101 Rhesos (in d. Heldensage)
Ion und schleichen in das Lager der Feinde.Alle Thraker liegen schlafend in drei Reihenum Rh. herum, dessen Rosse neben ihm amWagen angebunden sind. Von Athena ge-stärkt, tötet Diomedes zwölf Thraker; ihreLeichen zieht Odysseus beiseite, um Platz fürdie Rosse des Rh. zu schaffen. Dann tötetDiomedes als dreizehnten den schlafenden Kö-nig Rh. selbst und Odysseus treibt seine Rosseaus dem Ring der Thraker fort. WährendDiomedes erwägt, ob er Wagen und Waffendes Rh. entführen oder noch mehr Thrakertöten soll, mahnt Athena zu schleuniger Heim-kehr. Eilig besteigen die beiden Griechen diethrakischen Rosse und bringen sie zum StaunenNestors in das griechische Lager, wo sie nebenden Rossen des Diomedes angebunden werden.Inzwischen weckt Apollon den Neffen des Rh.,Hippokoon (diese Gestalt ist vom Dichter freigeschaffen, vgl. Robert, Studien zur Ilias 502),und es erhebt sich bei den Troern laute Weh-klage um die Getöteten.
Bei den nachhomerischen Behandlungen derRh.-Sage fällt vor allem auf, daß der Vaterdes Rh., sofern er überhaupt genannt wird,Strymon und nicht, wie bei Homer , E'ioneusist. Ferner wird dem Bedenken Rechnung ge-tragen, daß die Ermordung des schlafendenRh. eigentlich keine notwendige Heldentat war,wenn Rh. „vor Troja nichts rühmliches tatund nichts Erwähnenswertes aufwies als seineweißen Rosse“ ( Philostr. heroie. 681, 294). SchonPindar fr. 262 Bergk* bei Schol. Hom. II. 10, 435.Eustath. 817, 28 erzählt, Rh. sei ein besondersberühmter Kriegsheld gewesen und habe nachseiner Ankunft vor Troja einen Tag lang mitden Griechen gekämpft und viele von ihnengetötet; um das Schicksal der Griechen be-sorgt, veranlaßte Hera die Athena einzugreifenund diese entsandte dann in der Nacht Odysseus und Diomedes zu jenem Spähergang, auf demsie den schlafenden Rh. und seine Genossentöteten. — Die unter den Euripideischen Dramenerhaltene attische Tragödie „ Rhesos“ , welchenach der Hypothes. Blies, schon im Altertumvon den einen für nicht-euripideisch, von denanderen aber für den in den IHdaskalien er-wähnten echten „ Rhesos “ des Euripides ange-sehen wurde (vgl. v. Wilamowitz , Euripides ’Herakles 1 , 41; die ältere Literatur bei Eurip.Bhes. ed. Vater 1837), hält sich im allgemeinenan die Darstellung der Ilias ·. Rh. erscheintwie bei Homer mit Rossen, die weißer sindals der Schnee, auf prächtigem Wagen, mitgoldenen Waffen (Vs. 302 ff. 340. 383 u. ö.), wiebei Homer unterstützt Athena die nächtlichenKundschafter, wie bei Homer übernimmt esDiomedes , die schlafenden Thraker zu töten,während Odysseus die Rosse fortführt (Vs.622 ff.);ähnlich wie der Hippokoon Homers bemerkthier der namenlose Wagenlenker des Rh., derselbst verwundet wird, den Tod des Königsund weckt mit seiner Klage das Heer. AufPindars Darstellung nimmt der zweite Schau-spielerprolog ( Hypothes. Bhes.) insofern Bezug,als hier Hera die Athena zum Eingreifen be-wegt; Pindars Schilderung von dem einensiegreichen Kampftag wird Homer zuliebe ver-
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worfen. Allein es wird wenigstens die Fiktionhinzugefügt, wenn Rh. die Nacht überlebe, sokönnten weder Achilleus noch Aias ihn vonder Erstürmung des griechischen Schiffslagersabhalten (Vs. 600ff.); ein einziger Tag, sorühmte sich Rh. selbst (Vs. 447), würde ihmgenügen, die Griechen zu vernichten. — Poeti-scher noch klingt eine ähnliche Fiktion, derenerste Quelle wir nicht kennen. Schol. Hom. 11.i 10, 435 bringt sie in folgender Form: ein Ora-kel hatte dem Rh. verkündet, wenn er selbsterst das Wasser des Skamandros gekostet undseine Rosse aus diesem Fluß getrunken undauf der Weide dort gegrast hätten, dann würdeer für alle Zeit unbesiegbar sein; doch wurdeer noch in der Nacht seiner Ankunft getötet,ehe er hatte trinken können. Eustath. 817, 26faßt das Orakel kürzer: wenn seine Rosse beiTroja Gras gefressen und dort Wasser getrunkenhätten, werde er unbezwinglich sein. VergilAen. 1, 469 ff. sagt, Diomedes habe die Rossegeraubt, priusquam pabula gustassent TroiaeXanthumque bibissent, und Servius bemerktzu dieser Stelle (vgl. auch Serv. Verg. Aen. 2, 13und Mythogr. Vat. 1 , 203): das Geschick Trojashabe an den Rossen gehangen, wenn sie troi-sches Futter genossen oder aus dem Xanthos getrunken hätten, so hätte Troja nicht unter-gehen können; Rh. aber sei zur Nachtzeit, alsdie Tore schon geschlossen waren, vor Troja angelangt, habe deshalb an der Küste seineZelte aufschlagen müssen und sei, durch Dolonverraten, von Diomedes und Odysseus getötetworden. Daß jenes Orakel auch in AeciusNyctegresia ( Ribbeck, Böm. Tragödie 362 ff.Trag. Pom. fragml I 230) vorkam, ist sehrwahrscheinlich.
Auffallend erschien es manchem, daß Rh.aus dem fernen Thrakien her den Troern zuHilfe kam und daß er nach Homer erst imzehnten Jahr des Krieges eintraf. Die Tragödie„Rhesos “ sucht dies eingehend zu erklären(Vs. 396 ff. 934 ff.). Nach ihr hatte Hektor einst dem Rh. in den Kämpfen seiner Heimatam Pangaion und im Paioner-Lande beige-standen, ihn aus einem kleinen Fürsten zumgroßen Beherrscher Thrakiens gemacht, undspäter durch Boten und Geschenke seine Hilfefür Troja erbeten. Rh. hatte trotz der Mahnungseiner Mutter sofort nach Troja eilen wollen,indessen ein langwieriger Feldzug gegen dieSkythen hielt ihn fern und führte ihn bis zumPontos Euxeinos. Deshalb traf er erst so spätvor Troja ein, im zehnten Kriegsjahr, in der-selben Nacht, die ihm den Tod brachte.
Wo sonst der Tod des Rh. vor Troja er-wähnt wird, finden sich, abgesehen von denAngaben über die Eltern und die Heimat, nurwenig Abweichungen von Homer . Hipponaxfr. 42 {Bergk, Poet. lyr. Grl 2, 476) sagt kurz,daß Rh. mit seinen weißen thrakischen Rossenkam und nahe vor Ilions Mauern getötet ward.Aristoteles Pepl. 51 ( Bergk 4 2, 353; Aristot.fragm. 641, 57 Bose) besagt, daß die Troer denRh. an der troischen Küste bestattet hätten,wie auch in der Tragödie „Bhesos“ 880. 960Hektor von der Absicht der Bestattung spricht.Konon 4, Appian Mithridat. 1, Apollod. 1, 3, 4
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