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halb unberechtigt, wenn Biels (a. a. 0. S. 30)aus der nicht durchgeführten Akrostichisschließt, daß das Orakel in zwei, außerdemnoch lückenhafte Orakel zu teilen sei. Esmag von dem Verfertiger aus verschiedenenSprüchen zusammengefügt sein, trotzdem istes so, wie es vorliegt, einheitlich.
Die Sibylle in der späteren Zeit. Alsdie alten sibyllinischen Sprüche im Jahre 83v. Chr. verbrannt waren, wurden an allen be-kannten Sibyllenstätten, vor -allem natürlichin Erythrae, neue Orakel gesammelt, d. h. eswurden entweder die Originale der betreffen-den Sprüche oder Abschriften davon nachRom gebracht und in vergoldeten Fächernunter der Basis des palatinischen Apollo aufbe-wahrt. Tac. arm. 6,12; Suet., Octavian 31. Beidieser Neusammlung sollen nach Kampers(Bie Sibylle von Tibur und Vergil, Histor.Zeitschr. 1908, S. 252ff.) auch jüdisch-helle-nistische, aus Alexandria stammende Sibyllinenals kumaniscli-erythräische Orakel in Rom Eingang gefunden haben. Derartigen Sprüchenhabe Vergil die in seiner 4. Ekloge enthaltenenVerheißungen entnommen. Jedenfalls ist beidieser Gelegenheit allerhand zweifelhaftes Mate-rial nach Rom gekommen oder in Rom ent-standen. Denn gerade in der Zeit nach 83hören wir von sibyllinischen Sprüchen, die denStempel der Erfindung an der Stirn tragen.So verbreitete Cornelius Lentulus, der Genossedes Catilina , ein Sibyllenorakel, nach demdrei Cornelier zur Herrschaft berufen seien.Sali. Cat. 47. Im J. 57 verkündete ein Spruch,es drohe Rom Gefahr, wenn ein vertriebenerägyptischer König mit Waffengewalt wiedereingesetzt werde. Bio Cassius 39, 15. Bekanntist endlich das offenbar von Caesar oder seinenFreunden inspirierte Orakel, daß die Parther nur von einem Könige besiegt werden könnten,und daß derjenige, der tatsächlich König sei,auch den Titel führen solle. Cio. de div. 2, 54.
Um das Echte von dem Falschen zu son-dern, ordnete Augustus eine genaue Prüfungder Sprüche an und ließ alle diejenigen, dienicht in die offizielle, den Quindecimvirnunterstellte Sammlung aufgenommen wurden,verbrennen. Tac. a. a 0.; Marquardt, Rom .Staatsverwaltung 3, 353 f.
Die letzte Befragung der Sprüche fand imJ. 363 vor dem Perserzuge Kaiser Julians statt.Amm. Marc. 23, 1, 7. Nicht lange darauf, vor4u8, sollen sie durch Stilicho verbrannt wordensein Rutilius.de reditu suo 2, 51. Das Orakel,das zur Zeit der Belagerung Roms durch Vitigis in der Stadt verbreitet wurde, könnte dem-nach nicht aus der offiziellen Sammlung stam-men. Procop., de hello Goth. 1, 24.
Wie in Rom , so scheinen auch im ost-römischen Reiche sibyllinische Spruchsamm-lungen von Staats wegen im Gebrauch gewesenza sein, und zwar länger als dort. Zos. 2, 36.Diese griechischen Orakel konnten sich natur-gemäß in dem griechischen Sprachgebiete desrömischen Reiches länger erhalten und leichterverbreitet und erweitert werden als im lateini-schen. Noch im 8. Jahrh. befand sich inKonstantinopel in der kaiserlichen Bibliothek
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ein Buch sibyllinischer Sprüche, das, wie esscheint, in ganz ähnlicher Weise benutzt wurdewie die staatlichen Orakel in Rom . Vgl. Krum-bacher, Gesch. der byzantinischen Literatur,S. 349. Aus diesen Sibyllinen las man heraus,es werde ein Bettler aus tiefster Armut aufden Kaiserthron gelangen. Darin zeigt sicheine Verschmelzung der jüdisch-christlichenMessiasweissagungen mit denen vom Gründereines Weltreiches. Näheres darüber bei Kam-pers, Bie deutsche Kaiseridee in Prophetie undSage, S. 29 f.
Die sibyllinischen Prophezeiungen sind auchin die griechische Volkssprache eingedrungenund haben sich dort lange erhalten, Krum-bacher a. a. 0. S. 402.
Auch in den römischen Provinzen lebtenderartige Wahrsagungen noch lange fort. Einefränkische Sibylle prophezeite das Schicksalder westgotischen Königstochter Brunhilde.Fredegar 3, 59. Vgl. Sackur, Sibyllin. Texteund Forschungen, S. 121. Den größten Einflußauf die Folgezeit haben aber der Sibylle dieuns erhaltenen jüdisch-christlichen Orakelverschafft. Deshalb ist es nötig, auf die Ent-stehung und die Schicksale dieser Weissagungennachträglich etwas näher einzugehen. Nachden Untersuchungen von Hilgenfeld (Bie jüdi-sche Apokalyptik S. 65) und PJwald ( Abhand-lung über die Entstehung, Inhalt und Wert dersibyllinischen Bücher) ist der älteste Teil des3. Buches der Sprüche von einem ägyptischenJuden unter der Regierung des im 3. Bucheöfters erwähnten 7. Herrschers von Ägypten ,des Ptolemaios Physkon , also in der 2. Hälftedes 2. vorchristlichen Jahrhunderts verfaßtworden. Dieser Datierung treten entgegenGeffcken (Komposition und Entstehungszeit derOracula Sibyllina, 1902, in den Texten undUntersuchungen, herausgegeben von v. Gebhardtund Harnack) und Bousset (im Artikel Sibyllenin der Realenzyklopädie für prot. Theol. undKirche. 3. Aufl. 1906. S. 271). Nach BoussetsAnsicht läßt sich nur feststellen, daß das 3. Buchals Ganzes am Ende der Makkabäerzeit ent-standen ist. Der Verfasser dieses ältestenTeiles der sibyllinischen Sprüche legte damitden Grund zu einem Werke, dessen Einflußweit größer war als der der echten sibyllini-schen Orakel. In letzter Linie sind auchRaffaels und Michelangelos Darstellungen derSibyllen auf ihn zurückzuführen. Der Ver-fasser wollte zunächst die alten Hoffnungender Juden auf das ihnen in Aussicht gestelltemächtige Reich neu beleben, indem er fingierte,schon die heidnischen Sibyllen hätten es prophe-zeit. Hier knüpften die Deutungen und Er-weiterungen der späteren Zeit an, indem mandieses Reich zunächst in der römisch-byzanti-nischen, dann in der römisch-deutschen Kaiser-herrschaft sah. Dann aber wollte der Ver-fasser Propaganda für das jüdische Volk undseine uralte Kultur machen, indem er nach-drücklich auf dessen Vorzug vor den heidni-schen Völkern, den einen Gott, hin weist.Seine Sibylle beschuldigt die griechischenPhilosophen und Dichter, vielfach ihre Versebenutzt zu haben. Besonders gegen Homer
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