Band 
Dritter Band, erste Abteilung. Nabaiothes - Pasicharea.
Seite
1303-1304
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1303 Palladion (tro.Sage b. Arkt.u.i.d.Kypr.)

die Andromaehe als Gefangene; Demophon undAkamas finden ihre Mutter Aithra. Daraufwird die (ausgeplünderte) Stadt angeziindetund*) Polyxena auf dem Grabe Achills ge-opfert. Die über den Frevel des lokrischenAias erzürnten Hellenen beschliefsen ihn zusteinigen. Der Bedrohte rettet sich durch dieFlucht zum Altar der Atliena. Darauf tretendie Sieger die Heimfahrt an, aber die Göttinsinnt ihnen Verderben. Die Gründe, dieWagner zu dieser Umstellung veranlafst haben,sind von ihm auseinandergesetzt Rhein . Mus.46, 406 f., und von selbst leuchtet ein, dafsdas Gericht über den Frevler unmittelbar vorder Heimfahrt sehr gut begründet wird durchdie fragmenta Sabbaitica (Apoll. Epit. 5, 25):ως δε έμελλαν άποπλεΐν πορ&ήσαντες Τροίανυπό Κάλχαντος κατείχοντο μηνίεινΑ&ηναναντοΐς λέγοντας διά την Αίαντος ασέβειαν καιτον μεν Αΐαντα κτείνειν έ'μελλον, φενγοντα δεεπί βωμόν είασαν. Dasselbe giebt in kürzererFassung die Epitome Vaticana. Der Freveldes lokrischen Aias bestand darin, dafs er indas Adyton der Göttin eingedrungen war, dasein Mann überhaupt nicht betreten durfte,dafs er die Jungfrau, die das Bild der Göttinumschlungen hielt, mit Gewalt wegrifs und da-bei das heilige Bild von seiner Stelle gerissenund fortgeschleppt hatte, das nur heiligenFrauen, wie Kassandra und Theano, zu be-rühren gestattet war, dafs er ferner diesenFrevel an der den Achäern wohlwollendenGöttin verübt hatte (vgl. auch Bd. 1 Sp. 136Z. 9 ff.). Ich vermute, dafs schon bei ArktinosAias seinen Zweck nicht erreicht hat, dieJungfrau mit Gewalt in sein Zelt zu bringen,sondern dafs ihm Agamemnon entgegengetretenist und Kassandra in seinen Schutz genommenhat. Dies geht auch aus der Darstellung her-vor, die Philostratus Heroic. 706 von dem Vor-gang giebt. Das mit Kassandra ins Griechen-lager gekommene Götterbild war das echtePalladion. Insofern hatte sich der Götter-spruch erfüllt. Aus dem Verhalten des Götter-bildes im Lager (vgl. Verg. Aen. 2, 171176)ersah Kalchas, dafs die Göttin dem Frevlerund dem Heere zürne; daher veranlafst er dasGericht. Aias entzieht sich der drohendenSteinigung, indem er sich zum Altar derselbenGöttin flüchtet, gegen die er gefrevelt hatte.Das Heer konnte sich nicht derselben Sündeschuldig machen, deren sich Aias schuldig ge-macht hatte, und verzieh, wohl wieder aufAnraten des Kalchas, dem Schutzflehenden.Aber die Göttin selbst war mit diesem Aus-gang nicht zufrieden.

C. Eine von Arktinos und der übrigen Über-lieferung abweichende Sage geht möglicher-weise auf die Kyprien zurück. Auf einem atti-schen l'otfig. Vasenbild (vgl. Archäol. Ans. 11,1896, S. 36 ff.) ist Athena dargestellt mit drohendaufgerichteter Schlange; sie scheint durch ein

*) Wahrscheinlich schlofs hei Arktinos die Beschrei-bung der Schreckensnacht mit der Anzündung der aus-geplünderten Stadt; die Opferung der Polyxena findetam folgenden Tage, das Gericht über den lokrischen Αώ,βin der Folgezeit kurz vor der beabsichtigten Abfahrt derAchäer statt.

Palladion (Sage b. Lesches) 1304

Wunderzeichen des auf der Erde stehen-den Palladions Paris vor der Entführungder Helena zu warnen, während eine Göttin(Παρ(ήγ)ορος) ihn zur Tbat ermuntert. So er-klärt Robert a. a. 0. S. 38 Anm. die Scene.Diese könnte der Maler sehr wohl aus denKyprien genommen haben, vgl. Kinkel, Ep.Gr. Fr. S. 17. Nun fügt sich hieran sehr guteine bisher unverständliche Angabe in Anti- sthenes Odysseus 3 (p. 170 der Ausg. des An-tiphon von Blafs). In dieser Schulrede, derenEchtheit Blafs, Hie ath. Beredsamkeit 2, 311 ff.in Schutz nimmt, spricht Odysseus beim Waffen-streit zu seinem Gegner Aias : αν γάρ ον δενοισ&α, όστιςτον ανδρατόν άνασώσαντα τό'αγαλματής &εον, &λλ ον τόν νφελόμενον παρ ημώνΑλέξανδρον άποκαλείς ίερόανλον. Odysseus , aufeine spöttische Bemerkung des Aias (c. 3 p. 167Blafs) antwortend, sagt:nicht ich bin Räuberdes Götterbildes, ich habe vielmehr die Göttinwieder zu uns zurückgebr^cht, die Paris unsgeraubt hatte. Das hat zur Voraussetzung,dafs Paris, als er Helena mit ihren Schätzenaus Sparta entführte, auch das heilige Bild derPallas mitnahm, das im Palast des Menelaosoder in dem diesem Palast benachbarten Tem-pel der Göttin stand, und nach Troja brachte,wo es im Heiligtum der Burggöttin aufgestelltwurde. Ist dies richtig, so wird auch eineSagenwendung verständlich, die sich bei demKyklographen Hionysius (um 100 v. Chr.) fand,das Palladion sei aus den Knochen des Pelopshergestellt gewesen; vgl. Clemens Alexandr.Protrept. 4, 47 und Apidlod. Epitom. 5, 10Wagn.: δ Έλενος λέγει, πώς αν αίρε&είη ήΊλιος, πρώτον μεν εΐ τά Πέλοπος δοτά κομισ-&είη παρ αν τούς κτλ.

D. In anderer Weise war die Sage vonLesches in der Kleinen Ilias ausgeführt. Dortwar erzählt, wie der von Odysseus gefangeneSeher Helenos gezwungen die Bedingungen fürIlions Eroberung verkündigt. Zu diesen Be-dingungen gehörte auch (vgl. Apoll, epit. 5,10 S. 206 Wagner) der Raub des Palladions.Die Erzählung dieses Raubes folgte nach Pro-klos (vgl. Kinkel a. a. 0. S. 37, Apollod. Bibi,ed. Wagner S. 243) auf die πτωχεία des Odys-seus . Όδνσαενς τε αίκισάμενος εαυτόν κατά-σκοπος εις Ίλιον παραγίνεται καί άναγνωρισ-&εΙς νψ Ελένης περί τής άλώσεως τής πόλεωςσυντί&εται, κτείνας τέ τινας των Τρώων έπι τάςνανς άφικνείται' και μετά ταντα σνν Αιο-μήδει τό παλλάδιον έκκομίζει εκ τής Ίλιον.Diese dürftige Angabe gewinnt mehr Inhalt,wenn man hinzunimmt einzelne Züge aus derErzählung Kanons c. 34 (vgl. Myth. Gr. ed.Westermann 138 f. und die Ausg. von U. Hofer,Greifsw. 1890), ferner Vergil. Aen. 2, 162 ff.und Servius zu 2, 166 (vgl. auch Silius Ital.Pun. 13, 41 ff.), sodann die Erklärungen derGrammatiker und Parömiographen zu demsprichwörtlichen Ausdruck Αιομήδειος ανάγκη,der uns zuerst überliefert ist von AristophanesEkkles. 1029 und von Plato Rep. 6, 493 D (vgl.insbesondere Zenobius 3, 8 und Hesychius unterΑιομήδειος ανάγκη, letzteres auch bei Kinkela. a. 0. S. 43. 9), ferner die Darstellung derTabula Iliaca, die, wie inschriftlich bezeugt