1373 Sphinx (Bildwerke z. griech. Sage)
Beobachtung z. B. durch eine sfg. Münchener Vase bestätigt (nr. 424), auf der eine Sphinxmit drei Lanzenjünglingen jeder scharfen Deu-tung spottet. Muß ferner konstatiert werden,daß 'Erweiterungen der Szene sehr häufig sind’(.Luckenbach a. a. 0. nr. 8), so liefert die Sphinx-episode dafür mehrBeweismathrial, als an dieserStelle behandelt werden kann. Die umfassendsteKomposition verdanken wir dem VasenmalerHermonax , der uns die Sphinx auf der tradi-tionellen ionischen Säule und einen bärtigenOidipus inmitten von zehn älteren und jungenThebanern, die verschiedene Stadien des Nach-denkens erkennen lassen, lebensvoll vor Augenführt ( Monum. delV Inst. 8 Taf. 45; vgl. denArt. Oidipus Bd. 3 Sp. 724f). Andere seinerZunft haben wenig dafür gesorgt, eine der um-gebenden Personen so zu charakterisieren, daßman darin unzweifelhaft den Rätselhelden sehenmüßte. Scheint das auf einem vielbesproche-nen Vasenbild noch möglich zu sein, auf demein Mann mit der lebhaften Gebärde desSprechens an die (wie auf dem Bilde des jHer-monax) auffällig klein gemalte Sphinx sichwendet, während sein jugendlicher Hintermannstaunend den Arm hebt ( Overbeck S. 38ff. nr. 43Taf. 1,14; vgl. Heydemann, Annali 1867 S.378f.;beide erklären anders), trifft vielleicht aucheine von Blümner versuchte Deutung das Rich-tige, der aus einer recht heiter gestimmtenGruppe von Epheben den Oidipus herauserken-nen wollte ( Overbeck S. 41 ff. Taf. 2, 2; Blüm-ner, Archäol. Ztg. 25, 1867, Sp. 117f.), so bleibtman doch in anderen Fällen ganz im unklarenund hat mehrfach den Ausweg gewählt, einejener resultatlosen Versammlungen der The-baner vor des Oidipus Ankunft dargestellt zuzu finden. Andere Variationen geben neueRätsel auf oder entfernen sich ganz von derOidipussage. Einer oben (Sp. 1367, 60) be-reits erwähnten Tötungsszene auf einer attischenLekythos aus Cypern (die von Murray um 370angesetzt wird) wohnen außer Athena undApollon Kastor, Polydeukes und Aineias bei,wie die Beischriften besagen, Personen, derenHinzufügung zu erklären nicht gelingen will.Ein anderes Vasenbild stellt eine anmutigeFrauengestalt mit sprechender Handbewegungvor der auf einer Säule sitzenden Sphinx dar(.Annali 1867 tav. d’agg. J, vgl. S. 379ff.); Heyde-mann vermutet ohne näheren Anhalt eine Be-ziehung zur Komödie. Wie die 'Sphinx’ Epi-charms (2 Fragmente Com. Graec. Fragm. 1S. 114f. nr. 127f. Kaibel) so ist auch das gleich-betitelte Satyrspiel der Oidipustetralogie desAeschylos fast gänzlich verschollen. Dennochhat man mit ihm einige Sphinxdarstellungen zuverbinden gesucht, so einen altertümlichenSkarabäus, auf dem ein Satyr eine neben ihmsitzende, ungeflügelte Sphinx an ihrem Haar-schopfe gefaßt hält (Imhoof-Blumer u. Keller,Tier- u. Pflanzenb. Taf. 26, 44; Furtwängler,Hie o,nt. Gemm. Bd. 1 Taf. 63, 1, Bd. 3 S. 102Fig. 69). Furtwängler weist dabei auf ältere,volkstümliche Vorstellungen hin, die Sphinxund Silen zusammenbrachten, und denkt sichdiesen als den segenhringenden weisen Dämon,der im Besitz geheimer Kunde ist (vgl. Bulle,
Sphinx (Deutungen d. Sage) 1374
Athen . Mitt. 22, 1897, S. 400), auch das Rätselder Sphinx lösen kann und dadurch Gewaltüber sie bekommt. Auf einer vielbesprochenenSzene eines apulischen Kraters zu Neapel (nr.2846) hält ein alter, bärtiger Silen der auf demFelsen sitzenden Sphinx einen auf dem Rückenliegenden Vogel entgegen und scheint eine ver-fängliche Frage seinerseits an sie zu richten,wie jener Arglistige in der äsopischen Fabel,der das delphischeOrakel versuchte (Aesop . 55 H. ·.άνηρ κ.ακοπράγμων . . . έπηρώτα , πότερον τιΐμπνουν ίχει μετά χεϊρας η απνονν , βονΧόμενος,ίάν uhv aspv%ov είπη (δ flsog), ζων τδ στρου-&ίον έπιδεΐξ,αι, έάν δε ϊμπνουν, αποπνίζας προ-ενεγκεϊν κ.τΧ.). Die überraschende Parallele istvon Crusius aufgezeigt worden ( Festschrift fürOverbeck, Leipz. 1893, S. 102). Vgl. oben Art.Satyros Sp. 503 f. Zwei Satyrn, den einenmit erhobener Hacke, den andern zurück-weichend vor der auf einem Grabhügel hocken-den Sphinx zeigt ein rfg. Krater der Samm-lung Vagnonville ( Mancini u. Milani in dessenStudi e materiali 1, 64ff.; J. Harrison, Journ.of Hell. stud. 19, 234ff. Fig. 12). Ebenfalls zweiSatyrn, von denen der eine die Leier spielt, der an-dere tanzt, umgeben die Sphinx auf einem Kratervon Sommavilla (Jahn, Arch. Beitr. Taf. 6), wo-bei ganz gewiß nicht an ein Satyrspiel zu den-ken ist, sondern nur die auch sonst zu bele-gende Verbindung der Sphinx mit dem diony-sischen Kreise hervortritt. Ebensowenig kannich mich mit Heisch (Helbig, Führer 3 1 S. 340)und Hümmler (Rhein . Mus. 43,359) entschließen,auf der Oidipusschale des Museo Gregorianowegen des Satyrchors der Außenbilder eine Ab-hängigkeit von szenischem Vorbilde zu erblicken.Über die Aufnahme der Sphinx in den diony-sischen Kreis s. Stephani, 3Ielanges Greco-Ro-mains 1,530; Nimbus u. Strahlenkranz S. 49 ff.;Compte rcndu 1864 S. 63. 103. v. Huhn, N.Heidelberger Jahrb. 6 (1896) S. 46 erwähnt einhocharchaisches Relief in Sizilien, bakchischenTanz und darunter 2 Sphinxe darstellend.
§ 3. Deutungen der Sphinxsage.
Mit der Deutung der Sphinxsage habensich die Alten vielfach in euhemeristischemSinne zu schaffen gemacht. So wurde be-hauptet, die Sphinx sei eine Räuberin mitzahlreichem Anhang gewesen (Schol. Hesiod .Tlieog. 326: ή δδ Σφίγζ n ραγματικ&ξ ■ ■ . γυνήην Χηστρις και εϊχε ποΧΧούς συν αυτή roüg συναρ-πάζονται). Pausanias (9, 26, 2) berichtet eineÜberlieferung, nach der sie als Führerin vonSeeräubern die Küste von Anthedon und denSphinxberg unsicher gemacht habe, bis Oidi-pus, mit einem Heere von Korinth heranziehend,ihrem Unwesen ein Ende bereitete. Ähnlicherzählt Tzetzes die 'wahre Geschichte’, mit demZusatze, wer ihr Rätsel zu lösen gewußt, denhabe sie freigelassen (ad Lycophr. v. 7: το δ’dr/LjtHg ουτωξ εχει ' αυτή Xr /στρΙι ήν παρά τηνΜωάβην, χωρίον Θηβών, και τδ Φίκιον ορος καιάνι/ρει τους παριάντας. 8g δ’ αν ειποι τδ ταν-της αίνιγμα, τούτον ήΧεν&ερον). Das fabelhafteÄußere der Wegelagerin wird nun im einzel-nen ausgedeutet: Mit Löwenleib dachte mansie sich wegen ihrer Mordlust, mit Greifenklauen
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