165 Romulus (Legende v. 'Pcogi;)
die Ansicht zu beweisen suchte, die Regierungdes Romulus und Numa sei rein fabelhaft und.poetisch. Xiebuhrs Beweis hat aber an demFehler gelitten, daß er ganz ohne Grund dieLegende als die Erinnerung an ein verlorengegangenes Epos betrachtete. Fortschrittemachte G. Leids (An Inquiry into the Credibilityof the early Boman History, London 1856;deutsch von F. Liebrecht , Hannover 1858, 2. Aufl.1863), und die ganze Richtung hat einen vor-läufigen Gipfelpunkt erreicht in der durch be-sonnenes Urteil und Klarheit der Darstellungausgezeichneten ' Bömischen Geschichte ’ von A.Schwegler (Tübingen 1853), denn das Buch, ob-gleich vor dem von Lewis erschienen, wardiesem doch in vielen Stücken voraus. SeitSchwegler hat man sich hauptsächlich mitQuellen- und Detailforschungen beschäftigt.Allmählich hat sich die Ansicht Bahn gebro-chen, daß die Legende von Romulus , wie sämt-liche sogenannte 'alte Legenden’ Roms, zuerstseit dem Anfang des 4. vorchristlichen Jahr-hunderts, und zwar unter griechischem Ein-fluß oder wenigstens auf griechische Anregungzustande gekommen ist. Sobald man sich diesesTatbestandes stets bewußt bleibt, ist es klar,daß das einzig wirklich Geschichtliche in derLegende sich auf zweierlei beschränkt: erstensauf diejenigen Elemente, die die Verhältnissedes 4. und der folgenden Jahrhunderte wider-spiegeln, und zweitens auf gewisse uralte Ze-remonien und Ideen, die ätiologisch in dieLegende eingeflochten sind. Auch in anderenFällen hängt das Verständnis der Legendehauptsächlich ab vom Verständnis der Ver-hältnisse, die im 4., bzw. den folgenden Jahr-hunderten geherrscht haben.
Durch Quellenstudien und die Vergleichunggleichzeitiger politischer Verhältnisse ist manvorwärts gekommen. Daneben hat die zu-nehmende Vertrautheit mit griechischen undrömischen Legenden die Fähigkeit entwickelt,den Entstehungsort vieler Elemente des römi-schen Sagenkreises zu bestimmen. Dagegenhaben anthropologische Studien verhältnis-mäßig wenig geleistet, weil die betreffendeLegende nicht unter rein anthroprologischenEinflüssen zustande gekommen ist. So viel hataber die anthropologische Methode leistenkönnen, daß sie auf Anknüpfungspunkte auf-merksam machte, wodurch die uralten rituellenAkte zu der Legende in Beziehung gebrachtwerden.
Die älteren Gründungslegenden Roms.
Legender über die Gründung Roms er-scheinen zuerst, wenigstens für uns, um dieWende des 5. und 4. Jahrhunderts. Selbst-verständlich waren es die Griechen, die sichfür die Geburtssage Roms interessierten,· undzwar, wie es bei den Griechen üblich war,mittels der Schaffung eines Eponymos.
Roma (vgl. d. Art. Roma). Diese eponymeGestalt hieß zuerst Roma (Pager]). Unsere älte-sten Gewährsmänner sind Damastes von Si-geion, ein jüngerer Zeitgenosse des Hellanikos ,zirka 400 (vgl. Schwarte in Pauly-Wissoivas. v. Damastes Nr. 3, Vol. 4. Sp. 2050, 2051)
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und Hellanikos selber (über sein Datum, Endedes 5. Jahrhunderts, vgl. Wilamowitz , Hermes11, 292, und Diels, Bhein. Mus. 31, 53). Nachihrem Zeugnis (erhalten bei Dionys. Hai. 1,72) ist Aeneas mit Odysseus nach Italien ge-kommen und hat dort eine Stadt gegründet,die er Roma genannt hat nach einer Trojanerin,und zwar derjenigen, die bei dem Verbrennender Schiffe die Anführerin war. Eine Spurdieser Legende, wo aber Aeneas allein ohneRoma genannt ist, hat sich auch später er-halten: Sallust , Catil. 6: urbem Bomam , sicuti egoaccepi, condidere atque habuere initio Troiani,(pii Aenea duce profugi sedibus incertis vaga-bantur; Procop. Bell. Got. 4, 22: Alvsiug 6rf/s nolsag onuffrijg. Ähnlich (nur beachteman, daß, obgleich die Frau eine Trojanerinist, die Leiter der Gesellschaft Griechen sind)war die Sage bei Herakleides Lembos (Serv. z. I .A. 1, 273: Heraclides ait Bornen, nobilem cap-tivam Troianam, huc appulisse et taedio marissuasisse sedem , ex cuius nomine urbem vocatam.Fest. p. 269: Lembos qui appellatur Heraclides exi-stimat revertentibus ab Llio Achivis quondam (?)tempestate deiectos in Italiae regiones secutosTiberis decursum pervenisse ubi nunc sit Boma,ibique propter taedium navigationis impulsascaptivas auctoritate virginis cuiusdam tempe-stivae nomine Bhomes incendisse classem, atqueab ea necessitate ibi manendi urbem conditamab iis, et potissimum eius nomine eam appella-tam a cuius consilio eas sedes sibi firmavissent ;vgl. auch Aristoteles bei Dionys. Hai. 1, 72).Fast um dieselbe Zeit aber hat man diese bisjetzt allein stehende Figur in die genealo-gischen Systeme eingereiht, und zwar, wie esscheint, zuerst als Tochter des Ascanius undEnkelin des Aeneas. So Agathokles (zirka 400,vgl. Schwarte b. Pauly-Wissowa s. v. Vol. 1Sp. 758—759) hei Festus p. 269: AgathoclesCyzicenarum rerum conscriptor ait vaticinioHeleni impulsum Aeneam, Italiam petivisse por-tantem suam secum neptim Ascani filiam nomineBhomam eamque, ut Ualia sint Phryges potitiet his (?) regionibus maxime quae nunc sunt vi-cinae urbi, prima (?) omnium consecrasse in Pa-latio Fidei templum. Vgl. auch die Varianteeines Ungenannten bei Plutarch , Born. 2, woRoma nicht als Tochter sondern als Frau desAscanius vorkommt. Ferner galt sie auch alsFrau des Aeneas , jedoch waren in diesem Falledie Ansichten geteilt, ob sie Tochter des Tele-phos und Enkelin des Herkules sei (so einUngenannter bei Plutarch , Born. 2) oder Tochterdes Telemaehos und Schwester des Latinus(Kleinias bei Servius A. 1, 273). Endlich wurdesie auch noch in ganz andere Sagenkreise ver-flochten und galt dann als Tochter des Evander(Serv. A. 1, 273: alii a filia Evandri ita dic-tam [Bomam]; im folgenden heißt es: alii afatidica quae praedixisset Evandro his eum lo-cis oportere considere) oder als Tochter desItalus und der Leucaria (Ungenannter bei Plu-tarch , Born. 2).
Romos. Neben dieser Roma existierte auch,wie es scheint am Ende des 5. Jahrhunderts,die männliche Figur des ’Päyog. Die ältesteStelle bezeichnet ihn einfach als Abkömmling
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