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Vierter Band. Qu - S.
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21 Ramman (semit. Wettergott)

eine Repräsentation der Naturerscheinungen,die dem durch den Gestirnlauf gekennzeich-neten Kreislauf des Kosmos parallel laufen: derWettererscheinungen, die die Jahreszeitenankündigen, die Verderben bringen, aber auchSegen spenden im Frühling und Sommer undHerbst und Winter des Jahreslaufs, und ebensoin den großen Jahreszeiten des Weltenjahrs.Die Hervorhebung dieser zwiespältigen Erschei-nungen des Naturlebens als Parallelerschei-nungen des Gestirnlaufs scheint nun das Charak-teristikum der semitischen Völkerschichtenzu sein (s. Sp. 24), die wir seit den ältestendurch Urkunden bezeugten Geschichtsperiodenim babylonischen Kulturgebiete ansässig finden,insbesondere der sogenannten 'kanaanäischenWanderung, deren Kulminationspunkt in Baby-lonien durch Hammurabi bezeichnet ist, zu deraber bereits Könige von Sumer und Akkad , wieIsme-Dagan (Dagon ist ebenfalls 'kanaanäischeGottheit) gehören. Der gleichen Völkerwande-rung gehören noch an die Phönizier (und dieüber das Meer gezogenen Punier), die Amoriterund Kanaanäer der babylonisch-assyrischen bzw.ägyptischen Inschriften, und als letzte Einwan-derer das Volk Israel, die Edomiter, Moabiter ,Ammoniter. In diesem gesamten Völkergebietzeigt sich die gleiche religiöse Erscheinung: dieHervorhebung der Zwiespältigkeit des Natur-lebens (Hadad, Tammuz, Baal-Moloch, Istar-Astarte). Auch innerhalb der einzigartigen Ge-meinde der bene Jisrael zeigt sich das, sobaldman die religiöse Unterströmung, die zumHeidentum neigende Volksreligion Israels be-trachtet. Der Jahve der Volksreligion er-scheint als Wettergott in den gleichen Eigen-schaften wie Ramman. Selbst in der reinenJahvereligion leuchtet die Vorstellung durch;sobald die poetische Verherrlichung Jahvessich der Bildersprache bedient, greift sie un-willkürlich in die mythologische Welt, die dieGestalt des kanaänischen Wettergottes umgibt,s. Sp. 56 ff.

Wir dürfen also mit einer gewissen Sicher-heit annehmen, daß der Kult des Wettergottes,wie er sich in der Gestalt des Ramman inBabylonien, Assyrien , sowie in Palästina in ge-schichtlicher Zeit zeigt, seine charakteristischeAusprägung einer semitischen Völkerschichtverdankt. Er hätte sich dann hier, von seinerRolle als summus deus herabsteigend, einemgeistesverwandten religiösen System eingefügt.Und sicherlich wird er dann mit einer ent-sprechenden Gestalt identifiziert worden sein.Daß es eine entsprechende Göttergestalt vonjeher im euphratensischen Kulturgebiet ge-geben haben muß, ist selbstverständlich. Dennwenn auch die Religion der 'sumerischen Kul-tur in ihrem Kultus reine Astralreligion ge-wesen zu sein scheint, so konnte doch auchhier das System die Rücksicht auf die Jahres-zeiten und Wettererscheinungen nicht ent-behren. Rein 'sumerische Texte besitzen wirnicht. Wir finden aber bereits in den ältestenTexten eine Göttergestalt, die Ramman-Adadentspricht, den Gott Im. Und Hammurabi ,der die durch die Umwälzung der kanaanä-ischen Völkerwanderung zerstörten Kultstätten

Ramman (Ideogramme u. Namen) 22

wiederherstellt, spricht auch vom Wiederaufbaueiner Kultstätte dieser Gottheit (s. Sp. 28).

Ideogramme und Namen.

Bereits in den ältesten uns bekannten Textenwird der Wettergott ideographisch (dingir)*)IM geschrieben, mit dem Zeichen, das dieWettererscheinungen anzeigt, insbesondere dasGewitter mit Donner und Blitz (s. unt. das Zeug-nis der Gudea-Inschrift Sp. 26 u. vgl. Sp. 48f.).III R 67, 41 f. cd bzw. 45 c d ist das Zeichenfür IM, das oft einfach den Wind (säru) be-zeichnet, zur Schreibung des Gottesnamensdoppelt nebeneinander bzw. übereinander ver-wendet. Die Aussprache Immer soll durch dievermeintliche Variante aram-(ilu) IM (Lieblingdes Gottes IM) = (na-ram-)i-im-me-ir (Var.i-im-me-rum) in neubabylonischen Kontraktenerwiesen sein (s. Thureau-Dangin in Vorderas.Bibi. 1, 208, Anm. c); Banke hat das in Or.Lit. Ztg. 1907 Sp. 208 ff mit Recht bezweifelt;es handelt sich dort um einen Beinamen desKönigs: Immeru ('Schaf). Die sumerische Le-sung für (dingir) IM mit Variante (dingir) IM. RAund (dingir) IM. lil**) ist Is-kur, wie Hrozny inBezolds Zeitschr. für Assyr. 20, 424 ff. erwiesenhat aus K 4174***), Obv. 1, 9 ( Cun. Texts, 11,45), auch unter Hinweis auf die Glosse is-kurfür den Gottesnamen (dingir) IM in der Götter-liste K 2100, Obv. 1, 141 (veröffentlicht vonBezold, Proc. of the Soc. Bibi. Arch. 11, 173 ff.).Hrozny vergleicht die Namen mit Is-tar, Is-haraf), und für den zweiten Bestandteil kur d.h.'Berg auch den Beinamen des Wettergottes'Herr des Berges, den er unter dem NamenAmurru (s. Sp. 24) führt. Auch diese Bezeich-nung weist darauf hin, daß IM einmal eine'Nibiru-Gottheit war (vgl. mein Altes Testament im Lichte des Alten Orients S. 20 f.), dessenOffenbarung sich auf dem Höhepunkt des Welt-alls bezw. in der Sommersonnenwende desKreislaufs vollzieht.

Durch den Nachweis der Lesung Is-kurerledigt sich die Vermutung Hammels, Aufs,u. Abh. 270, der sich Zimmern, Keilinschriftenund Altes Testament 3 443 anschließt, nach derIM. RA zu lesen sei Rammanu -rihsu, z. B. inden Eigennamen Amel-(ilu) IM . RA. Da dasIdeogramm RA durch rahäsu erklärt wird, soist es allerdings möglich, daß semitische Leserdas RA im Gottesnamen gelegentlich als Epi-theton aufgefaßt haben. Dafür spricht derGottesname Ram-ma-nu-ri-ih-su (der 'Fluten-Ramman) in den Ritualtafeln der Serie Surpu

*) Ideogramm für Gott, semitisch ihi.

**) Für IM.RA vgl. z. B. IV R 2 23, nr. 1, col. 3, 7 und4, 21; ferner das bei Radau, Early Bah. Eist. 428 publi-zierte in NewYork befindliche altbabylonische Siegel. Inden Datierungen Hammurabis (Cun. Texts 8, 40, vgl. 8, 12,s. King, Leiters and inscr. of Hammurabi 3, 236, Anm. 63)wechselt IM und IM . RA. Für IM. RI vgl. die Datie-rung Sumu-la-ilus bei King l. c. 2, pl. 218, Z. 22 und beiHammurabi ib. pl. 224, Z. 20 und pl. 230, Z. 7.

***) Kl = Kujundschik. Die Nummern zählen die Frag-mente aus der Bibliothek Asurbanipals in Niniveh -Kujund-scbik, katalogisiert von C. Bezold.

f) Is-hara heißt wie Hadad Herrin der Offenbarungen(belit btri) III R 68, 29 c; 67, 28 a; gehören Ishara undIskur zusammen?