,79; Plin. Nat. Hist. 3,5,10,71; &Ä2,13(p. 35, 2 Momms)\ vgl. auch Herodian 1, 202,5 L. Diesen Ortsheros mythologisch zu deuten,etwa mit Klausen (Aeneas u. d. Penaten (1839),1, 492. 534fF.) als „velinischen Winddämon“mit allerhand wirrer Symbolik und offnen Un-richtigkeiten, dazu fehlt jeder feste Anhalts-punkt. Die Etymologie lehrt nicht viel. Dadas Schwanken von naluv und nah nichtsbesagt ( Brugmann, Griech. Gramm . 3 § 295Anm. 2. Kühner - Bla fs, Ausf. Gramm d. gr.Spr. 1 , 281), so erhalten wir das Recht, vonder Thatsache auszugehen, dafs ein Appella-tivum paliurus ( spinae genus, auch Vergilselbst bekannt, Ecl. 5, 39: spinis surgit pali-urus acutis) zugleich in einem Ortsnamen derafrikanischen Küste wiederkehrt (ncdiovqogStrab. 17, 838), den die alten sogar mit VergilsPalinurus in Verbindung brachten ( Lucan. 9,42, von Sero, zu 1, 601, nicht recht ersichtlichmit welchem Rechte, zitiert). Darnach ist dasEtymon beim Appellativum zu suchen und dieDeutung „günstiger Wind der Rückkehr“ ab-zuweisen ( Preller-Jordan , Rom. Myth. 2, 316und Preller-Robert, Griech. Myth . 1 , 628). Viel-mehr ist unmittelbar klar die Zusammenstel-lung mit ixiovQos (worüber zu vgl. Schulze,Quaest. epicae 17). Der rückwärts blickende,zurückgebogene oder gekrümmte Dorn ist dasprius: wie in unserm Grat (spina) ist die Vor-stellung des Dorns auf die scharfen Bergvor-sprünge der Küste übertragen: die angai sindgleichsam deren Stachel. Thatsächlich findetsich Palinurus, in dieser der italischen ent-sprechenden Form, noch ein drittes Mal alsNamen für eine anga und zwar auf Samos oder auf samischem Gebiete am Festland süd-lich von Ephesos (Aslan Punta? vermutungs-weise L. Bürchner, nach brieflicher Mitteilung;die Handbücher vermengen übrigens z. T. diesPalinurus mit dem italischen): Liv. 37, 11, 6.So ist also jedenfalls im Namen Palinurus dieOrtsvorstellung das Ursprüngliche, und dieEtymologie lehrt nichts über das Wesen desHeros. Nicht ganz abzuweisen scheint da-gegen Klausens Versuch, aus der Thatsachedes asiatischen Palinuros und des kyrenäischenPaliuros eine mythhistorische Kombination ab-zuleiten, derzufolge wir schliefslich auf einen„minyeischen Windgeist“ kämen, der identischwäre mit demjenigen des lakonischen Kinai-thion. Die Übertragung (d. h. wohl nur diedes Namens) auf ein lucanisches Analogon wäreden phokäischen Siedlern vonVeliazu danken;über deren minyeische Ursprünge zu vgl. Nie.Damasc. 53 (F. H. G. 3, 387) nebst Fiele, Bezzb.Beitr. 26 (1901), 123ff. Als Hauptstütze dieserKombination müfste indessen Lucans Beziehungdes afrikanischen Ortsnamens auf den italischenP. gelten; es kann aber sehr wohl sein, dafs essich dabei um einen blofsen Einfall des Dichters

handelt. Nicht zu verwerten für die genannteKombination ist jedenfalls die spärliche Andeu-tung, die Vergil über die Genealogie seines Pali-nurus macht, und die als der letzte Bestandteilseiner Mythopöie noch kurz zu besprechen ist.

3) Vergil sagt 5, 843 Iaside Palinure. Sero.zu der Stelle: fili Iasi ( vl. Iasii ); umgekehrtSehol. Dan. zu 3, 202 Iasii filius (doch Iasicod. Floriac.). Der Name ist also zunächstunsicher. Dazu kommt, dafs 12, 391 in demvon Apollon geliebten Arzt der Trojaner Iapyxein zweiter Iasides erscheint. Da er aber 420longaevus heifst, so lautet die Antwort wohlnegativ, die auf die bei Macrob. sat. 5, 15, 12aufgeworfene Frage zu erteilen ist: PalinurusIasides et Iapix Iasides quaero an fratres sint.Ferner ist es ganz unsicher, ob Iasides denNamen des Vaters (nach den Schol .) oder denentfernten Stammvater bezeichnet. Wahr-scheinlich ist, sowohl bei P. wie bei Iapyx,das zweite; einmal eben darum, weil dasPatronymicum ohne nähere Erklärung zweiverschiedenen Personen gegeben wird, sodann,weil dasselbe nur so unter den bestimmtenVoraussetzungen, die für Vergils Troianersageüberhaupt mafsgebend waren (vgl. Aen. 3,167 ff.;7, 205 ff. nebst den Schol. zu diesen Stellen undzu 1, 380), verständlich war und ist. Es handeltesich für Vergil gewifs auch hier um jeneitaliseh-troischen Kombinationen, die Dardanosund seinen Bruder oder Halbbruder Iasion oderfasius aus Italien (Etrurien ) nach dem Ostengelangen liefsen (vgl. darüber Seeliger i. Art.Iasion Bd. 1 Sp. 60ff.). Das Nähere ist undurch-sichtig und gestattet in keiner Weise Klausensmit diesem Materiale angestellte Operationen.Dafs endlich der Schlafgott dem P. geradePhorbanti similis erscheint (5, 843), hilft gleich-falls in keiner Weise weiter. Der Name kannbeliebig gewählt sein, beispielsweise wie Heynemeint, aus B! 490. Vergil wird das Buch Bl um des"Trtvog willen (230 ff.) ohnehin nach gelesen haben.

Nach alledem darf also folgendes als derwahrscheinliche Sachverhalt gelten:

Ein lucanischer Heros erhielt dadurch, dafsdie griechischen Italioten das ihm zugehörigeVorgebirge mit dem auch sonst auf griechi-schem Boden nachweisbaren Namen HmU-( v)ovgog belegten, diesen Namen als Eigen-namen. Vergil , welcher für seine Nekyia eineElpenorszene wünschte und auch sonst gernedie Aeneaswanderung mit italischen Ortssagenin Verbindung brachte, welcher überdies dasaltepisehe Motiv des kurz vor Erreichung seinesZieles dahingerafften Steuermanns nicht fehlenlassen wollte, setzte diesen Palinurus an Stelleder bei andern in die Aeneassage verschmolzenenlakonischen Gestalt des Kinados-Kinaithon. Ober Vorgänger hierbei hatte, insbesondere auchfür die von ihm mit Iasides angedeutete Ein-beziehung dieses Palinurus in die italiseh-troischen Genealogieen, scheint nicht mehr er-mittelt werden zu können. [0. Immisch.]

Palioxis s. Proioxis.

Palla (ndlla), eine Amazone, nach welcherdie gleichnamige Stadt am Pontos benanntsein soll, Arrian bei Eust. ad Dionys. Per. 828p. 260; Steph. Byz. s. v. ®ißcäg. [Höfer.l