1379 Sphinx (im griech. Volksglauben)
Sphinx (im griech. Volksglauben) 1380
die Sphinx zwischen zwei fröhlichen Satyrnzeigt, das andere Mal strahlenumkränzt zwischeneinem stehenden und einem davoneilenden Jüng-ling, der sie mit einem Stein in der Hechtenbedroht ( Monum. dell’ Inst. 2, 55), so erscheintuns auch hier das dämonische Wesen, das mitseinesgleichen in Einvernehmen, den Sterb-lichen aber gefährlich und verhaßt in Pendantszur Darstellung gebracht ist, fast ganz frei vom
Grabe entstiegenen Blutsauger. ’AXaarmQ tauchtals Bezeichnung der Sphinx gelegentlich im
4. Jahrh. auf (s. Bekker, Anecd. 382, 27). Alsmännliche Totenseele erklärte bereits Cmsiusden bärtigen Sphinxtypus (ob. unter 'Keren’Sp. 1164); es müssen aber die orienta-lischen Nachahmungen ausgesondert werden.Über bärtige Sirenen b. Weicker, Be Sirenibus
5. 58f., Ber Seelenvogel S. 32 usw., ob. unter
Gewebe der Heldensage und seiner örtlichen io 'Seirenen’ Sp. 609 usw. Der den Griechen
Begrenzung darin. Diese Märchengestalt istüberall denkbar, wie die in einem sf. Vasen-bild attischen Ursprungs ihr beigesesellte La-mia (Berl. 1934, Fundort Kamiros ; die Deutungauf Lamia hat Arch. Ztg. 1885 S. 119 ff. Max.Mayer gegeben), deren vielfaches Vorkommenneben den lokalen Sagen, wie sie z. B. in Li-byen und bei Krissa umliefen, außer Zweifelsteht.
seit mykeniscber Zeit immer aufs neue aus demOsten nahetretende Typus, den sie mit demihrem Volksglauben entstammten Namen der'Würgerin’ bezeichneten, pflegte ihnen auf denKunstdenkmälern in der Mehrzahl zu begegnen.Die Gleichsetzung von Kunst- und Märchen-typus scheint, abgesehen von anderen Grün-den, auch deshalb leicht möglich gewesen zusein, weil der griechischen Anschauung die
Die schöpferische Phantasie des griechischen 20 'Würgerin’ von alters ebenfalls als Appella-
Volkes, deren Gestaltung des Sphinxglaubens,wie wir annehmen dürfen, nur zum Teil unsererKenntnis erhalten ist, hat in verschiedenenGegenden verwandte Schreckgespenster unterwechselnden Namen geprägt und mit mancher-lei Sagenelementen verbunden. Von der 'Ver-schlingerin’ Lamia wußte das Kindermärchen,daß sie einst die Geliebte des Zeus gewesen,von Hera jedoch aller ihrer Kinder beraubt
tivum bekannt war. Spukgestalten spätererZeiten und verwandter Völkerfamilien könntenin großer Zahl zur Ergänzung und Erklärungverschollener Vorstellungen des Altertums heran-gezogen werden. Abgesehen davon, daß dieSphinxsage selbst noch jetzt in Griechenland nicht ausgestorben ist ( Beruh. Schmidt, Griech.MärchenS. 143. 247 ff.; W. Wundt, Völkerpsych.2, 3 S. 521 f.), kommt auf germanischem Ge-
worden sei, worauf sie in der Wildnis aus 30 biete die'Mare’in Betracht, eine Totenerschei-
Verzweiflung zum kinderfressenden Ungeheuerwurde. Die lesbischen Mütter fürchteten dieGello, die, selbst jungfräulich verstorben, dieJugend vor der Zeit dahinraffte. Zu Argos er-zählte man von der durch Apollo gesendetenPoine oder Ker (Mythogr. Vatic. 1,168 heißt sieLamia; bemerkenswert ist, daß Aeschylos , Sept.759 f. auch dieSphinx ui\ndi l uvt\quvKyQu nennt),wie sie den Müttern ihre Kinder entriß, bis
nung, die sich auf des Schlafenden Brust undKehle setzt, daß er weder atmen noch schreienkann, daneben die 'Alp’, 'Trude’, 'Schrat’ usw.benannten Quälgeister. Mogk, German . My-thol. S. 1013f., hält die 'Mare’ für 'eines derwenigen mythischen Gebilde, die in einer ur-germanischen Periode schon vorhanden gewesensein müssen’. Es scheint demnach eine Ur-verwandtschaft mit den erwähnten dämonischen
der tapfere Koroibos kam und die Argiver von 40 Gestalten der griechischen Sage vorzuliegen.
dem Scheusal befreite. Auch die Empusa istmenschenfresserisch, sonderlich dürstet sie nachdem Blute schöner Jünglinge; so sind ebenfallsSirenen (die 'Bestrickenden’, 'Würgenden’; s.ob. Bd. 4 Sp. 602 f.), Harpyien, Erinyen, KerenBlutsaugerinnen. Diese der Sphinx verwandtenWesen haben im Seelenglauben ihren Ursprung;es sind die Geister der Verstorbenen, die alsDämonen auf die Erde zurückkehren, um die
Vgl. Golther, Handb. d. germ. Mythol. S. 74;J. Hansen, Zaubenvahn, Inquisition u. Hexen-prozeß im Mittelalt., Hist. Bibi. 12 S. 14f.Laistner hat in seinem 'Bätsel der Sphinx’weite Gebiete des 'Alpmythus’ erschlossen undrichtig betont, daß <j<piy£ mit jm|, imycdimv,'Incubus, Alp, Mährte’ zusammenhängt (S. 4).Ohne daß wir seinen Parallelen des weiterenfolgen dürften (vgl. das besonnene Urteil W.
reißen. Fassen wir die griechische Sphinxals zu ihnen gehörig —· wobei ausdrücklichhervorgehoben werden muß, daß sie als Seelen-wesen weder im Orient noch auch bisher inder kretisch-mykenischen Kunst nachgewiesenist —, so wird immer deutlicher, daß der Volks-glaube nicht durch die thebanische Sage er-schöpft sein kann, sondern auch in anderenGegenden wurzelte; ja wir dürfen sogar weiter-
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Sterblichen zu quälen und mit sich hinabzu- 50 Wundts,Völkerpsychol. 2,3 S. 117, 2), erwähnen
wir nur noch den von ihm herbeigezogenenslawischen Sagentypus von der 'fragenden Mit-tagsfrau’, die um die Mittagszeit auf den Fel-dern erscheint und die daselbst bei der ArbeitZurückgebliebenen scharf ausfragt. Vermögensie das Verhör nicht bis zur bestimmten Stundeauszuhalten, so erwürgt oder enthauptet sie dieMittagsfrau oder schlägt sie mit Krankheit, imanderen Falle ist es mit ihrer Macht vorbei
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hin vermuten, daß ursprünglich nicht nur an 60 (vgl. die neugriech. Neraiden ob. Bd. 3 Sp. 239). _
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eine Sphinx, sondern an Zqiiyyss als würgendeTotenseelen und Irrgeister geglaubt wurde (vgl.v. Wilamowitz , Einl. z. Eur. Kykl. S. 6f. überSilenos und Satyros: 'Einheit und Vielheitmachen hier wie in der religiösen Phantasieüberhaupt keinen wesenhaften Unterschied’),wie noch heute in Griechenland und ander-wärts an Vampyre, jene schauerlichen, dem
Mittagsgespenster waren Empuse ( Bohde, Psy-che W32f.) und Sirene ( Crusius, Bie Epiphanieder Sirene, Bhilol. L 93 ff.; Weicker, SeelenvogelS. 38) und unter anderen gewiß auch die Sphinx,wenn auch über deren Erscheinen in mittäg-licher Geisterstunde keine direkten Zeugnisseerhalten sind. Denn solche Momente für ihreGeltung als Saiyoviov ucerjußqirov geltend
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