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Vierter Band. Qu - S.
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S. 76) als eine archaisierende Neuerung ebendieser Zeit an: der Beiname Quirinus sollteIanus ebenso als ' eine Gottheit des Staatespar excellence (so Heubner a. a. 0.) bezeichnen,wie dies bei Vesta durch den Zusatz populiRomani Quiritium geschieht. Auf derselbenZusammenstellung von Quirinus und Quiritesund dem Gegensätze, in dem die BezeichnungQuirites zu der als milites steht (Birt a. a. 0.S. XVI), beruht die späte Deutung des Quirinusals eines Mars quietus (Serv. Aen. 1, 292 [=Myth. Vatic. 3, 11, 10]: Mars enim cum saevit,Gradivus dicitur, cum tranquillus est, Quirinus;denique in urbe duo eius templa sunt: unumQuirini intra urbem quasi custodis et tran-quilli , aliud in Appia via extra urbem propeportam quasi bellatoris id est Gradivi. 6, 860:Quirinus autem est Mars qui praeest paci etintra civitatem colitur; nam belli Mars extracivitatem templum habuit ), welcher Glaudian, deIV consul. Honorii 8: positisque parumper bello-rum signis sequitur vexilla Quirini folgt. NebenQuirinus wurden in alten Gebeten die HoraQuirini (wohl Hora, vgl. W. Schulze, Zur Ge-schichte lat. Eigennamen , Abhandl. d. Gott.Gesellsch. d. Wissensch. N. F. 5, 5 S. 483 Anm. 7)und Virites Quirini angerufen (Gell. 13, 23, 2,erstere auch bei Enn. ann. 117 Vahl .* Hora,Ovid. met. 14, 851 Hora; Plutarch spricht Qu.Rom. 46 von einer Göttin Ώρα , die er mit einervon Antistius Labeo erwähnten namens "Ορταzusammenwirft, von der er nur anzugeben weiß,daß ol παλαιοί ihren Tempel allezeit geöffnethielten); wenn A. v. Homaszeivski (Festschriftfür 0. Hirschfeld 1903 S. 245) diese als ver-göttlichte Eigenschaften des Quirinus erklärtund die Virites Quirini als 'Kräfte des Quiri-nus mit den Moles Martis, den 'Strebungendes Mars, zusammenstellt, so scheitert dieseletztere Deutung an unüberwindlichen etymo-logischen Schwierigkeiten.

Als die Gemeinde der Hügelrömer mit derdes Septimontium zu einem einheitlichen Staats-wesen zusammenwuchs, trat die Sondergottheitder ersteren an letzter Stelle in die an derSpitze des Staatskultes stehende Göttertriasein und ihr Priester, der Flamen Quirinalis,erhielt seinen Platz hinter den Flamines desIupiter und Mars (Fest. p. 185). Von der Tätig-keit des Flamen Quirinalis sind wir nicht im-stande uns ein Bild zu machen, da wir ihn beivereinzelten Kulthandlungen im Dienste ver-schiedener, mit Quirinus nicht nachweislich zu-sammenhängender Gottheiten (A. v. Homas-zewski, Archiv f. Religionswiss. 10, 1907 S. 339findet den Grund in angeblichen Beziehungendes Quirinus zum Kulte der Tellus, die ich zuerkennen nicht imstande bin) auftreten sehen:so opfert er der Acca Larentia an den Laren-talia (Gell. 7, 7, 7), steht dem Festzuge undOpfer bei den Robigalia vor (Ovid . fast. 4, 910)und vollzieht an den Consualia des 21. Augustdas Opfer an dem unterirdischen Altare desConsus im Circustale (Tertull. de spect. 5) unterAssistenz der vestalischen Jungfrauen, mitdenen er auch sonst gelegentlich zusammengenannt wird (Liv. 5, 40, 7 f., vgl. 5, 39, 11);sehr auffällig ist die durch Festus p. 217 be-

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zeugte Tatsache, daß wir wissen nicht beiwelcher Gelegenheit der Flamen Portunalisdie Waffen des Quirinus (s. o.) salbte. Auchvon der Festfeier des Gottes, die der alte Ka-lender als Quirinalia am 17. Februar verzeich-nete (fast. Caeret. Maffei. Farn., auch nochbei Philocalus und Polemius Silvius , vgl. C.I.L.I 2 p. 310), ist uns nichts Näheres bekannt undbesaßen offenbar auch Gelehrte wie Varro undVerrius Flaccus kein begründetes Wissen, dennsie wissen zu diesem Tage nur von den zu-fällig mit den Quirinalia zusammenfallendenstultorum feriae, dem Schlußtage der Fornacalia,zu erzählen (Varro de l. I. 6, 13. Ovid . fast. 2,513 ff. Fest. p. 254. 317. Plut. Qu. Rom . 89);auch ein neuerdings gefundenes Fragment derFasti Praenestini zu diesem Tage (A. Sbardellaund O. Marucchi, Notizie d. Scavi 1904 S. 393 ff.,vgl. C. Pascal , Atene e Roma 9, 1906 nr. 9091)erwähnt die letztgenannte Feier und handeltüber den Namen des Quirinus, ohne über Ritusund Bräuche der Quirinalia selbst irgend welcheAngaben zu machen. Auch sonst fehlt es ganzund gar an Nachrichten über die Art und Ab-sicht, in der man diesen Gott in alter Zeit ver-ehrte, nur daß man bei ihm schwur, und zwarmit der Wendung equirine, bezeugt Paul, p. 81.Daß unter den alten Tierbildern der Legions-signa (Plin. n. h. 10, 16) der Eber dem Qui-rinus heilig gewesen sei, wie der Adler demIupiter und der Wolf dem Mars, ist eine geist-reiche Vermutung A. v. Homaszewskis (Hie Re-ligion des rom. Heeres, Westdeutsche Zeitsehr.14, 1895 S. 119), für die es aber an den sicherenUnterlagen fehlt (vgl. Ch. Renel, Cultes mili-taires de Rome: Les enseignes, Paris 1903S. 112 ff.).

Eine Kultstätte hat Quirinus seit alter Zeitauf der von ihm collis Quirinalis im engerenSinne benannten Erhebung des gleichnamigenGesamtberges (Hülsen-Jordan, Topogr. v. Rom 1, 3 S. 396) besessen, ursprünglich nur ein an-spruchsloses sacellum (Paul. p. 225: Quirinalisporta dicta sive quod ea in collem Quirinalemitur seu quod proxime eam est Quirini sacellum,vgl. Plin. n. h, 15, 120: inter antiquissima de-lubra habetur Quirini), an dessen Stelle oderin dessen nächster Nachbarschaft im J. 460 u. c.= 293 v. Chr. ein reich ausgestatteter Tempelerbaut wurde, eine Stiftung des Konsuls L.Papirius Cursor, der damit ein von seinemgleichnamigen Vater 32 Jahre früher als Dik-tator im Kampfe gegen die Samniten getanesGelübde einlöste (Liv. 10, 46, 7 f. Plin. n. h. 7,213; alle Zeugnisse über den Tempel und seineGeschichte bei Hülsen-Jordan a. a. 0. S. 407 ff.).Durch eine Feuersbrunst des Jahres 705 = 49zerstört (Cass. Hio 41, 14, 3), wurde er, nacheinstweiliger provisorischer Herstellung (dar-über das unten über die im Quirinustempelaufgestellte Statue Casars Gesagte), im J. 738= 16 durch einen prächtigen Neuban des Au-gustus ersetzt (Mon. Ancyr. 4, 5. 6, 32. Cass.Hio 54, 19, 4). Der Tempel, ein dorischer Di-pteros mit 8 Säulen in der Front und doppelterSäulenstellung an den Längsseiten (Vitr. 3, 1, 7;abgekürzte Darstellung der Tempelfront auf demneugefundenen römischen Monumentalrelief,

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