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Vierter Band. Qu - S.
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801-802
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801 Sibylla (in Samos , Klaros)

bylle zulegen konnten. Daß in Wirklichkeitnicht die Sibylle nach Rom gewandert ist,sondern nur ihre Sprüche, ist bekannt. Näheresdarüber wird bei der Behandlung des Kultesberichtet werden.

Nach der römischen Sage weissagte diecumanische Sibylle dem Aeneas , bevor er indie Unterwelt ging. Verg. Aen. 6, 10 ff. Nacheiner älteren Sagenform hat Aeneas das Orakelschon in Marpessos empfangen. Vgl. Maaß ,Hermes 18, S. 327; Robert, Hermes 22, S. 454.

In späterer Zeit knüpfte sich die Erinne-rung an die Sibylle in Cumae nicht mehr aneinen Felsen, wie zu des Pausanias Zeit, son-dern an eine ßaaiXf/.r} psyloT-q, die von den be-rufsmäßigen Fremdenführern den Reisenden,so auch dem Apollinarius aus Laodicea (vgl.Pseudojustin a. a. 0.) als Aufenthaltsort gezeigtwurde. Vielleicht ist damit das Heiligtum desApollo gemeint, in dem nach Pausanias a. a. 0.die Gebeine der Seherin in einer steinernenHydria aufbewahrt werden. Nach Solin 2, 17u. 5, 7 wurde ihr Grab in Sizilien (Lilybaeum)gezeigt. Vgl. dazu Tac. ann. 6, 12. Das Bildder Sibylle glaubt man auf Münzen von Cumae ( Head, H. N. S. 32; Catal. of gr. coins in theBrit. Mus. Italy p. 87) und Lilybaeum (Head,

S. 132; Catal. etc. Sicily p. 95) zu erblicken,doch ist in beiden Fällen die Deutung sehrunsicher.

Identisch mit der cuman. Sib. ist wahr-scheinlich die cimmerisehe des Varro unddie lukanische des Suidas.

5. Auch in Samos soll sich die Sibyllaaufgehalten haben (Paus. a. a. 0.). Varro führtals Gewährsmann für sie den Eratosthenes an,der seinerseits in antiguis annalibus Samionimüber sie geschrieben fand. Darin werden wirwohl die Lokalsage zu erblicken haben, diesich hei den Samiern sicherlich ebenso wie inden anderen Städten gebildet hatte. Einemerkwürdige Geschichte über die samischeSibylle berichtet die Epitome des Val. Flaccus(1, 5). Als die Bewohner von Priene mit denKarern Krieg führten, baten sie die Samierum Hilfe. Diese schickten, um jene zu ver-höhnen, an Stelle einer Flotte die Sibylle . Esist klar, daß hier ein Irrtum vorliegt. DasRichtige bietet Valerius Maximus (1, 5, 9).Die Samier schickten an Stelle der Flottenicht Sibyllam, sondern nur 'cymbulam. Diesamische Sibylle heißt Phyto (Schol. zu PlatosPhaedrus 244 b ), ihr Beiname ist Samonota(Isidor, Origines 8, 8).

6. Der Aufenthalt der Sibylla in Klarosist gleichfalls durch Pausanias bezeugt. Daßes auch hier eine Lokalsage gab, zeigt unsdie Notiz des Suidas , die kolophonische Si-bylle, die natürlich identisch ist mit der Ma-nschen, habe Lampusa geheißen. Ähnlich wiein Delphi scheint in Klaros den Sibyllenkultein anderer verdrängt zu haben, bei dem, wiein Delphi durch Erddämpfe, hier in jedemeinzelnen Falle die wahrsagende Kraft durchdas Wasser einer heiligen Quelle erzeugt wurde(Tac. ann. 2, 54. Macrobius , sat. 1 , 18). Vgl.Immisch , Klaros in den Jahrb. f. Blass. Philol.,17. Supplementband S. 144.

Koscheh, Lexikon der gr. u. röm. Mythol. IV.

Sibylla (in Delos, Libyen , Iudaea) 802

7. Auf derselben Stufe wie die vorher ge-nannten Orte steht auch Delos. Pausanias (a. a. 0.) berichtet, die Delier hätten sicheines Hymnus der Sibylla auf Apollo gerühmt.

Das sind die Sibyllen, die direkt aus deralten Sibylla hervorgegangen sind. Bei ihnenließ sich konstatieren, daß sie nicht reine Pro-dukte der Schriftstellerphantasie, sondern daßsie an bestimmte Orte gebunden sind, daß dieBewohner derselben Anspruch auf sie erhoben,offenbar des Kultes wegen, der sich daselbstbefand.

Anders steht es mit einer Anzahl von Si-byllen, die wir außerdem noch erwähnt finden.

1. Die älteste Seherin soll nach Pausanias diejenige gewesen sein, die von den LibyernSibylla genannt wurde. Damit wird, wie schonim Anfänge erwähnt ist, dieses Wort aus demLibyschen abgeleitet. Das muß uns schon vonvornherein mißtrauisch machen. Bezeichnen-derweise fügt der Schriftsteller hinzu, dieGriechen hielten sie für die Tochter des Zeus und der Lamia, des Poseidon Tochter. DieseSeherin zählt auch Varro in seinem Katalogeder Sibyllen auf, indem er als Quelle dafüranfiilirt den Euripides in Lamme prologo.(Eine Tragödie Lamia ist uns sonst nicht be-kannt.) Daraus ist aber nicht zu schließen,daß bei Euripides von einer libyschen Sibylle die Rede war, was schon deshalb ausgeschlossenerscheint, weil zu seiner Zeit nur die Sibyllabekannt war. Vielmehr ist gemäß der im An-fänge erwähnten varronischen Definition desWortes Sibylle nur zu folgern, daß in jenemProloge eine weissagende Frau genannt war.Nun lernen wir aus Dioäor (20, 41), daß Eu-ripides eine Herrscherin Lamia von Libyen ineiner Tragödie erwähnt, vielleicht auch auf-treten ließ. Von der wahrsagenden Tochterderselben war also die Rede in jenem Pro-loge. Diese konnte Varro in seine Aufzählungder Sibyllen aufnehmen, Pausanias oder seineQuelle benutzte sie, um das Wort Sibylle ausdem Libyschen zu erklären. Wir aber habendiese Seherin aus der Zahl der Sibyllen zustreichen, obwohl nicht ausgeschlossen ist,daß die Phantasie des Euripides die alte Si-bylla zur Tochter der Lamia und des Zeus gemacht hatte. Aber selbst das würde nurals Variante unter die Sagen gehören, die vonder Sibylla handeln.

2. Bekannter als die libysche ist im Laufeder Zeiten die jüdische Sibylle geworden,weil wir eine Sammlung sibyllinischer Orakelerhalten haben, die sich als Sprüche dieser.Seherin ausgeben. Daß dieselben rein litera-rische Erzeugnisse, also Fälschungen sind, istschon längst erkannt worden. Für unsereZwecke sind sie also vollständig beiseite zulassen, wenngleich nicht geleugnet werdensoll, daß der Grundstock der Sammlungim 3. Buche wahrscheinlich nach dem Musterechter Sibyllinen gearbeitet ist. Varro kenntdie jüdische Sibylle noch nicht, wohl aberPausanias , bei dem sie Sabbe (s. d.; bei SuidasSambethe), ihr Vater Berosus , ihre MutterErymanthe genannt wird. Bei dem Berosushaben wir wohl an den babylonischen Ge-

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