Band 
Vierter Band. Qu - S.
Seite
15-16
JPEG-Download
 

15

Quirinus

Quirinus

16

Mitteil. d. röm. Instit. 19, 1904 Taf. IV), standauf derselben Stelle, wie der frühere Bau (dieLage ist durch Funde sichergestellt, vgl. B.Lanciani, Bull. com. di Boma 17, 1889 S. 336ff.379 ff. Hülsen, Bhein. Mus. 49, 1894 S. 406 f.),der Stiftungstag, der bisher auf den 29. Juni(vor Casars Kalenderreform 27. Juni) gefallenwar (fast. Venus. Ovid . fast. 6, 795 f.), wurdenunmehr auf den Tag der Quirinalia, den17. Februar, verlegt (fast. Caer. Farn. Ovid .fast. 2, 511 f., dazu Wissowa, Gesamtn. Äbhandl.S. 144 ff. 268 ff. gegen Mommsen, C. I^L. I 2p. 310).

Etwa in der Zeit Ciceros tauchen ungefährgleichzeitig zwei Erzählungen auf, welche Qui-rinus auf verschiedene Weise mit der Urge-schichte der Stadt verknüpfen; obwohl inner-lich miteinander unvereinbar, haben sie dochspäter beide nebeneinander fortbestanden unddie Überlieferung beeinflußt Nachdem durchden Einfluß des Reatiners M. Terentius Varro die Hypothese von der sabinischen Herkunftder Quirinalgemeinde allgemeine Geltung er-langt hatte, mußte auch der Gott dieser Ge-meinde zum Sabiner werden und aus Cures,der angeblichen Heimat der Hügelrömer, her-stammen, mit der man auch seinen Namenzusammenzubringen versuchte, während die-jenigen, welche die Herleitung von curis =quiris vorzogen, wenigstens dieses Wort fürein sabinisches ausgaben (s. oben). Die vonDionys von Halikarnaß (2, 48) unter ausdrück-licher Berufung auf Varro erzählte Gründungs-sage von Cures ist (abgesehen von dem Zwil-lingsmotiv) deutlich der römischen nachgebildet;wie Mars mit der albanischen Königstochterund Priesterin Rhea Silvia den Romulus, sozeugt dort Quirinus mit einer reatinischen Jung-frau edlen Geschlechtes, die in seinem Heilig-tume im Reigentänze mitwirkt (man kann zurVerdeutlichung etwa an die saliae virgines desrömischen Gottesdienstes, Fest. p. 329, denken),den Modius Fabidius, der dann mit einer Scharvon Männern aus der Nachbarschaft Cures grün-det. Die Einführung des Quirinuskultes in Rom fiel für die Vertreter dieser Anschauung folge-richtig dem Titus Tatius zu, und darum findetsich der Name Quirinus in der von Varro auf-gestellten (gegen die von Lachmann und M.Haupt versuchte Zurückführung der Farrostellede l. I. 5, 74 auf die Annalen des Ennius s.Vahlen, Ennian. poes. reliqu , 2 S. 18) Liste dervon diesem Könige in Rom gestifteten Altäre(Varro a. a. 0. Dion. Hat. 2, 50, 3). Noch be-deutsamer aber wurde eine andere Kombination,durch welche die ältere Erzählung (schon beiEnnius ann. v. 110 ff. Vahl , 2 ) von der Ent-rückung und Vergöttlichung des Romulus dahinvervollständigt wurde, daß dieser den NamenQuirinus angenommen und unter diesem Nameneinen Staatskult erhalten habe. Der ältesteZeuge (daß Ennius ann. v. 117 Quirine paterveneror Horamque Quirini sich darauf beziehe,kann ich Vahlen a. a. 0. S. CLXV nicht zu-geben, das Fragment gehört vielmehr in dasGebet der Hersilia, in welchem auch bei Cass.Dio frg. 4, 7 Melb. Quirinus genannt wird) dafürist Cicero im J. 700 = 54 (de rep. 2, 20: eum

[Bomuluni] sibi mandasse ut populum rogaret,ut sibi in eo colle dem Quirinal - delubrum,fieret; se deum esse et Quirinum vocari; vgl.de leg. 1, 3: Bomulus Proculo lulio dixerit sedeum esse et Quirinum vocari. 2, 19), der abernoch ein Jahrzehnt später (de ofßc. 3, 41: pec-cavit igitur, pace vel Quirini vel Bomuli dixe-rim; vgl. de nat. deor. 2, 62: Bomulum, quemquidem eundem esse Quirinum putant) der Sacheio in einer Form gedenkt, die erkennen läßt, daßes sich um eine noch keineswegs völlig fest-gewurzelte Anschauung handelt (die Beziehungdes durch Beischrift gesicherten bärtigen undbekränzten Q.uirinuskopfes auf den etwa 694= 60 geschlagenen Denaren des C. Memmiusbei Babeion, Monn, de la republ. Born. 2, 218 =Abb.2, die Mommsen, Münzwesen S.642 aus dieserVorstellung erklären möchte, erscheint unsicher).Aber in der nächsten Folgezeit errang dieselbe20 einen vollkommenen Sieg, begünstigt von dendamaligen Machthabern: denn wenn Cäsar imJ. 708 = 46 eine Statue im Tempel des Qui-rinus erhielt (Cass. Dio 43, 45, 2; daher Quirinicontubernalis bei Cic. ad Att, 13, 28, 3, avvvctosQuirini ebd. 12, 45, 3; da der Tempel 3 Jahrevorher abgebrannt war undder augusteische Neubau erst30 Jahre später erfolgte, mußeine provisorische Wiederher-so Stellung des Gotteshauses an-genommen werden), so hatdie Wahl dieses Platzes dieGleichsetzung des Gottes mitdem Stadtgründer zur Voraus-setzung, und dasselbe gilt vonder Tatsache, daß vor der An-nahme des Namens AugustusOctavian gelegentlich als Qui-rinus d. h. als alter Bonmlus gefeiert wurde40 ( Verg. Georg. 3, 27: victorisque arma Quirini,vgl. mit Suet. Oct. 7: quibusdam censentibusBomulum appellari oportere quasi et ipsumconditorem urbis Serv. Aen. 1, 292; Georg.3, 27). Daher fand diese Version auch Auf-nahme in die offizielle Redaktion der römi-schen Geschichte in den Elogien des Augus-tusforums (C. I. L. l s p. 189 nr. IV = 10,809: Bonmlus Martis [fjilius ... receptusque indeorufm] numerum Quirinufs] appellatufs est],so aus Pompei) und kam zum Ausdruck in demBilderschmuck des augusteischen Quirinustem-pels, in dessen Giebelfelde das Stadtgriindun.gs-augurium des Romulus und Remus dargestelltwar (dies zeigt das Monumentalrelief, Mitteil.d. röm. Instit. 19, 1904 Taf. IV, s. dazu P. Hart-wig, ebd. S. 27 ff. E. Petersen, ebd. S. 158); inder historischen Überlieferung erscheint sieganz allgemein (Dion. Hai. 2, 63, 4. Pilut.Born. 28 f.; Kuma 2. Ovid. met. 14, 805ff. [der60 die Konsequenz zieht, auch die Gattin des Bo-mulus Hersilia zur Hora Quirini werden zulassen, v. 829 ff., vgl. Wissowa, Gesamm. Ab-handl. S. 141 f.]; fast. 2, 475 ff. Ilor. 1, 1, 18.Aurel. Vict. vir. ill. 2, 14. Tertull. ad nat.. 2,9 p. 112, 25 Vindob. Lact. inst. 1, 15, 32, wgl.8. 29. 1, 21, 23. Augustin, civ. dei 2, 15 andmehr bei Schwegler, Böm. Gesch. 1 , 521 Anm.10. 11), wobei naturgemäß als Gründer des

2) Münze(nach, Babelort ,Descriptiori hist-or.des Monnaies de larepubl. Rom . 2,

S. 218 Abb. 9).