699 Semiramis (Verbreitg. eto. d. Sage)
chaldiscb-assyrischer Inschrift der Chalder-könige Ispuinis und Menuas (Sp. 692), diedem von Rovanduz überdie persisch - türkischenGrenzgebirge führendenKe-lischin-Paß, der alten Heer-straße vom Yan-See zumsüdlichen Urmia-See den
3) Henkelfigur
(Berliner Museum): geflügelteSonnenscheibe mit chaldi*scher Göttin (Kückseite) nachLehmann-Haupt, MaterialienS. 87, Fig. 58 (Vorderseite s.dort Fig. 57).
Namen gegeben hat ( Verf,Armenien Bd. 1S. 242 ff.).
Die urartäischen Felsenbauten und Keil-inschriften des Zitadellenberges und der groß- 3 oartige Menuaskanal von Van aber rühren jawirklich (Sp 698) aus den Zeiten der Semi-ramis her, freilich nicht von ihr, sondern vonihren und ihres Hauses Gegnern, den ur-artäischen Königen her. Später (um 600) ge-riet das Quellgebiet des Euphrat und Tigrisunter medische Herrschaft, und gleichzeitigwanderten von Westen her die heutigen Ar-menier, die Urartäer unterwerfend und ver-drängend, ein, um alsbald die medische mitder persischen Oberherrschaft zu vertauschen.Mit den Iraniern wird sich die Sage von derSemiramis auch nach Armenien ausgebreitethaben. Und wenn (ob. Sp. 680) kurz vorChristi Geburt der Kleinasiate Strabo betont,daß außerhalb des Zweistromlandes in vielenGebieten Asiens Bauten der Semiramis gezeigtwerden, so wird erUabei, und nicht an letzterStelle, auch Armenien im Auge haben.
Aber von anderen Bedenken abgesehen, die 50Armenier wissen im übrigen sehr gut, daß ihrenunmehrige Heimat einst gegen die Assyrerhatte verteidigt werden müssen, und sie rechnenden ersten Urartäerkönig, den Gegner Salma-nassarsIII., Aram, unter ihre eigenen National-helden.
Sollte es da lediglich der werbenden Kraftund der Wucht, die gerade der Semiramissageinnewohnt, zuzuschreiben sein, daß die Semi-ramis aus einer Feindin zur Förderin der 60großen Werke, die die Armenier in ihrer neuenHeimat vorfanden, erwuchs? Viel leichter würdesich diese, die Tatsachen umkehrende Ver-schmelzung erklären, wenn wirklich Frauen-hand und Frauenklugheit auf urartäischer Seitean der Schöpfung der großartigen Felsen- undWasserbauten mitgewirkt hätte.
Und in der Tat, die Frau muß bei den Ur-
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artäern eine sehr bedeutende Rolle gespielthaben. Sonst würde nicht in der geflügeltenSonnenscheibe, die überall — bei den Ägyp-tern, von denen sie ausgegangen ist, bei denAssyrern und bei den Persern — stets das Bildder obersten Gottheit trägt, bei den Urar-täern eine Frau erscheinen. So wird die ge-flügelte Sonnenscheibe dargestelltin den Henkel-figuren großer Bronzegefäße (Fig. 3), die mehr-fach in Armenien , aber auch, in deutlicher Nach-ahmung dieser urartäischenVorbilder, in Olympia und ananderen Stätten älterer grie-chischer Kultur zutage ge-treten sind ( Verf., Materialienzur älteren Geschichte Arme-niens [Äbh. der Gott . Ges. d.W. 9, 3, 1910], S. 86 ff.). Undeine urartäische Königin mitihrer Dienerin, stellt eine goldene Medaille '(Fig. 4) dar, die auf dem Königssitze Toprak-kaleh bei Van ausgegraben worden ist {Verf.,Die historische Semiramis S. 57).
Vernahmen die Armenier bei ihrer Ein-wanderung in das Quellgebiet des Euphrat undTigris, daß bei den Chaldern, die sie ver-drängten, damals und zu Zeiten, als die groß-artigen Felsen- und Wasserbauten, die sie inden neubesetzten Gebieten vorfanden, ent-standen, der Frau im Kultus, im Leben undin der Herrschaft eine überragende Rolle zu-erkannt wurde, so ergab sich nun die Ein-setzung der Semiramis, die bei dem herrschen-den Volke, den Persern, als größte Herrscherinund Bauherrin der Vorzeit gepriesen wurde,naturgemäß und ungezwungen.
Der auf einem Papyrus des 1. Jahrh. n. Chr.vor einigen Jahren wiedergefundene Ninos-
4) Goldene Medaille,
ausgegraben auf der chaldischen Königsburg Toprakkaleh,bei Van (nach. Lehmann-Haupt, Materialien S. 84, Fig. 56:Zeichn. v. F. Frohse ). Zur Deutung vgl. L. Messerschinidt, AmtLBcr. a. d. Kgl. Kunstsamml. Bl. Jahrg. N. 3 (Dez. 19u9), S- 55.
roman (Sp. 689) der Sage, der im übrigendie Personen und Motive bis zur Unkenntlich-keit umgestaltet, hat doch wie schon betent,