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Vierter Band. Qu - S.
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803-804
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803 Sibylla (in Babylon, Tibur etc.)

schiohtscbreiber des 3. vorchristlichen Jahr-hunderts zu denken, der wahrscheinlich eineweissagende Frau nach Paus, wird diejüdische Sibylle auch babylonische (undägyptische') genannt erwähnt hatte. Ausdem geistigen Vater wird dann der leiblichegeworden sein. Wer den Berosus zum Vaterder Sibylle machte, hat vielleicht auch nachdem Namen seiner Frau geforscht, so daß wirin der Erymanthe wirklich den Namen der-selben erhalten haben. Der Name Sabbe (s. d.)selbst wird hergeleitet von der bekannten Köni-gin von Saba aus der Zeit des Salomo, die vonspäteren christlichen Schriftstellern (Glycas undCedrenus ) Sibylle genannt wird. Doch istwohl eher der umgekehrte Vorgang anzunehmen,daß nämlich jene Königin von Saba wegendes ähnlich klingenden Namens als Sibylle bezeichnet wurde. Viel Ansprechendes hatdagegen die Vermutung von Schulze ( Zeitschr.f. vergleich. Sprachf. 33, S. 378), daß der NameSabbe, der nur eine Verkürzung von Sambethe(s. d.) ist, von der chaldäischen Gottheit her-stammt, die in dem Zagßa&siov zu Thyatiraverehrt wurde (0. I. Gr. nr. 3509). Der Kult derselben muß in Kleinasien sehr verbreitet ge-wesen sein, wie die vielen mit dem StammeZagß- zusammengesetzten Eigennamen bewei-sen. Vielleicht ist die Seherin Isabel aus Thyatira( Offenb. Joh. 2, 20) eine Priesterin der Sam-bethe gewesen ( Schürer, Die lsabel von Thya-tira). Die babylonische Sibylle, die beiPausanias der jüdischen gleichgesetzt wird,will Geflohen (Die bab. Sib., Nachr. d. Gott.Ges. d. Wiss. 1900, 1) von dieser getrenntwissen. Er suchtdie reale Existenz derselbenzu erweisen, was ihm nach Lage der Sachenicht gelingen konnte. Doch hat er nachge-wiesen, daß alte babyl. Weissagungen in das3. Buch der sib. Or. verwebt sind (vgl. Bousset,Zeitschr. für neutest. TPfes. 1902, 1, S. 15 ff.).Wem diese Weissagungen zuzuschreiben sind,läßt sich nicht feststellen. Jedenfalls führtsowohl die jüd. wie die bab. Sib. diese Be-zeichnung im eigentlichen Sinne mit Unrecht.Über die jüdisch-christliche Spruchsammlungvgl. unten den Abschnitt über die Sibylle inder späteren Zeit.

3. Dasselbe gilt von der tiburtinischenSib. Albunea des Varro, die sonst nicht Sibylle genannt wird und die nur deshalb mit in denKatalog des Varro gekommen ist, weil diesemZißvXla = &eoßovhj ist. Vgl. unten den Ab-schnitt über die Sibylle in der späteren Zeit.

Mit welchem Rechte Varro die p h r y g i s c h eSibylle von Ancyra und die persische,.Aelian und Phüetas (a. a. O.) die sardischeanführen, können wir nicht entscheiden.

Kult der Sibylle . Was den Kult an-langt, so ist an ihm charakteristisch die großeBeweglichkeit, die Leichtigkeit, mit der ervon einem Orte zum andern verpflanzt werdenkonnte. Es ist erklärlich, daß in der orakel-süchtigen älteren Zeit ein Orakel hoch-willkommen sein mußte, das nicht wie dasdelphische und klarische an eine bestimmteÖrtlichkeit gebunden war, sondern leicht auchan die entferntesten Orte, sogar von einer

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orientalischen zur griechischen, von dieser zurrömischen Nation übergeführt werden konnte.Dem Kulte lag der Gedanke zugrunde, daßdie Sibylla dereinst die kommenden Ereig-nisse prophezeit habe. Er stützte sich alsohauptsächlich auf die Autorität der Seherin,und die Dauer seines Bestehens war davonabhängig, wie lange die Sibylla in derartigemAnsehen stand, daß man sich an ihre Sprüchewandte. Die Priester hatten also nur bei jederBefragung nachzusehen, wie sich die Seherinüber den betreffenden Fall geäußert hatte.Es ist klar, daß die vorhandenen Orakel tat-sächlich nur ganz allgemeiner Art sein konnten,,daß es also die Aufgabe der Priester seinmußte, die nötigen Ergänzungen zu liefern.An der erwähnten Stelle des Pseudo-Justinwerden sie ol ty.Xc/.\(y.vovzsq zovg yor^aovq ge-nannt, d. h. diejenigen, die die passendenSprüche aus der Sammlung herausnahmen.Die Fremdenführer in Cumae erzählten vonihnen, daß sie bisweilen ohne die nötige Bil-dung waren, so daß die Metrik mancher Versezu wünschen übrig läßt. Das läßt tief blicken,denn es lehrt, daß jene die Verse nicht nurauswählten.

Näheres über den griech. Kult wissen wirnicht, wohl aber über den röm. Denn wasVirgil über die Befragung der cuman. Sibylle durch Aeneas mitteilt, dürfen wir für unserenZweck nicht verwerten. Doch können wir ausdem röm. Kulte gewisse Rückschlüsse aufden griech. ziehen, da jener aus diesem ent-standen ist.

Sollte der Orakeldienst der Sibylle irgendwoeingeführt werden, so handelte es sich zunächstum die Beschaffung der Sprüche. Da liegt eswohl am nächsten, anzunehmen, daß sich diebetreffende Stadt von einer anderen Kultstätte,Rom von Cumae , dieses von Erythrae, Ab-schriften der Orakel besorgte. Der großenMenge konnte man aber diese prosaische Ent-stehung def Spruchsammlung nicht mitteilen.Diese wurde vielmehr mit dem Zauber desGeheimnisvollen umgeben durch die Legende,daß die Sprüche direkt von der Sibylla stammten.Der Zeitpunkt der Übernahme in Rom , näm-lich die Regierung des Tarquinius Superbus ,wird ungefähr richtig sein, da die erste unsbekannte Befragung der Bücher noch in das6. Jahrh. fällt (vgl. Alexandre, Or. Sib. 2, S. 199):.Daraus ist zu schließen, daß die Einführungder griechischen Kulte und besonders des erstenvon ihnen beträchtlich früher anzusetzen ist.

Natürlich waren auch die römischen Orakelin griechischer Sprache abgefaßt, was sowohldurch die erhaltenen Verse bestätigt wird wiedurch die Tatsache, daß für den Orakeldienstjedesmal zwei Griechen gewonnen wurden, diemit den sibyllinischen Gebräuchen vertrautwaren, also wohl Priester aus Cumae ( Dionys.Hai. 4, 62, 5). Daraus geht hervor, daß dieArt der Befragung in Rom in der Hauptsachedieselbe gewesen sein muß wie in den grie-chischen Städten, wenn sich auch in Einzel-heiten Unterschiede feststellen lassen.

Wesentlich verschieden war das Sibyllen-orakel, wenigstens das römische, insofern von