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Vierter Band. Qu - S.
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1003-1004
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Skiris

τ i]V Φερεφάττης έχτραγωδοΰβαι. αρπαγήν. DieseWorte, die im einzelnen und im ganzen diewidersprechendsten Erklärungen erfahren ha-ben, glaubt Mommsen in der Weise deuten zusollen, daß den vor dem Pyanepsion oder anfangsdieses Monats in die Tiefe versenkten (leben-den?) Ferkeln, deren verfaulte oder verwesteÜberreste zur Erhöhung der Fruchtbarkeit demSaatkorn beigemengt wurden, große MassenGips oder Kalk nachgeschüttet wurden, welche 10die aus dem verwesenden Fleisch aufsteigen-den Gase dämpfen und dem Heraufholen derverwesten Überreste das Widerliche nehmensollten.Skirophorien ist also der Brauch ge-heißen, weil man Kalk (γή βχιράς) an die Mün-dung des Schachtes trug und einschüttete, undweil man auch weiterhin ebensosehr oder nochmehr mit dem vehikularischen Kalk als mitden darin unkenntlich verschwundenen Ferkel-überbleibseln hantierte. 20

Mit der Tatsache, daß im Sommer am 12.Skirophorion die Priesterin der Athena undder Priester des Poseidon und des Helios nachSkiron zogen und hier der Athena Skiras ge-wisse Bräuche, die Σκίρα, feierten, bringt nunMommsen a. a. 0. 1221F. in Zusammenhang,daß nach Plutarch , Coniug. Praec. 42 in Skironeiner der ιεροί αροτοι stattfand, und vermutet,daß auf einem Felde dort durch das heiligeRindergespann die mystische Handlung des 30ιερός αροτος so vollzogen worden sei, daß diePriester, 'da im Sommer kein Korn gesätwird, das heilige Feld mit Gips bestreuten,eine Handlung, die vielleicht έπιβχίρωβις ( Strabo9 p. 393, s. 0 .!) hieß. Bei diesen Bräuchenscheint auch der Demeter gedacht worden zusein.

Über die Arrhephorie, die Etym. M. p. 149als ein im Monat Skirophorion gefeiertes Athena -fest überliefert und die von den άρρητοφόριαdes Lueianscholions wohl zu scheiden ist, läßtsich bei dem Mangel an näheren Angaben nichtsGenaueres mehr ermitteln. Einige Vermutun-gen hat Mommsen, Skirabr. 125, Anm. 34 undFeste der Stadt Athen 107 f. geäußert.

Mag man Mommsens Deutungen im einzelnenannehmen oder nicht, in der Grundauffassungdürfte er a. a. 0. 129 wohl recht haben, daßAthena Skiras, ursprünglich Vorsteherin derGetreidesaat und nahe beteiligt an den Mittelnsie zu fördern (οχίρα), generalisiert ist zu einerGöttin der Bodenkultur. Ganz ähnlich hattesich schon Otfried Müller in seinem ausgezeich-neten, vielfach mit Unrecht wenig beachtetenAufsatz über Athena Skiras a. a. 0. geäußert:Die Beziehung der Athena zum Ackerbau undeine gewisse Verwandtschaft mit dem Demeter-dienste tritt bei diesen Heiligtümern (in Pha-leron und Skiron) gleich deutlich hervor. Vgl.Skiron und Skiros! [J. Heeg.]

Skiris (Σχιρίς), Beiname der Artemis auf einerInschrift aus Milet , nach welcher der ΆρτεμιςΒονΧηφόρος Σχιρίς öffentliche Feste (άγέρβεις)nach Anweisung des Priestergeschlechtes derΣχιρίδαι gefeiert werden, Re», archeol. 1874, 104.Corr. Hell. 3 (1879), 56. Dittenberger, Sylloge2, 600 (2 S , 660). Collitz, Sammlung d. griech.Dialektinschr. 5498. Vgl. Haussoullier, Corr.

Skiron (u. Theseus: Mythus ) 1004

Hell. a. a. 0. 57. Gruppe, Gr. Myth. 1282, 1Nilsson, Griech. Feste 256, 4. [Höfer.]

Skiron (Σχίρων). 1) 'Σχίρων ist die einzigedurch die Vaseninschriften belegte Form, Σχεί-ρων ist spätere Orthographie, Bobert, Hermes20 (1885), 358, 3. Preller-Bobert, Gr. Myth. 1,205, 1. P. Kretschmer, Gr. Vaseninsclir. 131 ff.Wiener Stud. 22 (1900), 179 f., wo die Bemer-kung:Die Schreibung mit ει entstammt wohlder hellenistischen Orthographie, die jedes lange1 durch £t ausdrückte, vgl. Chilon, Chiron ,Silenos, Siren neben Cheilon, Cheiron, Seilenos,Seiren. Nach dem Etym. Florent. ed. Miller,Melanges de litt. gr. p. 267 hatte Kallimaehos(in der Hekale, frg. 378 S.) noch die Schreibungmit t, dagegen schrieben Aristophanes d. Gram-matiker und Philemon der Attikist Σχείρων,undes ist interessant, sagt v. Wilamoieitz,Gott . gel. Nachr . 1893, 739, 1 ,daß es einefalsche Etymologie von χείρειν war, die denAristophanes v. Byzanz zu dem Fehler Σχείρωνbestimmte; denn zu κείρων gehört die Mega-rerin Skylla (s. d.), die in die χειρίς verwandeltward . . . Damit hat natürlich Σχίρων nichtszu tun, sondern wie Σχιράς usw. wird es mitdem Substantiv σχίρος Gips, Kalk, dem Adjek-tiv σχιρόρ hart Zusammenhängen, Bobert, Herrn.a. a. 0.349 ff. Preller-Bobert&.&.O. Gruppe, Gr.Myth. 599, 6 (584, 6). Zum ganzen Artikelvgl. namentlich Panofka, Der Tod des Skironund des Patroklos, Brl. 1836. F. Gargallo Gri-maldi und E. Braun, Teseo e Scirone, Ann. d.I. 14(1842) 113122. 0. Jahn, Theseus , Skironu. Sinis, Arch. Ztg. 23 (1865), 2131 z. Taf. 195.Talfourd Ely, Theseus and Skiron, Journ. ofhell. stad. 9 (1888), 272281. E. Sarnow, DiefT cykl. Darstellungen aus der Theseussage in der**ant. Kunst u. ihre lit. Quelle, Diss. Lpz. 1894,4350, speziell noch für die bildlichen Dar-40 Stellungen O. Benndorf, Teseo e Scirone, Bull,d. I. 1865, 156160. Konr. Wernicke, Arch.Jahrb. 7 (1892), 211/13.

Den Titel Σχίρων trug bereits eine Travestiedes Epicharmos, vgl. Poll. 10, 87. Epich. frg .83. 84 bei Ahrens, De dial. 2, 449. frg. 125.126 bei Kaibel, Comm. Gr. frg. 1, 114, fernerein Satyrspiel des Euripides, frg. 676682Nauck, Reste der Hypothesis bei Grenfell andHunt, Amherst pap. 2, 8 f 17, vgl. auch Er-50 matinger, Att. Autochthonensage bis auf Eurip.,Diss. Zürich 1897, S. 23, 222. 28, ferner eineKomödie des Alexis, frg . 207 bei Kock 2, 373(aus Ath. 15, 678 e). In dem zweiten Theseus -gedicht des Bakchylides 17 (18), 24 f. heißt es,Theseus habe getötet άτάσ&αΧον Σχίρωνα. SchonSimonides von Keos kennt das Σχιρωνιχόνοιδμα &αλάΰαης αγία μαινοαίνη; άμφϊ ΜοΧοο-ριάδα, Anth. Pal. 7, 496, frg. 114 bei Bergk,P. I. Gr.*· 3, 466 f und Herodot 8, 71 erwähnt60 die Σχιρωνϊς δδάζ, den Weg südwestlich vonMegara im Kalksteingebiet der Geraneia,'die in alter und neuer Zeit übel berufeneKlippenstraße der skironischen Felsen, derenGefährlichkeit eben die Sage vom Skiron ver-anlaßt hat, heute wie auch andere Klippen-wege Kaki Skala geheißen (Kccxr j σκάλα, vgl.Via Mala in Graubünden ), vgl. E. Curtius ,Peloponnesos 1, 9 f. 26. Bursian, Geogr. von