Band 
Vierter Band. Qu - S.
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0 Quadriviae

Der Hauptsitz des Kultus war, wie dieseZusammenstellung lehrt, in Obergermanien .Hier sind 18 Denkmäler gefunden worden, diesüdlichsten im Gebiet der Alpen (13), zudenen die Inschrift der Pleckenalp zu rechnenwäre, falls Mommsens Ergänzung zutreffendist. Nur 7 hat bis jetzt Untergermanien ge-liefert (1925). Aus Germanien scheint derKult in die Donauprovinzen und nach Dalma-tien getragen worden zu sein. An der Spitzesteht hier Carnuntum mit acht Denkmälern,von denen wenigstens sechs in einem 'sacellumaufgestellt waren.

Die Zusammenstellung lehrt weiter, daß dieGottheiten überwiegend als Quadriviae, d. h.als Göttinnen der Straßenkreuzungen, ange-rufen wurden. Dieser Hauptname ist am zahl-reichsten vertreten und findet sich am öftestenallein (28 mal); in der bemerkenswerten CölnerInschrift 23 steht er vor den Triviae Viae Se-mitae (vgl. die Widmung Laribus conpitalibusvialibus semitalibus C. J. L. 11, 3079, fernerviis semitibusque C. I. L. 3, 5524, deo qui viaset semitas commentus est 7, 271 = Bücheier,Carm. epigr. 25); sonst pflegt er die letzteStelle der Trias ( Biviae l'riviae Quadr.) einzu-nehmen. Triviae (am trivium stoßen 3 Wegezusammen, Straßengabelung) allein finden wirnur in Dalmatien (3942), sonst in Verbindungmit Biviae und Quadriviae, mit den Quadr.allein in 9 und 37 (vgl. 23). Biviae (am bi-vium laufen 2 Wege zusammen; Domaszewski,Westd. Zeitschr. 1902 p. 208 denkt an Stellen,wo die semitae in die viae einmünden, eineEinschränkung, die kaum zutreffend ist) kom-men allein überhaupt nicht vor, sondern nurin Gemeinschaft mit Triviae und Quadr. (1. 2.4. 6. 10. 11. 12).

Die überragende Bedeutung der Quadr. be-zeugen auch die Epitheta. Sie allein habenden Beinamen Augustae (28. 33. 34), sie alleinwerden als 'Göttinnen bezeichnet (dis, düs,deabus·, vgl. aber 4); sie allein endlich er-scheinen in Gesellschaft anderer Gottheiten(Genius loci 25 , Silvanus 26, Silvanae 2629;über 14 Lares competales s. u.).

Die korrekte Namensform im Dativ auf-vis (selten -viis) ist auf vielen Denkmälern| der vulgären auf -bis (vereinzelt -biis) ge-; wichen. So Bibis (12) neben Bivis (-iis 6.

11), Tribis (12, Abkürzung Trib. 9) neben Tri-; vis (-iis 6. 41) und einmaligem Triviabus (40).

] Bemerkenswert in 2 Tribvis (Schuchardt, Voka-! lismus d. Vulgärlateins 1, p. 25 u. 3, p. 238 f.).

| Wie quadrivium neben quadruvium (vgl. z. B.

I C. L. L. 5, 2116) so auch die VotivdativeQuadrivis (4. 10. 11. 18. 23. 24. 33. 35. 38;-viis 14, -bis 28. 31. 36, vgl. 34) neben Qua-druvis (1; -viis 6, Unterdrückung des v in 3.12. 27), bzw. Quadrubis (2. 7. 8. 13. 15. 16.2022. 26. 29; -biis 19; unsicher die Ergän-zungen in 25. 30 und die Auflösung der Kom-pendien in 5. 9. 32. 37; vgl. 17).

Die Inschriften gehören sämtlich der Kaiser-zeit an, die meisten dem 2. oder 3. Jahrhun-dert. Dem 1. Jahrhundert läßt sich keine mitgenügender Sicherheit zuweisen. Genauer da-tiert sind 28 (v. J. 211), 11 (v. J. 221), 4 (v.

Quadriviae 6

J. 226),; in 4. 8. 11. 17 die seit dem Endedes 2. Jahrhunderts häufigere Formel in honoremdomus divinae; 25 und 3538 fallen nach Trajan ,9 gehört frühestens dem Ende des 2. Jahr-hunderts an.

Unter den Dedikanten sind Frauen selten(8. 20. 35. 41). Dem Soldatenstand gehörenan die Dedikanten von 3. 4. 10. 11. 12. 14. 23.25. 26 und 28, darunter 5 Veteranen, ein im-munis cos. (4) und zwei Benefiziarier (11 und14; über die Benefiziarierposten und ihre Be-ziehung zum römischen Straßennetz vgl. denAufsatz von Domaszewski, Westd. Zeitschr. 21,1902, p. 158ff., der zu weitgehende Folgerungenzieht). Bemerkenswert ferner der augustalisder Kolonie Sarmizegetusa (36), ein publicanus(18) und die Gemeinde der Bibienses (7), dievom bivium den Namen hat ( Thes. ling. lat.

2, 2025), ihr Gelübde aber den Quadrubiae löst.

Im übrigen wird der Kultus dieser Kreuz-weggottheiten dem der römischen Weglarenähnlich gewesen sein. Die Inschriften stehenmeist auf Altären, oft kleiner und kleinsterDimension, die in Kapellchen oder heiligen Be-zirken an Punkten, wo mehrere Wege zusam-menstießen ( compita ), aufgestellt zu werdenpflegten, als Votivgaben an die Göttinnen, derenSchutz die Reisenden anflehten (ex voto sus-cepto 6. 18, vgl. 8. 16. 23. 36; pro se et suis

3. 35; pro salute sua et suorum 11; vgl. 9. 29).Am ausführlichsten äußern sich hinsichtlichder Votivgegenstände die Dedikanten von 5(arcum templo restituit, so wahrscheinlicher alsaram cum templo), 18 (circumsaeptum etportam),25 (templum cum arboribus constituit), und be-sonders von 28, wo ein Veteran meldet, erhabe in Carnuntum hier ist, wie schon be-merkt wurde, ein kleines Heiligtum der Göt-tinnen entdeckt worden murum a funda-mentis cum suo introito et porticum cum accu-bito vetustate conlabsum aus eigenen Mittelnwiederhergestellt, und zwar den Silvanae undQuadriviae zusammen. Wir haben natürlich,dem Stand der Dedikanten entsprechend, nuran einfache Anlagen zu denken. Die Votiv-altäre sind gewöhnlicher Art, meist primitivausgestattet, selten mit Reliefschmuck verziert,aus dem sich Spezielles für diesen Kult nichtergibt (vgl. 19. 20. 28). Sichere bildliche Dar-stellungen der Göttinnen fehlen bis jetzt. Dennder Ladenburger Altar C. I. L. 13, 6417 (=Matronenkultus nr. 183, vgl. die Abbildungp. 89), der Genio C(ivitatis) U(lpiae) S(ueborum)N(icretum) geweiht ist, hat wohl auszuscheiden,da der vorletzte Buchstabe der zweiten Zeile,auf den es ankommt, nach Zangemeisters Zeug-nis nicht Q sondern O ist, und das Geschlechtder drei unter dem Bild des Genius in Reliefdargestellten stehenden Figuren sich nichtmehr genügend feststellen läßt. Damit fällteine Hauptstütze für die Annahme, daß dieKreuzweggottheiten in den Kreis der als Drei-heit verehrten Matres oder Matronae einzu-reihen seien. An sich ist es ja ganz gut denk-bar, daß das Volk die 'Mütter, die Schutz-gottheiten in allen Lagen des Lebens sind,auch als Schätzerinnen der Straßen und desVerkehrs verehrte und ihnen jene Beinamen

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