107 Rhesos (Lokalsagen, Kulte)
347, Eustath. 817, 25, Serv. Verg. Aen. 1 , 469.Es lassen die Wahl zwischen Klio und Euterpe :Schol. Eurip. Rhes. 393, — zwischen Terpsi-chore und Euterpe : Sehol. Hom. II. 10, 435, indem Katalog der Alusenkinder, — zwischenEuterpe und Kalliope : Apollod. bibl. 1,3,4. —
Völlig abweichend sind die Versionen beiServ. Verg. Aen. 1 , 469, daß Hebros oder Aresder Vater des Rh. sei. Letzteres ist vielleichtnur gefolgert aus Vergil Georg. 4, 462: RhesiMavortia tellus, wenn auch bei den bekanntenBeziehungen des Ares zu Thrakien eine ältereTradition von Ares als Vater des Rh. nichtsAuffallendes hätte.
Lokalsagen, Kulte und Heimat desRh. Cie. nat. deor. 3, 45 bestreitet, daß dieSöhne von Musen Orpheus und Rh. für Götterzu halten seien, und bemerkt, sie hätten keinenKult (nusquam coluntur). Letzteres ist falsch.Rh.-Kult ist für einige Orte direkt bezeugt,für andere aus besonderen Lokalsagen zu er-schließen.
Zunächst gilt dies von der Gegend, wo derStrymon mündet und das Pangaion liegt.Hier haben die Väter des Rh., der Eponymos vonE'ion, E'ioneus, und der Eponymos des FlussesStrymon ihre Stätte. Aus den hier spielendenSagen von den Musen und dem MusensohnOrpheus erwuchs die Wendung, daß auch Rh.der Sohn einer Muse sei. In Amphipolis gab es, wie bereits erwähnt, gegenüber einemHeiligtum der Klio ein jiv-ggsiov des Rh. (Mar-sgas bei Schol. Eurip. Rhes. 347) und Polyaen6, 53 berichtet eingehend, wie die attischenKolonisten unter Hagnon 437/36 hier den Rh.-Kult erneuerten: da ein Orakel die Gründungvon Amphipolis an die Bedingung knüpfte,daß die Gebeine des Rh. aus der Troas geholtund in seiner alten Heimat bestattet würden,habe Hagnon Leute nach der Troas gesandt,die bei Nacht das Grab des Rh. öffneten unddie Gebeine holten; unter Überlistung derFeinde sei es dann geglückt, die Gebeine zurNachtzeit am Strymon zu bestatten. Gegendiesen Bericht sind manche Bedenken erhoben,vgl. z. B. Weißenborn, Hellen 3, 152, Hillervon Gaertringen, de Graecorum fabulis adThraces pertinentibus 82, während Rohde, Psyche151, 2 bemerkt, daß kein Grund sei, an derGeschichtlichkeit dieses Vorgangs zu zweifeln,mögen auch die einzelnen Ümstände, wie BiePolyaen berichtet, fabelhaft ausgeschmücktsein. Wie lebhaft der Rh.-Kult jener Gegendwar, bezeugt vor allem die Tragödie „Rhesos “962 ff. Hier sagt nach dem Tod des Rh. seineMutter, die Muse, Rh. werde nicht in derUnterwelt bleiben, auch nicht bei ihr selbstweilen, sondern in Höhlen des silberreichenLandes, d. h. in seiner thrakischen Heimat, alsHeros fortleben: r.Qvittbs S’ iv avtQOig vf/svmxQyvQOv %9ovos avAgcaxtoSaigcnv xsiesxaißXiitcov qpKos (Vs. 970—971). Das entsprichtder bekannten Auffassung des Heroenkultes(s o. Bd. I, 2466): der Heros weilt weder imHades, noch droben im Licht, sondern lebtfort in der Tiefe des heimatlichen Erdbodens,hilfreich allen denen, die sein Gedächtnis durchOpfer bewahren. Der Dichter hat bei dem
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Ausdruck „silberreiches Land“ die Vs. ^408 be-zeichnete Gegend um den Pangaion im Auge,ähnlich wie Strab. VII 331 fragm. 36 den Rh.als König der Odomanten, Edoner und Bisaltenbezeichnet, er deutet aber nicht an, ob erspeziell an den Einzelkult von Amphipolisoder an einen Einzelkult auf dem Pangaion(Gruppe oben Bd. III, 1085, Griech. Mythol.213 f.) denkt. Der anschließende Vers 972 vondem „Bakchospropheten auf dem Pangaion“bezieht sich auf Orpheus, vgl. Maaß, Orpheus 66 ff.
Außer der Gegend vom Strymon, Amphi-polis und Pangaion hatten auch andere Gegen-den einen Rh.-Kult. Nach Philostrat heroic.681, 294 lebte Rh. auf dem Rhodopegebirgeund man erzählt dort manch Wunderbares vonihm: er betreibe Pferdezucht, Waffenübungund Jagd; zum Altar des Rh. kommen dieWildschweine und andere Tiere des Gebirgeszu zwei oder drei und lassen sich ungefesseltwillig opfern; Rh. wehre auch die Pest vonder Gegend ab, obschon gerade um sein Heilig-tum herum sehr viele Ortschaften liegen; gutsei es da, ihm auf der Reise durch das Rhodope-gebirge und Thrakien zu opfern. — Die Macht,von seiner Heimat Verderben und insbesondereEpidemien abzuwehren, wird jedem Heros zu-geschrieben. Statt der üblicheren Vorstellungdes Heroenkults aber findet sich bei Philostratdie abweichende Auffassung, daß der Herosauch nach seinem Tode das bisherige Lebenfast unverändert fortführt. Mag man die Glaub-würdigkeit Philostrats für die Einzelheitennoch so sehr einschränken, das Wesentlichebleibt: im Rh.-Kult des Rhodopegebirges istRh. nicht der vorzeitig und tatenlos vor Troja Gefallene, sondern ein echter alter Thraker,dem Krieg, Jagd und Rossezucht das Höchstesind. Vgl. Rohde , Psyche 639 Anm.
Andere Gegenden mit alten Überlieferungenvon Rh. sind Abdera, wo die Sage vom Kon-flikt des Diomedes und Rh. entstand (s. o.),und vielleicht die Gegend am Hebros, wohinder Name Hebros als Vater des Rh. (Serv. Verg.Aen. 1 , 469) weist. Bei Hipponax fr. 42 wirdRh. Alvei&v (ten Brink: Alvitov) mxXuvs ge-nannt. Ob sich dies auf Ainos an der Mün-dung des Hebros, aufAineia auf der Chalkidike (Gruppe, Griech. Myth . 302, 22), oder auf an-dere Gegenden (vgl. ob. Bd. I, 166 f., Kretschmer ,Einleitung in d. Geschichte d. griech. Sprache186, Pauly-Wissowa, R.-E. 1 , 1018) bezieht,ist allerdings zweifelhaft.
Auf einen Rh.-Kult in Byzantion weistdas vor den Toren der Stadt gelegene Rheseion,an dessen Stelle in christlicher Zeit eine Kirchedes Theodoros erbaut ward, vgl. Preger, By-zantin. Zeitschr. 14, 274; ganz konsequentsagte man, Rh. sei von Byzantion aus nachTroja gezogen; vgl. Suid. 'Prjaos, loann. Antioch.fr. 24, 6, Fragm. Hist. Graec. 4, 551.
Von den Rh.-Flüssen in der Troas und inBithynien war oben die Rede. In der Troas hat man nachmals als Beweis, daß hier derSchauplatz der Ilias sei, sicherlich auch einGrab des Rh. gezeigt, wie dies Aristot. Pepl. 51und Polyaen 6, 53 voraussetzen. Die Thraker
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