Band 
Vierter Band. Qu - S.
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1385-1386
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1385 Sphinx (symbolisch in Ägypten )

Uber eine Lekythos aus der LanckoronskischenSammlung, gefunden in Korinth , s. Treu a. a. 0.S. 8ff. Römisch-ägyptische Lampe in Sphinx-form zu Kairo : Arch. Anz. 1903 S. 145f. Abb. 1 e.Auch kann ich es nicht fiir Zufall halten, daßbei einigen unteritalischen Gefäßen in Sphinx-form an der Mündung Eroten mit Spiegeln ge-malt sind oder eine Sirene sich findet (Heyde-mann, Vasens. zu Neapel S. 653 nr. 69. 71;Cat. del Mus. Jatta S. 827 nr. 1519).

III. Die Symbolik (1er Sphinx.

§ 1. Die Sphinx in Ägypten .

In der Symbolik, die der Grieche und seineNachahmer mit der Sphinxgestalt verbanden,läßt sich der Einfluß des Ostens noch deutlicherkennen. Werfen wir einen Blick auf dieorientalischen Vorstufen. Der ägyptischeSphinx (s. oben) ist nachweislich in griechischerZeit als Wächter aufgefaßt worden, wozu diemajestätische Ruhe der gelagerten Kolosse treff-lich stimmt, und hat jedenfalls von jeher die-sen Eindruck hervorgerufen, wenn auch dieDeutung von ägyptologischer Seite neuerdingsals unzureichend begründet erklärt wird (s. ob.B V). Imponierend durch die Massenhaftigkeitder vollkommen übereinstimmend mit größterAusdauer und Sorgfalt gearbeiteten Exemplaremüssen die Zugangs- und Prozessionsstraßenvor den Tempeln gewirkt haben (ob. Elb), diezu beiden Seiten, oft auf beträchtliche Streckenhin, in kurzen Abständen mit Sphinxen besetztzu werden pflegten. Die drei Tempelbezirkevon Karnak liefern einen Begriff von der Na-tur und Lage der Sphinxalleen. Das Groß-artigste in dieser Gattung waren jedenfallsdie bis auf Spuren verschwundenen Sphinx-straßen zur Verbindung der Süd- und Nord-stadt, sowie des Ostens und Westens von Theben .Die erstere, von Karnak nach Luksor führendehatte eine Länge von etwa 2 km und war über20 m breit. Von noch gewaltigerer Ausdeh-nung war die zweite, vom mittleren Bezirk zumNile und jenseits des Stromes bis zu den Königs-gräbern und Tempeln am Gebirgsrande desWestufers sich ersteckende Prozessionsstraße.Nilauf- und abwärts sind Sphinxreihen nach-zuweisen bis in die Zeit der letzten Dynastien.In bedeutender Anzahl kamen diese Monumenteferner in den Tempelhöfen zur Aufstellung.Zahlreiche kleine Sphinxe standen in dem vonAmenophis III. erbauten Tempel des Amon zuTheben , ebenso wies der dort befindliche Chons-tempel Ramses III. einen Sphinxhof auf. End-lich postierte man die Kolosse auch vor dieTotenwohnungen. Der große Sphinx von Gisehieß später koptisch bel-hit 'Wächter, bei denArabern aber Abul-hol 'Vater des Schreckens.Die furchtbare Seite des Ungeheuers wird schonauf ägyptischen Monumenten oftmals zum Aus-druck gebracht. Den König als Bewältigerder Feinde darzustellen war ein sehr beliebterund mannigfach variierter Gegenstand, so er-scheint denn auch der Königsphinx erbarmungs-los die Gegner mit den Klauen niedertretend(s. ob. D VI, G IIIc). Dieselbe Betonung ver-nichtender Wildheit begegnet bei Sphinxen, dieMenschenhände haben mit spitzigen, einwärts

Sphinx (symbolisch in Syrien etc.) 1386

gekrümmten Nägeln reißender Tiere (Winckel-mann, Gesch. d. Kunst d. Altert. S. 44 Less.).Schreckhaften Typen wohnte von jeher dieKraft inne, als Apotropäum Böses abzu-wehren, Unheil zu beschwören, Gegenzauberauszuüben. Wir haben es also der dem Allego-rischen geneigten Phantasie der Bewohner desNiltales zuzuschreiben, daß sie in der regungs-los gelagerten Wundergestalt und später auchin dem grausam zerstörenden Ungeheuer desSphinx den Begriff mächtigen höheren Schutzesversinnlicht hat, indem sie göttliche und könig-liche Machtvollkommenheit in einem Wesenverschmolz.

Es ist eine begreifliche Entwicklung, daßder Sphinxtypus, infolge seiner massenhaftenVerwendung in der geschilderten Weise, vonfrüher Zeit an dazu neigte, mehr und mehr insOrnamentale überzugehen. Anfänglich wirdzwar die Gepflogenheit, einen bestimmten Königvorzustellen, auch bei ornamentaler Verwen-dung eingehalten. Doch das Persönliche undPorträtmäßige verschwindet allmählich. Dabeiwird die streng gebundene Stellung der großenMonumente oft aufgegeben ; der lagernde Sphinxerhebt sich, erst auf die Vorderbeine, sodannauf alle vier, endlich schreitet er. Diese Ent-wicklung ist für die Folgezeit bedeutsam ge-worden.

§ 2. Die Sphinx in Syrien .

Ein zweiter Ausgangspunkt liegt in Meso-potamien . Die zahlreichen Flügelwesen derbabylonisch-assyrischen Kunst, welche die Aus-grabungen der letzten Jahrzehnte in immergrößerer Fülle zutage gefördert haben, sind fastdurchweg auf einheimischen Ursprung zurück-zuführen. Es sind menschen- und adlerköpfigeGottheiten mit zwei oder vier Flügeln, die vordem heiligen Palmbaum stehen und ihn künst-lich zu befruchten scheinen (Taylor, Proceed-ings oftheSociety ofBiblical Arehaeol. 12 ,383ff.);es sind geflügelte Tiere, besonders Stiere undLöwen mit Menschenhäuptern, ja förmlicheLöwenkentauren mit menschlichen Armen, wiesie am Eingänge von Assurnasirpals Palaststanden oder sich an dem des Assurbanipalbefunden haben ( Perrot et Chipiez 2, 281 Fig. 114,S. 580f. Fig. 278). Im Traume des ProphetenDaniel (7, 4) ist der Löwe mit Adlerflügelngeradezu das Symbol des chaldäischen Reiches.Wie die Löwenkolosse so wurden die geflügel-ten Stiere als torhütende Genien gedacht. Siesind oft Monolithe von majestätischer Größe,an der Seite in Relief, nach vorn im Profil ge-arbeitet. Wir kennen 26 Paare im Palaste desSargon zu Khorsabad (Rekonstruktion bei Perrot-Chipiez 2, 431 Fig. 195 Taf. 9), zehn an einemTore von Sanheribs Palast zu Ninive (tbd. 2, 462),zwei am Stadttor von Khorsabad (ebd. 2, 484 f.Fig. 216. 217) usw. Auch als Säulenträger wur-den sie verwendet (Beispiele von Ninive ebd.2, 224 Fig. 83. 84, S. 225 Fig. 85). Auf denwürdevollen Häuptern tragen diese schreiten-den Gestalten eine Tiara, um welche sich einoder mehrere Paare von Hörnern winden zurBezeichnung des göttlichen Charakters. Es istkein Zweifel, daß diese imponierenden assyri-

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