23 Ramman (Ideogramme u. Namen)
8, 19 (veröffentlicht von Zimmern in Assyriol.Bibi. Bd. 12)..
In der semitisch-babylonischen Keilschrift-literatur ist für das Ideogramm IM, also fürdie Bezeichnung des Wettergottes sowohl dieLesung Ramman wie die Lesung Adad bzw.Addu bezeugt. In der Legende eines baby-lonischen Zylinders (in der Petersburger Ere-mitage befindlich, s. Sayce in ZA. 6, 161, vgl.Jensen, Hittiter 161; Hommel, Aufs. u. Abh.210) wird Ra-ma-nu-um neben Asratum ge-nannt (s. hierzu Sp. 25). Die gleiche Lesungist für Babylonien indirekt bezeugt durchdas Wortspiel (ilu) IM irtamamma (hier dochsicher Ramman zu lesen), Gilgames-Epos 11,Sintfl. Z. 99. In assyrischen Texten ist dieLesung Ramman vielfach durch phonetisch ge-schriebene theophore Namen bezeugt, z. B. durchden Namen des assyrischen Eponymen für 848Bur-(ilu)Ra-ma-na, Variante Bur-(ilu)Ra-man(weitere Beispiele s. bei Zimmern a. a. 0.), fernerdurch den erwähnten Gottesnamen Ram-ma-nu-ri-ih-su in den Surpu-Taf'eln, wonach alsowohl auch sonst in den Surpu-Tafeln Rammanzu lesen ist.
Neben der Lesung Ramman ist für IM dieLesung Adad bezeugt, wie es scheint bereitsin dem Eigennamen A-da-da auf der altbaby-lonischen Stele des Manistusu (s. Sp. 25 f.).Es scheint fast, als ob sie in Assyrien bevor-zugt worden sei, So ist z. B. der bekannteassyrische Königsname (ilu) IM-niräri (derWettergott ist mein Helfer), der früher allge-mein Ramman-nirari gelesen wurde, sicherAdad-nirari zu lesen, wie die Aufschrift aufeiner von C. F. Lehmann und Belck aufge-fundenen fi'üharmenischen Königsinschrift zeigt.
Eine häufigere Nebenform von Adad istAddu (geschr. Ad-du bzw. Ad-di) und Dada .Die Schreibung Addu kommt in einem astro-logischen Texte der Bibliothek Asurbanipals vor (also assyrische, vielleicht aber auch baby-lonische Lesung) K 50, Obv. 12 ( Boissier , Docu-ments p. 72) und in einem aus neubabylonischerZeit überlieferten Göttertexte, der 7 Götter alsErscheinungsformen Marduks aufführt und da-bei Addu als (ilu) IM bezeichnet, Brit. Mus.81—11— 3, 111. In den Briefen aus dem Archivvon Amarna (Mitte des 15. Jahrh.) heißt einKönig von Gebal (Byblos) Rib-Ad-di, VariantenRib-ha-ad-di und Rib-(ilu) IM; ferner findensich hier palästinensische Personennamen, wieA-ad-du, Ad-da-ja, Sum-ad-da, Japti’-ha-da.Einer der Keilschriftbriefe, die Sellin im ka-naannäischen Ta'annek fand, nennt als Brief-schreiber Guli-Addi. — In der Form Da-da fin-den wir den Gottesnamen schon auf der SteleManistusus (s. Sp. 25 f.). — Die gleiche Schrei-bung findet sich z. B. bei Asurbanipal ( Keil-inschr. Bibi. 2, 216, 222) im Namen 'des Ara-bers Bir-Da-ad-da, Var. Bir-(ilu)lM.
Eine weitere Bezeichnung für den Wetter-gott innerhalb der babylonischen Keilschrift-literatur liegt der ideographischen Schreibung(ilu) MAR. TU zugrunde. Nach III R 67,nr. 1 Rev. 51 ist (ilu) MAR. TU die Bezeich-nung des Gottes Adad-Ramman (ilu IM) alsInhabers des abübu, das ist die Götterwaffe, die
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z. B. beim Kampf wider den Drachen desUrchaos erscheint. In dem Sp. 38 näher zubesprechenden Sanheribtext fährt Asur in denKampf wider Tiämat auf einem Wagen, aus-gerüstet mit der abübu-Waffe MAR. TU’s,während dieser selbst als Zügelhalter (Wagen-lenker) ihn begleitet. Wenn dann im Verlaufdes Textes (ilu) IM mit andern Göttern demWagen folgt, so kann das bei diesem spätenText nicht auffallen. Die verschiedenen Bei-namen der Gottheit spalten sich zu verschie-denen Gestalten wie die klassische Mythologieverschiedene Z&vsg (Ais?) kennt, die dochschließlich alle auf den einen olympischenDonnerer zurückgehen. — Hier erhebt sich abernoch eine Schwierigkeit. Der GewittergottRamman-Adad wird noch in einem andernSinne mit dem Ideogramm MAR. TU bezeichnet(zuweilen dann mit einem andern Zeichen fürTU geschrieben), besonders in theophoren Eigen -namen, nämlich mit dem Ideogramm MAR . TU,das das Amurrü-Land (Westland) bezeichnet,vgl. z. B. II R 50, 57 c d, und sodann auch denWestwind, vgl. II R 29, nr. 1, Obv. (so stattRev.) 4. Liegt hier ein Wortspiel vor, das denwestländischen Charakter des Gottes vom baby-lonischen Standpunkt aus bezeichnet?
Einige Assyriologen nehmen noch eineLesung B i r (in Belehnungsurkunden wiederholtBe-ir geschrieben) für den Wettergott an, vorallem Winckler, Keilinschriften und A. TA133, 1, so daß z. B. der bekannte damas-zenische König IM-’idri Bir-’idri zu lesen wäre(.Benhadad im biblischen Masora-Text, LXXuios’Aösq). Diese Namensform Bir wird im Hin-blick auf ihr Auftauchen in Damaskus alsdie der entsprechenden aramäischen Gottheitin Anspruch genommen. Eine Bestätigungbieten die von Pognon (Inscriptions semitiques ,Paris , Lecoffre 1907) veröffentlichten altaramäi-schen Inschriften aus dem 8. Jahrh. v. Chr., indenen der Name nn “,2 tatsächlich bezeugt ist.
Alle diese Namen bezeichnen alBO dieselbeGottheit. Dabei ist nicht ausgeschlossen, daßdie Verschiedenheit Hand in Hand geht mitder kultischen Ausprägung der Lehre. Es gabin der babylonischen Kulturwelt verschiedeneIM in demselben Sinne, in dem es in der grie-chisch-römischen Kulturwelt verschiedene Zeus -Iupiter genannte Götter gab.
Wir haben für den Einzug des Wetter-gott-Kultus in der in der Keilschriftliteraturbezeugten Ausprägung die zweite semitischeWanderung, die sog. 'kanaanäische’ Wan-derung mit H. Winckler, Keilinschriften undA. TA 133 angenommen. Religionsgeschicht-liche Gründe sprechen dafür. Denn die Her-vorhebung der dem Wettergott eigentümlichenErscheinungen ist für das 'Westland’ charak-teristisch, auf dessen Boden die Sprache dieserWanderung haftet, wie die Sprache der erstensemitischen Wanderung auf babylonischemBoden. Zimmern a. a. 0. 445 meint im Gegen-satz hierzu, daß die Gestalt dieses Gottes schonim babylonischen Semitisch zu Hause sei, daßsie also der ersten semitischen Wanderung an-gehöre. Der vermeintliche Gegensatz beruhtaber schließlich nur auf einem Mißverständnis.