1369 Sphinx (Bildwerke z. griech. Sage)
Sphinx (Bildwerke z. griech. Sage) 1370
aussetzung, denn Oidipus kehrt nach dem Vater-morde zu Polybos zurück und wandert sodannnach Kreons Aufruf dem Abenteuer entgegen.
Ohne Zweifel ist es ein vorausliegendes Eposgewesen, in dem zuerst der Einwirkung desdelphischen Gottes ein so bedeutsamer Spiel-raum eingeräumt war, wie wir das bei denTragikern und auch bei Pindar (Olymp. 2, 39)beobachten; Bethe hat zu erweisen gesucht,daß die Umformung der Sage in lonien vor iosich gegangen und in der ' jüngeren Thebais’zutage getreten sei ( Theb. Heldenlieder S. 158 ff.).Diese für die Blütezeit der Tragödie kanonischeVersion, welche die Sendung der Sphinx nic'htsowohl als direkte Strafe einer beleidigten Gott-heit erscheinen läßt, als vielmehr davon nurGebrauch macht, um den Oidipus zu seinemtrügerischen Glücke zu führen, ist in der Haupt-sache für die Folgezeit maßgebend geblieben.
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§ 2. Die Bildwerke zur Sphinxsage.
Zur Ergänzung der im vorstehenden zu-sammengefaßten literarischen Überlieferungdienen die Denkmäler der Kunst. EineÜbersicht der auf die thebanische Sphinx be-züglichen Bildwerke hat Otto Jahn gegeben(Archäol. Beitr., Berl. 1847, S. 112ff), vermehrtund z. T. abweichend gedeutet sind sie vonOverbeck (Die Bildw. zum theb. u. troisch. Hel-detikr., Stuttg. 1857, S. 15—59). Seit dieser Be- 30]handlung hat sich der Kreis natürlich erwei-tert, wenn auch wesentlich neue Typen nurwenige zutage getreten sind. S. Heydemann,Edipo e la Sfinye, Annali dell’ Inst. 1867S. 374ff. und die daselbst S. 377, 1 verzeichnetenMonumente; Michaelis , Annali 1871 S. 186ff.;Hofer, Bildwerke zur Sphinxsage ( Bätsellösung )ob. Art. Oidipus Bd. 3 Sp. 719—726.
Darstellungen der Sphinx ohne Umgebunglassen wir beiseite (s. Nachtrag am Schluß), 40weil sie teils nur dekorativ sind, teils eine all-gemeine, symbolische Bedeutung haben, von derspäter die Rede sein wird. Die mit der Sage inZusammenhang stehenden Monumente zeigenuns die Sphinx seltener als verderbliches Unge-heuer, welches sein Opfer überwältigt hat oderim Kampfe begriffen ist; am häufigsten sindfriedlichere Szenen, die den Vorgang der Rätsel-wette, oft mit dem Aufwand von mehr oderweniger Nebenfiguren, vor Augen führen. Ana- sologien für die erstgenannte Auffassung kommenschon im Orient vor, wir sehen den ägyptischenSphinx seine Feinde sieghaft zu Boden treten.Hiervon zu sondern sind assyrische u. a. Typen,in denen das Fabeltier, wie zahlreiche dämo-nische Gestalten jener Kunst weit, von Gott-heiten und Königen besiegt wird (so z. B. Per-rot et Chipiez, Hist, de l’art 2, 619 Fig. 305;
S. 772 Fig. 444). Wenn derartige orientalischeVernichtungsszenen auch ganz besonders dazu sobeigetragen haben mögen, den Sphinxtypus mitder thebaniscben Landessage zu verknüpfen, sodarf man doch nicht durchweg in der griechi-schen Kunst lediglich eine Illustration der Sageerkennen wollen, wenn die Sphinx einen Men-schen gepackt hält. Hier wird es deutlich, wieein ursprünglicher Volksglaube Darstellung undAuffassung beeinflußt. Ähnlich den Keren,
Erinyen, Harpyien und anderen raffendenTodes-göttinnen entführt die Sphinx ihre Opfer aller-wärts und knickt die Blüte der Jugend; die-sem allgemeinen Gedanken wollte die Kunstvor allem Ausdruck verleihen, als sie z. B. dasberühmte, für diese Vorstellung typische Terra-kottarelief von Tenos (Fig. 20) schuf (Stackeiberg,Gräber der Hellenen Taf. 66; Overbeck a. a. 0.Taf. 1, 5 und oft). Hierher gehört z. B. die Dar-stellung auf einer attischen Lekythos sfg. Stils,die mir durch eine Skizze A. Schneiders bekanntgeworden ist (Athen , Polytechnion, ohne Nr.):darauf ist eine Sphinx soeben im Begriffe sichmit einem Jüngling in die Luft zu erheben,der sich krampfhaft an sie zu pressen scheint,um nicht herabzustürzen (vgl. den rotfg. Ary-ballos Athen , Nationalmus. 996). Auf eine sfg.
20) Terrakottarelief von |Tenos (nach Overbeck, Die Bild-werke zum theban. u. troisch. Heldenkreis Taf. 1, 5).
Vase der Monum. ant. pubbl. per cura dellaB. Accademia dei Lincei Bd. 19 (Mailand 1908/9)macht v. Wilamowitz , Bit. Centralbl. 1909Sp. 1572 f. aufmerksam: Jünglinge auf der Fluchtvor ruhig dastehender Sphinx; einer klammertsich an ihren Hals, wie Odysseus unter denWidder des Kyklopen. S. auch Benndorf , Anz.d. Wiener Äkad. 1897 nr. 5 u. 6 (Gruppe ausschwarzem Basalt aus Ephesos )und unt.Sp.1395,6. Der Oidipussage näher stehen diejenigenMonumente, welche die von dem UngeheuerBezwungenen oder vor ihm Zurückweichendenbewaffnet zeigen, was besonders auf Gemmenvorkommt (Overbeck Taf. 1, 6. 7, Text S. 21 ff.).Dabei ist eine Beziehung auf Thebaner, dievergeblich ihr verwirktes Leben zu retten be-strebt sind, nicht abzuweisen, obwohl ich über-zeugt bin, daß beabsichtigt war, auch hier dieTodessymbolik durchklingen zu lassen. Einehierher gehörige Lekythos archaischen Stilsbefindet sich in Paris (Cabinet des medaill.nr. 64): abgebildet ist ein (mit dem Schwert?)bewaffneter, in eiligster Flucht begriffener,nackter Jüngling, der sich nach einer ihn an-springenden, pferdehufigen Sphinx um wendet.Ferner findet sich vereinzelt die Tradition ver-wertet, die von einer gewaltsamen Tötung derSphinx durch Oidipus berichtete; der Punktist oben bereits zur Sprache gebracht worden.